Mit einer letzten Wanderung bei herrlichem Wetter und etlichen Höhenmetern in den Beinen ließen wir El Chalten schließlich hinter uns. Und damit auch die wunderschönen, aber sehr touristischen und überlaufenen patagonischen Anden. Es ging immer weiter nach Norden, in der Hoffnung auf wärmeres Wetter, weniger Wind und wieder mehr Einsamkeit. Unsere Wünsche wurden schnell erhört und schon bald konnten wir eine Jacke nach der anderen ablegen, im T-Shirt in der Sonne liegen und auch die Nächte wurden zunehmend angenehmer. Unser Ziel war die Carretera Austral in Chile, die uns durch traumhafte Landschaft bis nach Chaitén führen sollte. Schon der Weg dorthin war von spektakulärer Natur umgeben und der bisher einsamste und hübscheste Streckenabschnitt unserer Reise.

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Wir genossen die Natur und unseren wieder mehr draußen stattfindenden Alltag in vollen Zügen. Die ersten Tage verbrachten wir jeweils in ländlicher Umgebung auf Estancias, wo wir Zeuge von sehr natürlichem Leben wurden. Einschließlich der Schlachtung einer Kuh und der anschließenden Verwertung jedes einzelnen Kuh-Teils für Mensch und Hund. Wir nutzten die ruhigen Stellplätze für etwas Frühlingsputz am Dulli und verschenkten ein paar sehr warme Kleidungsstücke an die Estancia Besitzer. Unter anderem unsere Antarktis-Jacken lösten wahre Begeisterungsstürme bei den Empfängern aus und wir gewannen wieder etwas mehr Platz im Auto. 

Auf dem weiteren Weg begegneten wir erneut Sandra und Timo und beschlossen den Rest der Carretera gemeinsam zu absolvieren. Wir verbrachten einige entspannte Tage in Coyhaique campend vor einem Hostel, was sowohl einen Hot Tub als auch Englisch sprechende Besitzer hatte. Beides tat so gut! Darüber hinaus bot sich der Ort mit seinen vielen Werkstätten für etwas Autopflege an. Beim Dulli wurde auch tatsächlich eine lockere Kardanwelle diagnostiziert, die dann wieder festgezogen wurde. Glück gehabt! Unser nächster Stop führte uns zu Nacho, einem sehr enthusiastischen Gastgeber, der nicht müde wurde uns die chilenische Kultur mit einem Mate Workshop, frischem Lamm Asado, einer Führung durch seine Bio-Gewächshäuser und sogar einem kleinen Exkurs über chilenischen Wein näher zu bringen. Wir freuten uns riesig darüber, dass es uns auf diesem Abschnitt unserer Reise gelang, etwas mehr über das typische Leben im ländlichen Chile zu erfahren. 

Die Chilenen begegneten uns insgesamt wieder sehr freundlich und kulturell konnten wir keine großen Unterschiede zwischen dem argentinischen und chilenischen Teil Patagoniens feststellen. Bei einem Stop in einem Teehaus am Straßenrand begegneten wir einer Familie aus Santiago, die uns nach wenigen Minuten Gespräch völlig unerwartet ihre Kontaktdaten gab, falls wir auf dem Weg irgendwie Hilfe benötigen sollten. Diese Gastfreundschaft überwältigt uns immer von Neuem. Das Teehaus lässt es schon vermuten – das Wetter wurde wieder etwas kühler und wechselhafter und so legten wir mal wieder zwei längere Fahrtage ein, die uns dann schneller als erwartet nach Chaitén, dem für uns nördlichen Ende der Carretera brachten. Von hier wollten wir die Fähre auf die Insel Chiloé nehmen. Eine Fährverbindung und den letzten freien Platz für ein Fahrzeug gab es allerdings erst vier Tage nach unserer Ankunft und so erkundeten wir die Region länger als erwartet.

In der Umgebung von Chaitén befindet sich der Pumalín Park, der Nationalpark des (bereits verstorbenen) US-Unternehmers und „North Face“ sowie „Esprit“ Gründers Douglas Tompkins. Der sehr gepflegte Park ist der größte private Nationalpark der Welt und umfasst unter anderem den Vulkan Chaitén, der nach seinem Ausbruch im Mai 2008 das gleichnamige Örtchen nahezu zerstörte. Noch heute sind die Auswirkungen der bis 2013 anhaltenden vulkanischen Aktivität spürbar und die Infrastruktur funktioniert noch nicht allzu lange wieder. Der Pumalín Park bot fantastische Wanderungen, u.a. zum Vulkan Chaitén. Diese Wanderung wies den höchsten „Belohnungs-Aufwands-Koeffizienten“ aller unserer bisherigen Wanderungen auf. Eine Kennzahl, die wir im Laufe der letzten Wochen entwickelt haben. 🙂 Ein kurzer knackiger Aufstieg bei herrlichem Ausblick und schon nach einer guten Stunde der Blick auf zwei rauchende Vulkankrater. Wir waren völlig begeistert. Auch die zweite Wanderung zu zwei wunderschönen, mitten im dschungelartigen Wald gelegenen Wasserfällen war spitze und rangiert ebenfalls ziemlich weit oben auf unserer Rangliste der schweißtreibenden Aufstiege der letzten Wochen. Die Campingmöglichkeiten im Park waren ebenfalls spektakulär und boten zwar nur eiskalte Duschen (zum Glück hatten wir unsere Solar-Dusche dabei – also schwarzer Sack mit Wasserauslass :-)), dafür aber Ausblicke auf Gletscher und Vulkane sowie sternenklare, ruhige Nächte. Der Park zählt auf jeden Fall zu unseren Favoriten!

Die Carretera Austral hat uns mit spektakulärer, abwechslungsreicher Natur begeistert. Es ging vorbei an Gletschern, hohen Bergen, Vulkanen, Fjorden (mit Delfinen!), Seen in allen erdenklichen Blauschattierungen, heißen Quellen, undurchdringlichem Wald, sanften Hügeln mit idyllischen Bauernhöfen und einigen kleinen Dörfchen zur Versorgung. Und das alles kann man auf nur gut 1.000 km vom Auto aus bestaunen. Insbesondere wenn man die von Backpackern stark frequentierten Hot-Spots links liegen lässt, kann man sehr viel Natur in relativ einsamer Umgebung genießen. Nicht umsonst wird die Strecke regelmäßig zu einer der Traumstraßen der Welt gekürt.


Unterkünfte

Ort: Tres Lagos
Art: Campingplatz
Preis: 100 ARS
Annehmlichkeiten: warme Duschen, saubere Waschhäuser, Wifi
Sonstiges: sehr gutes Preis-, Leistungsverhältnis, Bäckerei und kleiner Shop im Ort
Koordinaten: S 49.59758, W 71.45060

Ort: südlich von Perito Moreno
Art: Camping auf einer Estancia
Preis: 250 ARS
Annehmlichkeiten: warme Duschen, saubere Waschhäuser, Aufenthaltsraum
Sonstiges: sehr nette Besitzer
Koordinaten: S 47.12970, W 70.86515

Ort: Puerto Guadal
Art: Campingplatz
Preis: 12.000 CLP
Annehmlichkeiten: warme Duschen, saubere Waschhäuser, Aufenthaltsraum
Sonstiges: fantastischer Blick auf den See
Koordinaten: S 46.84204, W 72.69139

Ort: Villa Cerro Castillo
Art: Camping vor einem Hostel
Preis: 8.000 CLP
Annehmlichkeiten: warme Duschen, Küche, Aufenthaltsraum
Sonstiges: sehr gepflegtes Hostel
Koordinaten: S 46.12323, W 72.16371

Ort: Coyhaique
Art: Camping vor einem Hostel
Preis: 10.000 CLP
Annehmlichkeiten: warme Duschen, saubere Badezimmer, Aufenthaltsraum, Küche, Hot Tub
Sonstiges: sehr schönes Hostel, nette Besitzer, das schnellste Internet der bisherigen Reise
Koordinaten: S 45.58413, W 72.08498

Ort: am Rio Simpson
Art: Campingplatz
Preis: 12.000 CLP
Annehmlichkeiten: warme Duschen, saubere Badezimmer, Aufenthaltsraum, Küche
Sonstiges: der Besitzer ist sehr gastfreundlich und bringt den Besuchern die chilenische Kultur näher
Koordinaten: S 45.42425, W 72.44091

Ort: Termas del Ventisquero
Art: Parkplatz
Preis: kostenlos
Annehmlichkeiten: Café, Toiletten und Duschen bei den Thermen
Sonstiges: –
Koordinaten: S 44.37208, W 72.57666

Ort: Chaitén
Art: Cabaña
Preis: 95 USD inkl. Frühstück
Annehmlichkeiten: einfache Hütten, Parkmöglichkeit direkt neben der Hütte, Veranda
Sonstiges: nette Besitzer, sprechen etwas deutsch, die Hütten könnten etwas sauberer sein
Koordinaten: S 42.532676, W 72.442105

Ort: Chaitén
Art: Campingplatz
Preis: 8.000 CLP
Annehmlichkeiten: saubere Waschräume, warme Duschen für 1.000 CLP, Wifi
Sonstiges: im Ort der netteste Platz
Koordinaten: S 42.91769, W 72.71170

Ort: Pumalín Park
Art: Campingplatz
Preis: 16.000 CLP für einen Platz für bis zu 4 Personen
Annehmlichkeiten: kalte Duschen, Toiletten, überdachter Tisch und Bänke an jedem Platz
Sonstiges: grandioser Ausblick
Koordinaten: S 42.78231, W 72.64983

Ort: Pumalín Park
Art: Campingplatz
Preis: kostenlos
Annehmlichkeiten: kalte Duschen, Toiletten, überdachter Tisch und Bänke an jedem Platz
Sonstiges: kleiner und sauberer Platz
Koordinaten: S 42.67592, W 72.57980

6 Gedanken zu “Die Carretera Austral – eine der Traumstraßen der Welt

  1. …und wieder ein begeisternder Bericht aus der großen, weiten Welt. Kaum zu glauben , dass es noch so menschenleere und unberührte Landschaften gibt ! Horst 04.03.2017

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  2. Habe schon sehnsüchtig auf die nächste Folge gewartet 🙂 besser als jede Serie oder NatGeo Doku. Wünsche euch weiterhin viel Spaß & fühlt euch gedrückt

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  3. Bin sowas von euren Berichten bgeistert, schließe mich meinen vorherigen Kommentatoren an! Vor allen Dingen gefallen mir die informativen Beiträge, gepaart mit den traumhaften Fotos! Ruft bei mir großes Fernweh hervor…

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  4. Wieder ein heiß erwarteter Bericht. Die Abenteuer sind sehr unterschiedlich aber jedes auf seine Art beeindruckend. Sehr schöne Bilder in tollen Farben, da sieht man wie prächtig die Natur in Natur sein muss. Nehmt uns weiter mit auf dieser Reise, wir freuen uns dabei sein zu dürfen.
    Macht weiter so. HEL

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