Uruguay ist nicht spektakulär. Die landschaftlichen Highlights erwarten uns eher in Argentinien oder anderen Ländern, die wir bereisen werden. Uruguay besticht eher durch seine Entspanntheit, die unendlichen Weiten, das zu großen Teilen menschenleere Land, durch wunderschöne Küsten und Strände und durch, gerade abseits der Küsten, wenig Tourismus. So fühlt man sich jederzeit willkommen, trifft auf hilfsbereite Menschen und kann das Land sehr authentisch erleben und kennenlernen. Wir haben in den letzten Wochen einen großen Teil des Landes bereist und sind begeistert.

karte

Die zweite Orkannacht in der letzten Woche (es waren wirklich bis zu 12 Windstärken) haben wir im Hotel in La Paloma verbracht. Der Strom im Hotel hat am späteren Abend zum Glück wieder funktioniert und wir haben für den geringen Übernachtungspreis letztlich doch Licht, Heizung und eine warme Dusche bekommen (bei 13 Grad Außen- und nur unerheblich höherer Zimmertemperatur eine feine Sache). Bei am nächsten Tag wieder sonnigem Wetter ging es anschließend über Valizas weiter nach Punta del Diablo. Immer an der uruguayischen Küste entlang in Richtung Norden bis kurz vor Brasilien. Die Küstenorte sind alle super entspannt. Kleine Surfer- / Aussteiger-Orte mit schönen Stränden, Wanderdünen und wenn man Glück hat Walen und Delfinen vor der Küste (hatten wir leider nicht). Überall waren noch die Nachwehen von dem Sturm zu spüren und wir musste uns nun regelmäßiger an ein Leben ohne Strom gewöhnen. Kein Internet (zu verschmerzen), zu Essen gab es das was der örtliche Supermarkt noch ungekühlt im Angebot hatte (Pasta geht immer) und eine kalte Dusche (außerordentlich erfrischend). Wir haben das entspannte Leben in vollen Zügen genossen. Wir konnten jeweils vor Hostels campen, was uns nette Kontakte zu anderen Reisenden aus der ganzen Welt ermöglicht hat. In Punta del Diablo haben wir bei schönstem Wetter zwei Tage verbracht, zu dieser Jahreszeit geht es hier noch sehr ruhig zu. In der Hauptsaison ab Dezember bevölkern dann wohl die Touristenmassen den Ort, schwer vorstellbar wenn man das kleine Örtchen so erlebt hat wie wir.

Valizas

Punta del Diablo


Nach einem noch sehr erfrischenden Bad im Atlantik, dem Abschied von dem schönen Hostel und von Laura und Malte aus Berlin, mit denen wir einen netten Tag verbracht haben und durch die wir sogar schon das peruanische / chilenische (man ist sich nicht ganz einig) Nationalgericht Ceviche probieren konnten, haben wir uns auf den Weg ins Landesinnere gemacht. Auf den Weg ins Gaucho-Land. Auf einer abenteuerlichen Straße / Piste ging es bei immer weiter steigenden Temperaturen (am Ende 38 Grad) Richtung Westen. Zum ersten Mal wussten wir, warum wir die Tour mit einem Offoad-Fahrzeug unternehmen… Nach einigen Kilometern tauchte vor uns am Horizont plötzlich ein Bulli auf, der noch deutlich mehr unter den Straßenverhältnissen litt. Als wir ihn eingeholt hatten, haben wir tatsächlich den Bulli „Manny“ mit seinen Schweizer Besitzern wiedergetroffen, die wir schon in Montevideo bei Grimaldi und auf dem ersten Übernachtungsplatz „Paraiso Suizo“ getroffen hatten. Nach 1 Woche und über 500 km gar nicht mal so wahrscheinlich. So standen wir noch eine Weile mitten im Nirgendwo in der sengenden Hitze und haben uns über unsere nächsten Stationen ausgetauscht.

Nach einem kurzen Versorgungsstop in Treinta y Tres (endlich wieder ein richtiger Supermarkt für uns und Euro-Diesel für unglaubliche 1,60 € pro Liter für Dulli) sind wir durch traumhafte Landschaft in den Nationalpark „Quebrada de los Cuervos“ weitergefahren. Unendliche Weiten, nur Rinder und Palmen so weit das Auge reicht. Die Landschaft fasziniert uns jeden Tag aufs Neue. Auf dem Campingplatz des Parks waren wir die einzigen Gäste und haben uns wiederum ohne Strom, warmes Wasser, dafür mit beeindruckendem Sternenhimmel und einer faszinierenden, tierischen Geräuschkulisse (so ganz einig sind wir uns nicht was da nachts so alles um den Dulli rumgekrabbelt ist) das erste Mal so richtig in die Natur begeben. Unser erstes Abendessen in der Wildnis fand dank gigantischer Käfer, Falter und sonstigem Getier allerdings ein recht abruptes Ende. An Teile der südamerikanischen Fauna müssen wir uns wohl noch gewöhnen, insbesondere an die Größe der Tiere (Spinnen, die man bei 80 km/h über die Straße wandern sieht??? Gruselig!)

Die für den nächsten Tag geplante Wanderung musste aufgrund starken Regens und Gewitter leider ausfallen, manchmal sind es aber gerade diese ungeplanten Begebenheiten, die zu den ganz besonderen Momenten und Begegnungen einer Reise führen. Nachdem der Regen am Nachmittag immer noch nicht nachließ, sind wir aufgebrochen, in der Hoffnung irgendwo ein Abendessen zu bekommen. Die Estancia „Pinos de la Quebrada“, die auch einige Gästezimmer vermietet, war einige Kilometer entfernt. Wir hatten vorher bereits mit dem Besitzer Martin Kontakt aufgenommen, um zu erfragen, ob wir auf dem Grundstück campen dürfen. Er verneinte das, empfahl uns aber eine andere Unterkunft in der Nähe. Da diese leider geschlossen hatte, sind wir auf der Suche nach einem Abendessen und auf gut Glück trotzdem zu der Estancia aufgebrochen. Einige Kilometer und drei geschlossene (zum Glück nicht abgeschlossene) Tore von der Hauptstraße entfernt, haben wir am frühen Abend das wunderschöne Anwesen gefunden. Und was dann passierte hat uns wirklich beeindruckt und begeistert: Martin begrüßte uns herzlich und bot uns dann doch sofort an hinter dem Haus zu campen und öffnete uns sogar eins der Zimmer, damit wir das Bad benutzen können. Seine Frau Valentina lud uns in die Küche zu Kaffee und Kuchen ein, wir sahen wohl etwas hungrig aus. Und so wurden wir innerhalb kürzester Zeit in die Familie aufgenommen. Wir haben eine warme Dusche genossen, abends Pasta gegessen und vor einem der vielen Kamine im Haus gesessen, morgens gab es ein herrliches Frühstück und nachdem die ganze Familie ausgiebig den Dulli besichtigt hatte, ging es gemeinsam zu einer kurzen Wanderung über das weitläufige Estancia Gelände. Fast 500 ha Land und ein Wohnhaus mit Pool, einem traumhaften Garten und einer sehr gemütlichen Atomsphäre waren ein echtes Highlight. So eine Herzlichkeit und Gastfreundschaft ist uns wohl noch nie begegnet und wenn wir nicht ohnehin schon restlos begeistert von Uruguay und seinen Menschen waren, dann waren wir es spätestens jetzt.

Inzwischen sind wir auf dem Weg weiter durch das Landesinnere zur argentinischen Grenze. Es wird immer einsamer, die Straßen werden schlechter (armer Dulli!) und hierhin verirren sich wirklich kaum noch Touristen. Bei unserem Stop im Valle Eden haben wir immerhin noch einen geöffneten Empanada-Stand gefunden, an dem wir erneut freundlichst bedient wurden und an dem wir den netten Franzosen Oliver kennengelernt haben, der uns anbot ihn und seine Familie auf die Wanderung zu den nahegelegenen Wasserfällen zu begleiten. Ein großes Glück, wie sich am nächsten Tag rausstellte, da wir den Weg, der unscheinbar auf einer Kuhweide beginnt, alleine wohl nie gefunden hätten.

Die letzten Tage in Uruguay verbringen wir in einem kleinen Paradies auf einem Campingplatz an den San Nicanor Thermen. Der Platz ist wunderschön weitläufig, es gibt Pools, die aus den warmen Quellen gespeist werden, wir haben einen eigenen Grillplatz und außer uns ist nur ein weiteres Pärchen aus Stuttgart mit seinem Offroad-LKW hier. Das heißt, wir haben die ganze Anlage quasi für uns und können es uns bei über 30 Grad so richtig gut gehen lassen. Abends lassen wir uns von Viviane und Holger einen Überblick über ihre 3,5 Jahre auf dem amerikanischen Kontinent geben und mit den besten Insider Tipps versorgen. Alternativ kann man abends herrlich in den warmen Pools liegen und den spektakulären Sternenhimmel bewundern.


Unterkünfte

Ort: Valizas
Art: Hostel und Mini-Eco-Camping
Preis: 400 UR-$ für 2 Personen
Annehmlichkeiten: Wifi, kalte Dusche, saubere Toiletten, einfache Küche (alles draußen)
Sonstiges: 1-2 Autos haben auf dem Grundstück Platz, sehr entspannte Hippie Atmosphäre, nette Besitzerin, wenige Minuten zum Strand
Link: Lucky Valizas

Ort: Punta der Diablo
Art: Hostel
Preis: 300 UR-$ für 2 Personen für die Nutzung von Duschen / Toiletten
Annehmlichkeiten: Wifi, warme Dusche, saubere Toiletten, Küche, Aufenthaltsraum
Sonstiges: sehr nettes Hostel, entspannte Atomsphäre, Veranda mit Hängematten, viele internationale Reisende, Parken vor dem Hostel (nicht gesichert)
Link: El Diablo Tranquilo

Ort: Nationalpark Quebrada de los Cuervos
Art: Campingplatz
Preis: 100 UR-$ für 2 Personen
Annehmlichkeiten: Einfache Waschhäuser mit kalten Duschen, Grillplätze
Sonstiges: Wunderschöner Platz am Eingang des Nationalparks
Koordinaten: S 32°54.397′, W 54°26.836′

Ort: Nahe des Nationalparks Quebrada de los Cuervos
Art: Estancia / Hotel
Preis: tbd
Annehmlichkeiten: Pool, hausgemachtes Essen, Lese-, Fernseh-, Billardzimmer, Kamine in fast jedem Raum, Wifi
Sonstiges: Wunderschöne Estancia mit sehr herzlichen und hilfsbereiten Besitzern, wir konnten ausnahmsweise auf dem Grundstück campen, das ist aber eigentlich nicht möglich
Link: Pinos de la Quebrada

Ort: Valle Eden
Art: Campingplatz
Preis: kostenlos
Annehmlichkeiten: tagsüber einfache Waschhäuser, Grillstellen
Sonstiges: Wiesenplatz
Koordinaten: S 31.82215, W 56.17436

Ort: Termas San Nicanor
Art: Campingplatz
Preis: 600 UR-$
Annehmlichkeiten: Pools, Grillplatz an jedem Stellplatz, Strom, Wifi, warme Duschen
Sonstiges: ein kleines Paradies für sehr entspannte Tage in Uruguay, sehr gepflegter Platz
Koordinaten: S 31.53537, W 57.79923

7 Gedanken zu “Uruguay – Von den Hippies zu den Gauchos

  1. Schön zu lesen, dass es euch so gut und vorallem so herzlich aufgenommen werdet! Wahnsinn! Hoffe, dass es so weiter geht und Dulli die deutschen Straßen nicht zu sehr vermisst.

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  2. Super nett geschrieben. Crevice in Peru geboren , Schmeckt aber auch in Brasilien! Freue mich auf den nächsten Bericht. Grüße aus dem nasskalten hamburg

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  3. Hallo ihr beide
    Habe eure Berichte gelesen eine sehr spannende Reise Abenteuer . Träume selber einmal die Pan Americana mit meinem Womo zu bereisen.Wünsche euch beiden alles erdenkliche Glück auf eure Reise. Werde eure Reise mit Spannung mit verfolgen ☺

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  4. Vielen Dank Heinz. Dann wollen wir aber irgendwann auch den Link zu deinem Blog bekommen.
    Die Planung macht auch schon Spaß. Nur nicht zu lange „irgendwann später“ sagen. 🙂
    Grüße aus Brasilien
    Malte

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