Von den Felswänden und den Wasserfällen des Yosemite Nationalparks ging es weiter zu den Mammutbäumen in den zusammen verwalteten Nationalparks Kings Canyon und Sequoia. Als wir die ersten Sequoias erblickten, waren wir begeistert von Größe (der dickste misst 12 Meter Stamm-Durchmesser) und Alter der Bäume (der älteste Sequoia ist rund 3.200 Jahre alt). Die Riesen überleben Feuer bzw. benötigen dieses sogar zur weiteren Verbreitung und einige von ihnen sind die ältesten noch lebenden Organismen der Welt. Wir besuchten den General Giant (der Baum mit dem größten Durchmesser) und den General Sherman (der schwerste Baum) und den Tunnel Log, durch den Dulli leider knapp nicht hindurch passte. Ein Foto gab es aber trotzdem. Wir machten einen kurzen Abstecher in Richtung Kings Canyon, dessen Hänge zu dieser Jahreszeit von Wildblumen gesäumt sind. Die Aussicht war wirklich großartig.

Karte LV

In einer nervenzehrenden, langen Autofahrt ging es vom Park auf die östliche Seite der Sierra Nevada in Richtung Death Valley. Die Luftlinie ist zwar nicht lang, da wir allerdings die Berge umrunden mussten und die Serpentinen uns sehr ausbremsten, waren wir eine gefühlte Ewigkeit unterwegs. Kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir einen Campingplatz kurz vor dem Death Valley. Es gab sogar ein Restaurant, in dem wir zu Abend essen konnten und die ersten Ausblicke auf die Wüste waren spektakulär. Die Diversität der Landschaften in nur wenigen Kilometern Entfernung in diesem Teil der USA faszinierte uns sehr. Auch das Klima änderte sich je nach Höhenlage und Vegetation ständig. Die Landschaft erinnerte uns zwar ein wenig an Teile des südamerikanischen Altiplanos und die Atacama Wüste. Dort waren die Übergänge der Landschaften allerdings viel sanfter. Wir freuten uns nach diesem ersten Eindruck auf die Durchquerung des Death Valley am nächsten Tag, dazu sollte es aber nicht kommen. Nach dem Abendessen wollten wir nur noch schnell ins Bett und uns von der langen Fahrt erholen. Dort angekommen stellten wir dann jedoch fest, dass der Wind, der nachmittags schon dafür gesorgt hatte, dass Fahrzeuge mit Anhängern und Wohnmobile die Autobahn verlassen mussten, noch einmal deutlich aufgefrischt hatte. Seit den ersten Tagen der Reise in Uruguay, an denen wir einmal bei 12 Windstärken das Hubdach zugeklappt haben, sind wir mit jeglichem Wind unterwegs immer mehr oder weniger gut zurecht gekommen. Das war nun aber eine andere Dimension und der Wind zerrte so bedrohlich an unserem Dach und brachte Dulli zum schwanken, dass wir nach kurzem Überlegen wieder abbauten und alles zusammenpackten. Nur wohin jetzt? Bei geschlossenem Dach können wir im Auto leider nicht schlafen und eine Alternative zum Übernachten gab es auch nicht. Also durchquerten wir nach diesem ohnehin schon endlosen Reisetag notgedrungen nachts die Wüste und machten uns auf den Weg nach Las Vegas. Um 2 Uhr nachts kamen wir völlig erschöpft dort an und erlebten einen kleinen Schock bei den ganzen Lichtern, den riesigen Casinos und den Menschenmassen, die hier Freitagnacht um die Häuser zogen. Mal wieder eine völlig andere Welt. Die Stadt wäre ohnehin unser nächster Stopp geworden und wir hatten beschlossen, in einem der großen Hotels abzusteigen und uns auf den Trubel einzulassen. Wir checkten also spontan eine Nacht früher im Caesars Palace ein und überlegten kurz, ob wir uns nun einfach umziehen und noch einen Runde spielen sollten. Wach waren wir jetzt ohnehin. Wir entschieden uns dann aber doch für das bequeme Bett und vertagten alles weitere auf den kommenden Tag.

Das Aufwachen plötzlich inmitten der Vergnügungshauptstadt war etwas unwirklich, aber wir freuten uns auf das Kontrastprogramm. Wir erkundeten den Las Vegas Strip mit den unzähligen, bunten Casinos, Hotels und eben allem was Spaß macht, die Wedding Chapels und die riesige Anlage des Caesars Palace. Nicht nur das Casino hat unwirkliche Dimensionen, auch viele Restaurants, Bars, ein komplettes Einkaufszentrum und ein riesiger Pool Bereich gehören zu der Anlage. Alles ist trotz der Menschenmassen, die hier insbesondere an den Wochenenden einfallen erstaunlich sauber und gepflegt. Abends versuchten wir unser Glück beim Roulette (hat leider nicht für eine Verlängerung der Reise gereicht…) und gingen danach in den hoteleigenen Club „Omnia“. Das erste Mal Feiern seit 1,5 Jahren und es war unglaublich toll. Der Club und die DJs waren einzigartig, man merkt dass in Las Vegas die Crème de la Crème der Unterhaltungsindustrie unterwegs ist.

Tags drauf wollten wir der künstlichen Welt etwas entfliehen und machten einen Abstecher zum Redrock Canyon. Ein kleiner Ersatz für das quasi verpasste Death Valley. Die Landschaft dort ist wunderschön mit bunten Bergen, ähnlich wie im Norden Argentiniens. An unserem Picknickplatz wartete dann allerdings ein besondere Überraschung auf uns: eine Klapperschlange hatte es sich keine 2 m von uns entfernt neben einem Stein gemütlich gemacht und war dabei fast unsichtbar. Die Schlange fügte sich so gut in die Umgebung ein, dass wir sie fast übersehen hätten. Das Picknick war dann schneller vorbei als gedacht, irgendwie machte uns unsere Nachbarin selbst während ihres Mittagsschlafs ein wenig nervös.

Als wir schließlich die sündige Stadt wieder hinter uns ließen, resümierten wir unser Erlebnis mit gemischten Gefühlen. Einerseits waren wir beide fasziniert, wie uns die Stadt mit ihrem überbordenden Angebot an Vergnügungen in ihren Bann gezogen hat. Wir hatten eine Menge Spaß, die Tage vergingen wie im Flug und waren für uns ein sehr willkommener Kontrast zu unserem sonstigen Reisealltag. Andererseits haben uns viele Eindrücke von den Menschen, die verzweifelt versuchen in Las Vegas irgendwie dazu zu gehören und die am Rande dieser künstlichen Welt ein trauriges Dasein führen sowie die Ressourcen, die hier in eigentlich Sinnloses fließen, betroffen gemacht. Sobald die erste Faszination durch die völlige Reizüberflutung etwas verflogen war, konnten wir auch vor diesen Aspekten nicht mehr ganz die Augen verschließen. Las Vegas ist und bleibt aber eine lohnende und wirklich faszinierende Stadt und wir sind froh, dass wir das Spektakel mitgemacht haben.

Vorbei am Hoover Dam fuhren wir weiter nach Arizona, um dem Grand Canyon einen Besuch abzustatten. Ein großer Name und wir waren sehr gespannt, wie uns der Canyon gefallen würde. Oft sind die Haupt-Touristenattraktionen für uns eher schwierig zu besuchen und nicht unsere absoluten Highlights, allerdings hatten uns sehr viele Reisende erzählt, wie beeindruckend der Canyon ist. Wir fuhren also in den Nationalpark hinein und völlig unvermittelt eröffnete sich plötzlich der erste Blick auf die Gesteinsformationen und die riesige Spalte im Erdboden und wir hatten wirklich Gänsehaut. Nach all den Monaten und den vielen Dingen, die wir auf unserer Reise gesehen haben, hat uns dieser Anblick wirklich umgehauen. Wir konnten die Dimensionen nicht begreifen und auch kein Foto oder Video, dass wir vorher gesehen hatten, konnte uns auch nur annähernd darauf vorbereiten was wir nun zu sehen bekamen.

Eine weitere Überraschung waren die guten freien Campingmöglichkeiten im angrenzenden National Forest, wo wir eine Nacht mit Sandra und Timo verbrachten. Am Tag darauf wanderten wir noch einige Kilometer am südlichen Rand des Canyons entlang. Viel änderte sich am Ausblick dabei allerdings nicht und der schönste Moment blieb einfach der allererste Blick am Vortag. Einen emotionalen Moment hatten wir dann noch an einem Aussichtspunkt auf einen der Pfade, die zum Fuß des Canyons führen. Ich rief spontan meinen Vater an, von dem ich wusste, dass er vor 46 Jahren den Canyon runter und wieder heraufgewandert war und wollte ihn mit einem Videotelefonat an diesem Moment teilhaben lassen. Während des Telefonats stellten wir dann fest, dass ich genau auf den Weg herabblickte, den er Anfang der 1970er Jahre genommen hatte. Was für ein Zufall! An der Landschaft dürfte sich in all den Jahren nicht wirklich etwas verändert haben und wir freuten uns beide über diese plötzliche Verbundenheit über den großen Teich hinweg. Solche Momente sind auf Reisen einfach unschlagbar.


Unterkünfte:

Ort: Kings Canyon / Sequoia Nationalpark
Art: Campingplatz
Preis: 18 USD
Annehmlichkeiten: Toiletten
Sonstiges: ruhiger Platz, gut als Ausgangsbasis für den Kings Canyon und den Sequoia Nationalpark
Koordinaten: 36.74360, -118.96567

Ort: Panamint Springs
Art: Campingplatz
Preis: 10 USD
Annehmlichkeiten: saubere Toiletten, warme Duschen, Restaurant
Sonstiges: sehr guter Ausgangspunkt für die Erkundung des Death Valley, kann sehr windig werden
Koordinaten: 36.34045, -117.46749

Ort: Las Vegas
Art: Hotel
Preis: 150 USD für ein DZ
Annehmlichkeiten: alle erdenklichen
Sonstiges: eines der berühmten Casino Hotels in Las Vegas
Link: https://www.caesars.com/

Ort: Chloride
Art: Campingplatz
Preis: 15 USD
Annehmlichkeiten: saubere Toiletten, warme Dusche, coin laundry
Sonstiges: sehr angenehmer Platz in der Wüste zwischen Las Vegas und dem Grand Canyon Koordinaten: 35.41594, -114.20414

Ort: Kaibab National Forest (Nähe Grand Canyon) Art: freies Camping
Preis: kostenlos
Annehmlichkeiten: Pit Toiletten
Sonstiges: ruhiger Platz im Wald, 5 min vom South Rim des Grand Canyon entfernt
Koordinaten: 35.96143, -111.96110

8 Gedanken zu “Sequoia, Las Vegas und der Grand Canyon

  1. Da ihr nun an der Westküste der USA seid, ist es für mich und meine Frau noch interessanter, Eure Berichte zu lesen. Ab März 2019 sind wir mit unserem Columbus (Defender 110) auch für ein Jahr in den USA und Kanada unterwegs. Ich habe ähnliches schon 2006 mit dem Motorrad unternommen und durch Eure Bilder und Texte kommen ganz viele schöne Erinnerungen und Geschichten wieder hoch.
    Klasse Berichte und Bilder – bitte weiter so !!! DANKE 🙂

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  2. Das freut uns sehr und wir wünschen euch viel Vorfreude auf eure Reise. Die USA und mit Sicherheit auch Kanada bieten einfach unglaublich viel, uns fällt es schwer hier Prioritäten zu setzen. Aber wir kommen auch ganz bestimmt irgendwann wieder.
    Viele Grüße
    Ali & Malte

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  3. Ich nehme an Ihr fahrt auch bis nach Alaska hoch – das war damals der schönste Teile meiner Reise 2006. Schöner als AUS, NZ, CAN und auch die lower States.
    Die Landschaft und die Fauna hauen einen echt um…

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  4. Hallo ihr zwei bei euren Erzählungen uns faszinierenden Bildern kann man schon etwas neidisch werden, nur weiter so, bleibt mir gesund liebe grüße Heinz

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  5. Hallo ihr zwei, da prallen ja zwei Welten aufeinander die gegensätzlicher nicht sein können und jede auf ihre Art umwerfend, faszinierend. Tolle Erlebnisse die ihr habt. Es ist sooo schön für euch.

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  6. Hallo, die Erfahrungen am Grand Canyon habe ich auch gemacht: das koennen Bilder nie so beschreiben, wie es ist, wenn man dort ist. Es ist eine tolle Gegend, auch die Wueste. Viel Spass auf Eurer Reise und alles Gute!

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  7. Wir sind vor eingen Tagen auf eure Seite gestossen (via ProMobil-Beitrag). Danke, dass ihr eure Erfahrungen so eindrücklich teilt. Ihr seid uns bezüglich Südamerika einiges voraus, unser Trip startet – auf etwas andere Art – erst im November 2019. Wenn wir eure vielen Blogs dann in nächster Zeit verschlungen haben, werden wir uns auf unseren Start wohl noch mehr freuen 😉
    Beste Grüsse, immer gute Fahrt und weiterhin viele tolle Erlebnisse
    Jens und Alice

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  8. Liebe Alice und Jens,

    Vielen Dank für eure nette Rückmeldung. Wir freuen uns immer, wenn wir unsere Begeisterung und Eindrücke ein wenig transportieren können. Wir wünschen euch auf jeden Fall ganz viel Vorfreude und viel Spaß mit allen Vorbereitungen. Bei Fragen meldet euch jederzeit gerne!
    Viele Grüße aus Utah
    Alexandra und Malte

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