Durch das wunderschöne Montana führte unser Weg immer weiter nach Norden in Richtung Kanada. Auf einem Campingplatz in der Nähe der Kleinstadt Missoula legten wir eine kleine Verschnaufpause ein und standen vor der mit Abstand größten Herausforderung unserer Reise: wo und wie gucken wir das erste Deutschland Spiel…?? Wir waren zwar nicht so richtig in WM- Stimmung, aber so ganz wollten wir uns das Turnier auch nicht entgehen lassen. Mit einem VPN- Client bekamen wir den ZDF Livestream schließlich aufs iPhone, nicht optimal, aber es hat funktioniert. Und während wir aufgrund der Zeitverschiebung beim Frühstück die Vorberichte sahen, kam tatsächlich noch ein wenig Aufregung und Stimmung bei uns auf. Das Ergebnis ist bekannt, aber wir freuten uns auch für die Mexikaner, die uns immerhin auf der Reise sehr ans Herz gewachsen sind.

Karte Kanada

Nach diesem völlig ungewohnten Morgen ging es dann aber wirklich nordwärts, zunächst zu einem Abstecher in die National Bison Range. Ein kleines Reservat, in dem wir aber letztlich nur ein paar Hirsche und Bisons, meistens lediglich aus der Ferne sahen. Nach dem tollen Wildlife im Yellowstone Nationalpark hat sich der Abstecher für uns nicht so richtig gelohnt. Und auch im fast schon an der kanadischen Grenze liegenden Glacier Nationalpark hatten wir kein Glück. Da der Schnee auf der Passstraße die durch den Park führt noch mehrere Meter hoch lag, war diese von Westen kommend bereits nach einigen Kilometern gesperrt. Wir bekamen also nur einen ganz kleinen Eindruck von den reißenden Gebirgsbächen, die sich von den schroffen Bergen hinabstürzen. Irgendwie lief dieser Tag nicht wie geplant und wir beschlossen ganz spontan noch am frühen Abend die Grenze nach Kanada zu überqueren. In Lateinamerika wären solche Vorhaben undenkbar gewesen. Für Grenzen haben wir eher einen ganzen Tag inklusive möglichst kurzer Fahrten vor und nach der Grenze eingeplant. Zudem haben wir meistens schon am Nachmittag einen Schlafplatz gesucht, da es über einen sehr langen Zeitraum bereits gegen 18 Uhr dunkel wurde. Mit den extrem langen Tagen im Norden, den hervorragenden, sicheren Straßen und den vielen Übernachtungsmöglichkeiten, müssen wir nun nicht mehr so stark auf die Uhrzeit achten und können unsere Tage sehr viel entspannter angehen lassen. Auch unsere durchschnittliche Kilometerleistung ist im Vergleich deutlich gestiegen.

Die Grenze nach Kanada übertraf dann noch einmal die bereits sehr einfache US-Grenze. Per Drive-through Verfahren überquerten wir innerhalb von 5 Minuten die Grenze, wir mussten nicht mal zur Inspektion des Autos aussteigen. Normalerweise fragen die kanadischen Grenzer gerne nach Alkohol oder frischen Lebensmitteln im Auto. Nichts dergleichen war bei uns der Fall und so bekamen wir nur einen Stempel und ein freundliches „Welcome to Canada“. Völlig unerwartet fanden wir uns plötzlich im 12. Land unserer Reise wieder und Dulli bekam seinen vorerst letzten Aufkleber. Es kam uns vor wie ein Witz, dass sich Kanada bereits unmittelbar hinter der Grenze von seiner besten Seite zeigte. Wir erblickten Wälder, Seen, Flüsse und schroffe Berggipfel, wenig Menschen, dafür aber umso mehr Moskitos. Als hätten sie hinter der Grenze auf uns gelauert. Aus Lateinamerika waren wir zum Glück noch gut mit Repellent ausgestattet und so ließen sich die Biester gut abwehren. Unser erstes Lager schlugen wir mitten im Wald an einem See auf, mit Lagerfeuer und allem was man sich unter Bilderbuch-Camping in Kanada vorstellt.

Während der Fahrt weiter in die kanadischen Rockies kam es uns so vor, als würde man eine Fototapete neben die Straße halten. Dichte Wälder, türkisblaue Seen und Flüsse, schneebedeckte Gipfel und immer mal ein Reh am Straßenrand. Die perfekte Idylle. In Lake Louise im Banff Nationalpark ging es so weiter. Dort hat schon der schnöde Gang zum Supermarkt die Qualität einer schönen Wanderung. Auf dem Rückweg zu unserem Campingplatz, der zum Glück mit einem Stromzaun gegen die Bären umgeben war, wanderten wir nichtsahnend am Fluss entlang als uns Leute von einem Auto aus vor einem Bären wenige Meter von uns entfernt warnten. Wir traten sofort den Rückzug an und brachten uns hinter dem Zaun in Sicherheit. Von dort aus konnten wir dann endlich unseren ersten Grizzly aus der Nähe beobachten. Die ebenfalls aufgeregt herbeieilenden Ranger erzählten uns, dass es die erste Grizzly Sichtung am Camp seit Monaten sei und dass es sich um ein 12 Jahre altes Männchen mit stattlichen 200 kg Gewicht handelt. Sein Name war Nr. 126, erkennbar an der Marke in seinem Ohr. Alle Bären im Park werden genau erfasst und somit sofort erkannt. Der Bär buddelte sich in aller Ruhe ein Loch unter einer Tanne, entweder um ein kühles Plätzchen zum Ausruhen zu haben oder um sein Abendessen um ein paar Streifenhörnchen zu ergänzen. Wir hatten jedenfalls Gänsehaut während wir seine Aktivitäten beobachteten.

Den Ausflug zum berühmten Lake Louise unternahmen wir am frühen Morgen, bevor die Busse mit Touristen dort einfielen. Das war ohnehin eine gute Idee, da sich in den Morgenstunden die Bergkulisse noch in der glatten Wasseroberfläche spiegelt. Von dort wanderten wir zum Lake Agnes hinauf, der ein weiteres tolles Fotomotiv lieferte und wo es sogar ein Tea-House am Ufer gab, welches fast mit europäischen Berghütten zu vergleichen ist.

Entlang des Icefields Parkway fuhren wir am nächsten Tag mitten durch die Rocky Mountains nach Jasper. Auf dem Weg liegen unzählige Bergseen, die in den absurdesten Türkistönen strahlen, darüber massive Gletscher und über allem strahlte für uns die Sonne von einem stahlblauen Himmel. Die Bilderbuchkulisse wollte einfach kein Ende nehmen. Auch unsere ersten Dickhorn- Schafe bekamen wir endlich direkt am Straßenrand zu sehen.

Von Jasper aus erkundeten wir den Maligne Canyon und -Lake, allerdings fehlte uns zum Wandern dieses Mal die Lust und wir nutzten den hübschen Ausblick auf den See vor den Bergen, um uns ein bisschen von den vielen Eindrücken der letzten Tage zu erholen. Wir sind gegen Ende unserer Reise etwas schneller unterwegs, was natürlich an der zuvor erwähnten guten Infrastruktur liegt. Darüber hinaus treibt es uns aber auch sehr in Richtung Alaska, so dass uns dort hoffentlich noch etwas Zeit bleibt, um die Einsamkeit zu erkunden. Das schnellere Reisetempo bietet sich in den USA und Kanada zwar an, alleine die täglichen Erledigungen gehen uns deutlich einfacher und schneller von der Hand. Andererseits ist das Reisen durch die vielen Eindrücke etwas anstrengender und wir sind froh, wenn wir ausnahmsweise mal nichts aufregendes Neues erleben. An diesem Tag wartete dann auf der Rückfahrt aber noch unser 14. Bär auf uns und Bären sind für uns immer aufregend. Ein Schwarzbär hatte es sich direkt am Straßenrand im Gras gemütlich gemacht und knabberte zufrieden an ein paar Löwenzahnstengeln herum. Wie immer waren wir entzückt von dieser Sichtung.

Als wir abends auf unseren Campingplatz mitten im Wald zurück kamen gab es einen weiteren Aufreger. Unser Platz war nämlich schon okkupiert. Dieses Mal allerdings nicht von anderen Reisenden, wie es uns in Kalifornien schon mal passiert ist, sondern von einer Wapitihirsch- Familie. Die Kuh hatte es sich mit ihren drei Kindern neben unserem Tisch gemütlich gemacht und wich widerwillig auf den nächsten Platz aus, als wir Dulli einparkten. In den Abendstunden als wir schon im Bett lagen kamen immer mehr Wapitis zu uns auf den Platz. In der Spitze zählten wir 12 Tiere rund um Dulli herum. Am nächsten Morgen weckten sie uns, als sie plötzlich gar nicht mehr schüchtern an Dullis Leiter und Kanistern herumknabberten und frech in unser Dachfenster hoch blickten. Die Tierbegegnungen und -beobachtungen sind einfach immer das Allerbeste!


Unterkünfte:

Ort: Missoula
Art: Campingplatz
Preis: 30 USD
Annehmlichkeiten: warme Duschen, Wifi, Feuerstellen, Strom und Wasser am Platz Sonstiges: sehr gepflegter Platz zwischen Yellowstone und Glacier Nationalpark
Koordinaten: 46.960704, -114.13534

Ort: Horseshoe Lake
Art: freies Camping
Preis: kostenlos
Annehmlichkeiten: Feuerstellen
Sonstiges: sehr idyllischer, ruhiger Platz in einem Wald am See
Koordinaten: 49.57070, -115.51316

Ort: Lake Louise
Art: Campingplatz
Preis: 35 CAD
Annehmlichkeiten: Toiletten, warme Duschen, Feuerstellen (inkl. Feuerholz), elektrischer Zaun gegen Bären im Camp
Sonstiges: schöner Campingplatz mit tollen Ausblicken auf die Rockies
Koordinaten: 51.416291, -116.178419

Ort: Jasper
Art: Campingplatz
Preis: 27 CAD
Annehmlichkeiten: saubere Toiletten, warme Duschen
Sonstiges: sehr schöner, großzügiger Platz mitten im Wald
Koordinaten: 52.85133, -118.08162

Ein Gedanke zu “Von Montana in die kanadischen Rockies

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