Seit einer knappen Woche sind wir schon in Montevideo und der Dulli lässt noch immer auf sich warten. Wir hoffen nun am Freitag endlich zu unserem „richtigen“ Abenteuer aufbrechen zu können, aber bis dahin haben wir beschlossen, es uns noch einmal so richtig gut gehen zu lassen und verbringen wohl so ziemlich den entspanntesten Urlaub unseres Lebens. Was für einen Unterschied es macht, wenn jeglicher Zeit- und Optimierungsdruck entfällt, ist erstaunlich. Auf unseren bisherigen Reisen haben wir uns häufig viel zu viel in viel zu kurzer Zeit vorgenommen und es blieb wenig Raum für das echte Kennenlernen und Genießen von Orten oder dafür, einfach mal in den Tag hinein zu leben und zu schauen was der so bringt. Die Entschleunigung beginnt…

Die letzten Tage in Buenos Aires haben wir es etwas ruhiger angehen lassen. Wir haben einige Stunden am Pool verbracht, die Annehmlichkeiten einer Metropole noch einmal ausgekostet, einige Besorgungen gemacht und weiteren hippen Restaurants in Palermo einen Besuch abgestattet. An einem Abend saßen an unserem einen Nebentisch zwei brasilianischen Jungs und an dem anderen Nebentisch eine Gruppe älterer, argentinischer Herren. (Nord)deutsch wie wir nun mal sind und eben nur sehr bedingt der spanischen Sprache mächtig, haben wir uns auf die Speisekarten konzentriert, versucht die ein oder andere Zutat zu übersetzen und uns miteinander unterhalten. Als die Brasilianer mitbekamen, dass wir nicht alles auf der Karte verstehen, sprachen sie uns an und halfen mit ein paar Brocken Englisch, Spanisch und letztlich mit Hilfe der Kellnerin, bis alle Unklarheiten beseitigt waren. Wir erfuhren später, dass einer der Beiden Jurist ist und an der Uni in Vitório arbeitet. Nebenbei setzt er sich leidenschaftlich für Menschenrechte ein. Mit großer Begeisterung hörten sie von unserem geplanten Trip und schlugen direkt vor, doch noch Brasilien in unsere Route zu integrieren. Das ist zwar nicht geplant, aber wir werden sehen was die Zeit bringt… Vom anderen Nebentisch schallte währenddessen lautes Gelächter der älteren Herren herüber, die sich köstlich über youtube Clips auf ihren Smartphones amüsierten. Uns wurden dann auch direkt die Videos vorgeführt und wir lachten gemeinsam über Betrunkene, die sich vergeblich versuchen eine Zigarette anzuzünden. Der Humor ist offenbar unabhängig von Alter oder Herkunft überall der Gleiche, so geht also generationenübergreifende Völkerverständigung via youtube… Wir haben uns am meisten über die Herren gefreut und darüber, dass man auch ohne viele Worte einen sehr unterhaltsamen Abend mit Fremden haben kann. Da müssen wir (Nord)deutschen wohl noch einiges dazu lernen.

Nach neun Tagen in Buenos Aires haben wir ein sehr positives Fazit gezogen. Uns hat die Stadt wirklich begeistert, wenn auch nicht alle Teile gleichermaßen. Insbesondere Palermo hat es uns angetan und wir sind sehr froh, dass wir die Stadt mit so viel Zeit und in aller Ruhe erkunden konnten. Neben der szenigen Umgebung haben uns, wie bereits mehrfach erwähnt, die Menschen begeistert. Auch wenn es sich oft nach einer Floskel anhört, uns ist wirklich selten so viel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft begegnet. Insbesondere für uns, die wir hier zum Teil alltägliche Situationen bestreiten, ist es extrem hilfreich, wenn uns zum Beispiel jemand spontan beim Aktivieren und Aufladen unserer argentinischen SIM Karte behilflich ist, beim Entziffern der Anleitung für die Waschmaschine oder eben der Speisekarte, wie oben beschrieben.

Am Donnerstag sind wir mit einem Katamaran zunächst nach Colonia del Sacramento und mit dem Bus weiter nach Montevideo gereist. Die Einreise verlief, wie in allen Reiseführern angekündigt, sehr unkompliziert. Die Überlandfahrt vermittelte uns einen ersten Eindruck von Uruguay, der gar nicht mal so fremd anmutete. Die flache Landschaft mit einigen Windrädern, kleinen Häuschen (zum Teil sogar mit Gartenzwerg im Vorgarten) und einigen Rennradfahrern bei einer Ausfahrt, haben uns fast an Schleswig-Holstein erinnert. Nur die Palmen, die die Straße säumten und die regelmäßig am Straßenrand angebundenen Pferde (die hier in ländlichen Regionen eine echte Alternative als Fortbewegungsmittel zu sein scheinen) sowie die freilaufenden Rinder machten deutlich, dass wir fernab der Heimat unterwegs sind. 

Montevideo gefällt uns sehr. Gerade nach den Tagen in der Mega-Metropole Buenos Aires tut die beschauliche Größe (1,5 Mio. Einwohner) und die lange Beachfront gut. Es gibt schöne Strände, eine von Palmen gesäumte Küstenstraße, auf der man joggen oder auch einfach spazieren kann, eine Altstadt, die stellenweise etwas heruntergekommen ist aber den Charme vergangener Zeiten versprüht, eine tolle Markthalle, in der bereits ab Vormittag das typische Asado zubereitet wird, frische Seeluft und, wie könnte es anders sein, wiederum fantastisches Essen. 

Wir mussten noch ein paar Formalitäten zur Abholung des Dulli erledigen und so führte uns der erste Gang zur Migracion. Obwohl wir schon vor 9 Uhr dort waren, hatte sich bereits eine lange Schlange gebildet. Entgegen unserer Befürchtungen lief alles sehr entspannt und effizient ab und nach wenigen Minuten Wartezeit waren wir im Besitz einer „Certificado de llegada“. Es hat richtig Spaß gemacht in einem fremden Land auch mal einen schnöden Behördengang zu erledigen und wir waren sehr stolz, dass wir unser Anliegen erfolgreich darlegen konnten. Darüber hinaus haben wir dort, wie auch an allen Tagen danach, festgestellt, dass ein Uruguayer das Haus nie ohne seine Mate-Ausrüstung, bestehend aus Calabaza, Bombilla und Thermoskanne verlässt. Was bei uns der obligatorische Starbucks Becher ist, ist hier die Calabaza nebst Thermoskanne, die trotz unhandlicher Größe ganztägig dabei sind.

Beim Grimaldi Agenten erfuhren wir, dass sich die Ankunft des Schiffes voraussichtlich auf den 20.10. verzögert und wir beschlossen spontan, die restlichen Tage in etwas netterer Umgebung zu verbringen. Wer weiß wann sich das nächste mal so eine Gelegenheit bietet. Die Innenstadt war ohnehin abgelaufen, ein Stamm-Restaurant gefunden und ausreichend besucht (am 2. Abend wurden wir bereits mit ¡Hola amigos! begrüßt während der Koch, wie üblich, beim Kochen durch die offene Küche tänzelte und seine genialen Kreationen zauberte) und unsere erste Bleibe war zwar ok, das Zimmer hatte aber kein Fenster bzw. nur eins zum Hotelflur. Das führte zu einem durchaus gewöhnungsbedürftigen Raumklima sowie einer von heimkehrenden bzw. abreisenden Hotelgästen und sich über Funk verständigenden Zimmermädchen geprägten Geräuschkulisse, so dass wir nach drei Nächten umgezogen sind und nun noch einmal alle Annehmlichkeiten eines hervorragenden Hotels genießen.

Das Hotel liegt in einem sehr exklusiven Stadtteil von Montevideo, der Wohlstand ist hier unübersehbar. Auch wenn Uruguay als sogenannte Schweiz Südamerikas zu den sichersten Ländern auf unserer Reise gehören wird, war die Altstadt nach Ladenschluss doch von einigen eigenartigen bis unangenehmen Gestalten bevölkert. Obwohl wir uns nun nur wenige Kilometer weiter östlich befinden, sind wir hier in einer anderen Welt. Der örtliche Tennisclub ist immer gut frequentiert, die Boutiquen voll und abends kann man wunderbar flanieren. Der lokale Supermarkt hat übrigens gerade „fiesta alemana“… So stellt man sich hier also die deutsche Frau vor (uns hat sie eher an Frau Antje erinnert):

 


Unterkünfte

Ort: Montevideo, Ciudad Vieja
Art: Hotel
Preis: ca. 50 EUR p.N. inkl. Frühstück
Annehmlichkeiten: keine
Sonstiges: zentral gelegen zur Erkundung des Zentrums bzw. zum Hafen, sauber und modern, unser Zimmer hatte allerdings nur ein Fenster zum Hotelflur, darauf sollte ggf. geachtet werden
LinkPuerto Mercado Hotel

Ort: Montevideo, Carrasco
Art: Hotel
Preis: ab ca. 200 EUR p.N. inkl. Frühstück
Annehmlichkeiten: alle erdenklichen
Sonstiges: sehr exklusives Hotel in vornehmen Stadtteil Montevideos, gute Restaurants in der Umgebung, traumhaft schönes, historisches Gebäude, direkt ggü. vom Strand
LinkSofitel Montevideo

4 Gedanken zu “Warten und Mate trinken in Montevideo

  1. Phantastisch…. mich packt eine Reiselust wie ich sie noch nicht kannte. Toll, lasst es euch gut gehen und genießt die Zeit. Es wird bestimmt noch recht karg an einigen Tagen. Ich freu mich sooo für euch und liebe euch und drücke euch.

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  2. yay, endlich mal geschafft, hier ein bisschen Urlaub zu machen auf Eurer Seite…tolle Bilder, tolle Berichte…danke für’s mitreisen lassen 🙂

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  3. Da bin ich ja beruhigt, dass es in Motevedeo Underberg, Jägermeister, Beck’s, Henkel … gibt – wie in Italien.
    Liebe Grüße Horst

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