Der älteste Nationalpark der USA empfing uns mit Schneetreiben und frostiger Kälte und das wo wir gerade noch bei über 30 Grad im Schatten geschwitzt hatten. Aber wir waren zum Glück auf diesen Wetterumschwung vorbereitet und irgendwie hatte die Landschaft bei dem Wetter etwas geradezu geheimnisvolles. Unser erster Stopp diente erst mal dazu einen Schlafplatz im Park zu finden und wieder einmal hatten wir großes Glück. Auf zwei Campingplätzen hätten wir noch einen Platz für zwei Nächte bekommen und wir waren sehr glücklich, dass wir nun den Park so richtig genießen konnten. Unsere Taktik am Montagmorgen anzureisen zahlte sich also aus.

Karte Yellowstone

Am ersten Tag drehten wir die berühmte Runde auf der Loop Road und legten bei unserer ersten Bison Sichtung erst mal eine Vollbremsung ein. Wir ahnten noch nicht, wie viele von diesen bärtigen Kolossen wir noch sehen würden. Die so behäbig wirkenden Tiere waren aber einfach zu toll, auch wenn Sie uns großen Respekt einflößten. In sehr seltenen Fällen ist es wohl schon zu unschönen Begegnungen zwischen Menschen und Bisons gekommen. Aber im Auto fühlten wir uns recht komfortabel, nur als einer der Riesen direkt auf der Straße auf uns zuhielt, legten wir mal lieber den Rückwärtsgang ein und machten ihm Platz. Auch zwei Grizzly Bären sahen wir gleich am ersten Tag. Leider nur auf einem Hügel in einiger Distanz, so dass wir keine Fotos von den Bären machen konnten.

Schnell bekamen wir auch die ersten dampfenden Erdspalten, Schlammlöcher und heißen Quellen zu Gesicht und uns wurde eindrucksvoll vor Augen geführt, dass wir uns in einem der größten Vulkane der Welt befinden. Der schwefelige Geruch tat sein übriges. Die schillernden Farben, in denen die Wasserbecken erstrahlen wirkten geradezu unnatürlich. Über die Hälfte aller Geysire weltweit befinden sich im Yellowstone Nationalpark und der verlässlichste von allen ist der „Old Faithful“, der alle 60-90 Minuten seine Fontäne in die Höhe schießt. Leider führt seine Zuverlässigkeit dazu, dass hunderte von Menschen das Spektakel von den rund um den Geysir angeordneten Bänken aus verfolgen. Dadurch verliert das Geschehen ein wenig seiner Natürlichkeit und man hat das Gefühl, dass das Ganze auch in einem Freizeitpark inszeniert sein könnte. Toll war der „Old Faithful“ aber trotzdem.

Am folgenden Tag wollten wir diesem Freizeitpark ein wenig entkommen und schnürten die Wanderstiefel, zumal das Wetter uns auch zum Glück wieder wohl gesonnen war. In der Tat trifft man kaum noch andere Menschen, wenn man sich nur ein paar hundert Meter von der Hauptstraße und den Aussichtspunkten entfernt. Zunächst liefen wir aber zu dem Aussichtspunkt über die „Grand Prismatic Spring“, eines der bekanntesten Fotomotive des Parks. Wir wurden nicht enttäuscht und bewunderten schon aus der Ferne den Dampf, der in Regenbogenfarben über dem Becken aufsteigt. Von oben sieht man dann das ganze bunte Ausmaß der Quelle, die wirklich wirkt, als wäre sie nicht von dieser Welt. Weiter ging’s durch den Wald, das Bärenspray immer griffbereit in der Tasche. Während dieses Spray zur Abwehr von Bären in Angriffssituationen im Yosemite Nationalpark noch verboten war, wurde es im Yellowstone Nationalpark dringend empfohlen. Da es hier viele Grizzlies gibt, waren wir auch ganz froh notfalls auf dieses bis zu 10 m weit reichende Pfefferspray zurückgreifen zu können. Ansonsten bleibt nur hinlegen und tot stellen, keine angenehme Vorstellung. Zum Glück oder eigentlich ja leider sahen wir aber keinen Bären, dafür aber einen ganz netten Wasserfall, die „Fairy Falls“. Wasserfälle hauen uns nur noch selten um und so beschlossen wir unser Glück mit dem Wildlife noch mit dem Auto im südlichen Teil des Parks zu versuchen.

Neben hübschen Ausblicken über den Yellowstone Lakes sahen wir zunächst aber nur ein paar weitere Bisons. Kurz vor unserem Campingplatz deutete dann aber ein langer Stau auf ein besonderes Tier hin. Die ganze Aufregung galt einem Wolf, der fröhlich und zum Glück in einigem Abstand durch den Wald marschierte. Wölfe sind gar nicht so leicht zu finden, da sie nicht lange an einer Stelle ausharren. Wir konnten das beeindruckende Tier einige Zeit beobachten und freuten uns über den ersten Wolf, den wir überhaupt jemals gesehen haben. Wir wollten so gerne noch mehr Tiere sehen und beschlossen daher am nächsten Morgen in das Lamar Valley zu fahren, das als Serengeti Nordamerikas gilt.

Wir brachen mit der aufgehenden Sonne auf unserem Campingplatz auf und das hat sich wirklich gelohnt. Die heißen Quellen und Erdlöcher dampften bei der morgendlichen Temperatur von frostigen -1 Grad noch mehr und der Nebel lichtete sich langsam über den mit Raureif bedeckten Wiesen. Die Bisons standen ebenfalls dampfend in dieser magischen Szenerie, die wir um diese Uhrzeit ganz für uns alleine hatten. Schon auf dem Weg ins Lamar Valley sichteten wir eine Schwarzbärenmama mit ihrem Kind und kurze Zeit später zwei weitere Jungtiere, die auf einem Baum herum kletterten. Die Bärenmama wartete währenddessen geduldig unten im Gras.

Das Lamar Valley wurde seinem Ruf mehr als gerecht und wir sahen riesige Bison Herden, Murmeltiere, einen weiteren Schwarzbären, einen Fischadler im Nest, einen Weißkopfseeadler, der sich über ein totes Bison hermachte, mehrere Mautierhirsche und Gabelböcke und sogar noch ein Wolf huschte über die Straße. Nur Grizzlies und Elche wollten sich uns nicht aus der Nähe zeigen. Aber es gibt ja noch Hoffnung auf unserer weiteren Tour in Richtung Norden. Aber wir waren auch so sehr zufrieden mit unserer Ausbeute und dem Park im Allgemeinen. Der Yellowstone Nationalpark gehört auf jeden Fall zu den faszinierendsten Fleckchen Erde, die wir bisher kennenlernen durften. Die Besuchermassen drängen sich vor allem rund um die bekannten Geysire, während man den Rest des Parks relativ entspannt besuchen kann. Ansonsten lohnt sich, wie oben erwähnt, frühes Aufstehen und etwas Wanderlust. Aber auch wenn man sich tagsüber im Park bewegt, ist die Fülle nicht mit der im Yosemite Valley zu vergleichen, was schlicht an der großen Ausdehnung des Parks liegt.

Aus dem kühlen Park ging es im Anschluss hinunter in das heiße und landschaftlich äußerst reizvolle Montana. Grüne Wiesen, hübsche Farmen und schneebedeckte Berge am Horizont führten uns nach Bozeman, wo wir unseren etwas müden und nach den eisigen Nächten verspannten Körpern eine Ruhepause in den Hot Springs gönnten. Was für eine Wohltat…


Unterkünfte:

Ort: Yellowstone Nationalpark
Art: Campingplatz
Preis: 28 USD
Annehmlichkeiten: saubere Toiletten, Trinkwasser
Sonstiges: sehr schöner Campingplatz, Duschen im Old Faithful Village
Koordinaten: 44.644509, -110.866558

Ort: Bozeman Hot Springs
Art: Campingplatz
Preis: 60 USD inkl. Frühstück und Eintritt in die Hot Springs für 2 Tage Annehmlichkeiten: saubere Bäder, warme Dusche, Laundry, Schwimmbad und Spa Sonstiges: angenehmer Platz mit tollem Schwimmbad und Fitnessstudio
Koordinaten: 45.660357, -111.188018

Ein Gedanke zu “Der Yellowstone Nationalpark

  1. Moin Malte,
    verfolge eure Berichte immer noch mit großem Interesse und freu mich für euch, das ihr diesen Schritt gewagt / gemacht habt. Es ist schon interessant was ihr in den 2 Jahren alles gemacht/ erlebt habt und wieviele (gast)freundliche Menschen ihr kenngelernt habt. Heute möchte ich Dir aber auch ganz herzlich zum Geburtstag gratulieren. Bin gespannt wie Du ihn diesmal feierst. Jedenfalls wünsche ich Dir für das neue Lebensjahr alles Gute und weiterhin Glück auf dem letzten Teil eurer „Pan-America Reise“ . Liebe Grüße aus der Heimat sendet Harald

    Gefällt 1 Person

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