Die Grenze nach Alaska verlief ganz entspannt im Drive-through Verfahren und wir erhielten nur Stempel mit einem Bären-Symbol in unsere Pässe, Visa für die USA hatten wir ja noch. Alaska – wir konnten es kaum glauben. 634 Tage nach Reisebeginn und 544 Tage nachdem wir den südlichsten Zipfel Südamerikas verlassen haben, reisten wir in den 49. Staat der USA ein. Der größte Zeitunterschied auf der Reise lag nun zwischen uns und der Heimat (-10 Stunden) und wir haben 40.800 km von Ushuaia bis zur Grenze von Alaska zurückgelegt. Obwohl wir Zentralamerika ausgelassen haben waren das ein paar mehr Kilometer als das Schild im Tierra del Fuego Nationalpark vor 1,5 Jahren in Aussicht stellte.

Karte Alaska

Unseren ersten Stopp in der US-Exklave legten wir in North Pole ein. Hier wohnt der Weihnachtsmann und beantwortet die Briefe der Kinder. Es herrscht ganzjährig Weihnachten und wir bewunderten den Kitsch und wurden kurzerhand von Santa Claus auf den Schoß genommen. Bei dieser Gelegenheit gaben wir schon im Sommer unsere Weihnachtswünsche auf – da kann nun wohl nichts mehr schief gehen.

Nach einem kurzen Versorgungsstopp in Fairbanks fuhren wir in Richtung Denali Nationalpark. Dieser kann allerdings nur mit sehr vollen, reservierungs- und kostenpflichtigen Shuttle-Bussen besucht werden und so entschieden wir uns gegen einen Besuch des Parks. Den majestätischen Denali konnten wir auch aus dem südlich des Nationalpark gelegenen State Park bewundern. Der höchste Berg der USA ist 6.194 m hoch und ragt über 5.500 m aus der Ebene empor. Solche steilen Bergmassive gibt es angeblich nicht mal im Himalaya. Wir hatten großes Glück, dass wir seine beiden schneebedeckten Spitzen direkt am ersten Aussichtspunkt sehen konnten. Damit gehören wir zu den glücklichen 20 Prozent der Besucher, denen die Wolken keinen Strich durch die Rechnung machen. Am südlichen Aussichtspunkt einige Kilometer weiter hatten sich die Gipfel schon wieder in Wolken gehüllt.

Ein großer Wunsch von uns für die Zeit in Alaska war der Besuch eines Schlittenhunde-Kennels. Ganz spontan fuhren wir zu einer Adresse in der Nähe von Anchorage und versuchten unser Glück ohne Reservierung. Es hat geklappt und wir bekamen nicht nur kurzfristig zwei Plätze für die Hundetour, sondern auch ein sehr hübsches Zimmer im dazugehörigen Bed & Breakfast. Wir sehnten uns inzwischen sehr nach einem Abend ganz ohne Moskitos. Auf der Hundetour wurde uns sehr eindrucksvoll demonstriert, welche Kraft diese Tiere haben und wie arbeitswütig sie sind. Mangels Schnee wurden einige Tiere vor ein Quad gespannt und waren vom Zeitpunkt des Anspannens an kaum noch zu halten. Der Besitzer des Kennels, Martin Buser, hat bereits vier Mal das Iditarod-Rennen, das längste Hundeschlittenrennen der Welt gewonnen und wir erfuhren wie Menschen und Hunde dieses harte Rennen quer durch Alaska überstehen.

Nach dem offiziellen Teil durften wir die gerade mal vier Wochen alten Welpen aus der eigenen Zucht streicheln und ihnen beim Toben zusehen. Ein besonders freches Exemplar wird auf Maltes Anregung hin nun Alexandra genannt… Nun ja! Für uns Hundeliebhaber war das alles natürlich ein Traum. Im zum Grundstück gehörenden See konnten wir uns danach wieder abkühlen und sogar ein Ruderboot lag zur Benutzung bereit. So ungefähr haben wir uns immer das Paradies in Alaska vorgestellt.

In den folgenden Tagen ging unsere tierische Entdeckungstour weiter. Wir sichteten leider kein Wildlife, was mit Sicherheit unter anderem an den vielen Jägern und den lockeren (und unter der aktuellen Regierung noch stärker gelockerten) Jagdgesetzen in Alaska liegt. Stattdessen besuchten wir eine Rentier-Farm und konnten hier den Tieren sehr nahe kommen, sie streicheln und füttern. Auch ein Elch und ein Bison, beide nach der Geburt von ihren Müttern verlassen, leben auf der Farm und freuten sich über ein paar grüne Zweige von uns.

Anschließend fuhren wir auf die Kenai Peninsula südlich von Anchorage, wo wir an den Russian River Falls Lachse den Fluss hinauf springen sehen konnten. Unser Traum, einen Grizzly beim Fischen nach Lachsen zu beobachten, wurde leider nicht wahr. Seit einer Woche hatten wir nun schon großes Wetterglück mit warmem, sonnigen Wetter, völlig entgegen unserer ursprünglichen Vorstellung von Alaska. Nun aber drehte das Wetter und wir entschieden uns nicht mehr weiter nach Süden zu fahren, sondern die Rückfahrt nach Kanada anzutreten. Wir wählten wieder den direkten Weg, denn wir hatten so langsam genug vom Fahren. Die Distanzen im Norden sind gigantisch und wir sind immer froh, wenn wir einen Großteil der Strecke hinter uns haben und Dulli sich weiterhin gut beträgt. Kaum wieder in Yukon angekommen, erblickten wir wieder einen Schwarzbären am Straßenrand und einen kleinen Fuchs. Endlich wieder etwas Wildlife.

In Whitehorse übernachteten wir erneut bei der Dänin Lene und freuten uns über das Wiedersehen. Leider rächten sich hier die unglaublich vielen Kilometer auf dem Defender Sitz in Form von heftigen Rückenschmerzen, so dass wir erst mal wieder viel Zeit hatten Fotos zu sortieren und uns um die Planung für die letzten Wochen zu kümmern. Das Wetter war ohnehin nicht gerade einladend und wir genossen die ruhigen Tage sehr.

Alaska war für uns ein Erlebnis und es war natürlich klasse, nach Ushuaia auch das andere Ende des amerikanischen Doppelkontinents zu sehen. Die Landschaft ist traumhaft schön, auch wenn wir sie gewissermaßen schon aus Nord-Kanada kannten. Irgendwann wiederholen sich die Motive von Flüssen, Seen, Bergen, Gletschern und Wäldern und wie vorher bereits erwähnt, haben wir in Alaska wirklich wenig Wildlife gesehen. Es gibt ein großes Angebot an exklusiven Touren in die totale Abgeschiedenheit. Mit kleinen (Wasser-)Flugzeugen kann man in isolierte Lodges fliegen und dort Fischen, Bären beobachten usw. Leider werden für solche Abenteuer gerne bis zu 1.000 USD pro Person und Tag aufgerufen. Das lag definitiv nicht in unserem Reisebudget. Die Weite und völlige Einsamkeit hat uns in Yukon zudem noch besser gefallen als im deutlich touristischeren Alaska und ein Aspekt der uns sehr stark irritiert hat, war die stete Präsenz von Schusswaffen. Die Waffenbesitzquote ist mit rund 60 Prozent die höchste in den USA. Und wirklich nahezu jede Person, die wir beim Wandern oder auch sonst getroffen haben trug eine Pistole am Gürtel. Pistolen lassen sich kaum mit der Angst vor Bären begründen, da ist ein Bärenspray deutlich effektiver. Wir mussten einfach akzeptieren, dass Waffen hier zum Alltag gehören, womit wir uns sehr schwer getan haben. Insofern fällt unser Fazit zu Alaska eher gemischt aus und wir raten jedem, sich die vielen Kilometer in den Norden wirklich gut zu überlegen. Allerdings haben wir natürlich auch nur einen Teil von Alaska gesehen und maßen uns keine abschließende Beurteilung an. Ein bisschen Alaska liegt aber noch vor uns: mit der Fähre fahren wir in den nächsten Tagen von Skagway (Alaska) nach Prince Rupert (British Columbia). Das spart uns viele Kilometer und wir können die Fjorde vom Wasser aus bewundern. Darauf freuen wir uns sehr.


Unterkünfte:

Ort: Salcha
Art: Campingplatz
Preis: 30 USD
Annehmlichkeiten: saubere Bäder, warme Duschen, kleiner Shop
Sonstiges: guter Stopp vor Fairbanks
Koordinaten: 64.36438, -146.87890

Ort: Nenana
Art: Campingplatz
Preis: 30 USD
Annehmlichkeiten: saubere Toiletten, warme Duschen, Wifi, Feuerstellen, coin laundry Sonstiges: sehr angenehmer Platz auf dem Weg zum Denali Nationalpark
Koordinaten: 64.56032, -149.09100

Ort: Montana Creek
Art: Campingplatz
Preis: 30 USD
Annehmlichkeiten: rustikale Toiletten, warme Duschen, kleiner Shop, Wifi, coin laundry Sonstiges: einfacher Platz südlich des Denali NP
Koordinaten: 62.027462, -150.07163

Ort: Big Lake
Art: Bed & Breakfast
Preis: 149 USD für ein DZ
Annehmlichkeiten: Wifi, Küche, Terrasse, Badesee, Ruderboot, Welpen streicheln (so viel man möchte)
Sonstiges: sehr schönes, gepflegtes B&B an einen Schlittenhunde Kennel angeschlossen
Link: http://buserdog.com

Ort: Palmer
Art: Bed & Breakfast
Preis: 140 USD für ein Cottage mit eigener Küche inkl. Frühstück
Annehmlichkeiten: Wifi, Garten
Sonstiges: sehr schönes B&B in dem man kleine Häuschen mieten kann
Link: https://gardengatebnb.com

Ort: Grizzly Lake
Art: Campingplatz
Preis: 25 USD
Annehmlichkeiten: saubere Toiletten, warme Duschen, Wifi
Sonstiges: sehr gepflegter Campingplatz direkt am See
Koordinaten: 62.712649, -144.197777

Ort: Koidern
Art: Campingplatz
Preis: 30 CAD
Annehmlichkeiten: saubere Toiletten, warme Duschen, Strom
Sonstiges: sehr gepflegter Campingplatz am Alaska Highway
Koordinaten: 61.985681, -140.5447

Ort: Whitehorse
Art: Campingplatz
Preis: 26 CAD
Annehmlichkeiten: saubere Toiletten, warme Duschen, Wifi
Sonstiges: einfacher Zeltplatz am Stadtrand von Whitehorse
Koordinaten: 60.70122, -135.04665

Ort: Whitehorse
Art: Bed & Breakfast
Preis: 125 CAD für ein DZ mit eigenem Bad inkl. Frühstück (-10% ab 3 Nächte) Annehmlichkeiten: Wifi, gemütliches Wohnzimmer, Terrasse
Sonstiges: Lene ist eine sehr herzliche Gastgeberin
Link: https://www.ascandia.ca

3 Gedanken zu “Alaska

  1. Hallo ihr zwei schön wieder von euch zu hören diese Gegensätze Argentinien- Alaska mit euch mit erleben Zu dürfen. Canada und Alaska kenne ich ein wenig, den Dempster-Highway nach Inowik mit stop in Eagle Plains hätte ich zum Schluss den dulli schon gegönnt bleibt mir Gesund LG. Heinz

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  2. Hallo Heinz, wir sind auch überwältigt von den Gegensätzen, die wir in den letzten zwei Jahren erleben durften. Wir hätten Dulli auch noch mehr spektakuläre Highways gegönnt. Uns fehlt so langsam aber die Lust für noch mehr Kilometer und die Reise ändert sich einfach ein wenig wenn man plötzlich ein Ziel vor Augen hat. Und Vancouver ist einfach verdammt weit von da oben. Aber uns ist bewusst, dass wir dem Norden vielleicht nicht so richtig gerecht geworden sind.
    Liebe Grüße Ali & Malte

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