Mit einer Fähre des Alaska Marine Highways traten wir den langen Rückweg ins südliche Kanada an. Von Skagway in Alaska fuhren wir auf der sogenannten Inside-Passage zunächst nach Prince Rupert in British Columbia. Die Fähren sind im Sommer grundsätzlich sehr gut gebucht, insbesondere wenn man ein Fahrzeug mitnehmen möchte. Wir hatten aber Glück und haben noch einen Platz für Dulli und zwei Betten für uns ergattert. Die Buchung einer Kabine war für die Fahrt über zwei Tage und zwei Nächte für uns unumgänglich. Die Fähren sind einfach und die Unterbringung ist rustikal aber sauber und völlig ausreichend für die Zeit. Bei Regen und sehr frischen 10 Grad legten wir in Skagway ab, so dass es auf dem ersten Teil der Strecke überwiegend Wolken über den glasklaren Fjorden zu sehen gab. Am nächsten Morgen erblickten wir vor unserem Kabinenfenster dann aber strahlenden Sonnenschein, spiegelglattes Wasser durch das unsere Fähre hindurchschnitt und einzelne, kleine Eisberge, die an uns vorbei trieben. Neben den vielen zu fahrenden Kilometern, die wir uns durch die Fährpassage ersparen wollten, war die Aussicht auf die Fjorde vom Wasser aus unsere Hauptmotivation diese Fahrt zu unternehmen. Wir frühstückten auf dem Sonnendeck und prompt tauchten einige Buckelwale vor uns aus dem Wasser auf. Eine Kulisse, wie wir sie zuletzt auf der ganz anderen Seite der Erde gesehen haben.

Karte BC

Später sichteten wir einige Seelöwen beim Jagen, zwei Delfine und unzählige Weißkopfseeadler. Die Fähre legte unterwegs an mehreren kleinen Häfen an, in denen wir für jeweils eine halbe Stunde von Bord gehen konnten. Die Orte sind nicht weiter aufregend, aber wenigstens die Beine konnten wir uns zwischendurch mal vertreten. Das Highlight der Passage waren aber ohnehin die Ausblicke von Bord. Wir fuhren nicht nur durch die von schneebedeckten Gipfeln umgebenen Fjorde, sondern wir schlängelten uns auch durch enge Kanäle, links und rechts von dichten Wäldern gesäumt. Die Fahrt mit der Fähre hat unsere Erwartungen definitiv übertroffen und wir wären gerne noch 1-2 Tage weiter geschippert und hätten die Aussicht genossen. Aber leider machte sich unser Dampfer von Prince Rupert aus wieder auf den Rückweg nach Alaska und wir stiegen wieder um in unseren Dulli.

Die letzte längere Strecke lag nun vor uns und so langsam wurde uns bewusst, dass das Reiseende näher rückt. Das löst bei uns gemischte Gefühle aus. Auf die vielen Stunden im Auto können wir inzwischen gut und gerne verzichten und auch sonst ist uns inzwischen nach deutlich mehr Komfort zu Mute als noch am Anfang der Reise, als wir voller Abenteuerlust und Entdeckungsdrang losgezogen sind. Wir hatten zwischendurch immer mal wieder Momente, in denen wir keine Energie mehr für neue Eindrücke und Erlebnisse hatten. Mit einer Pause, einem etwas längeren Aufenthalt an einem Ort und ein wenig Alltag konnten wir diese Momente immer wieder überwinden und sind danach mit neuer Energie losgezogen. Jetzt haben wir aber erstmals den Punkt erreicht an dem wir einfach nicht länger reisen wollen. Gleichzeitig sind wir aber auch unfassbar aufgeregt wenn wir an die Rückkehr in die Heimat denken. Wir sind froh, dass die Reise ein recht natürliches Ende zu finden scheint und wir keinen harten Schnitt machen müssen. Wir haben unterwegs viele Reisende getroffen, die eigentlich noch lange weiterreisen wollten, aber die der Beruf o.ä. zur Rückkehr zwang. Aber irgendwie ist unsere Stimmungslage auch kurios, hatten wir doch am Anfang und auch noch bis vor ein paar Monaten das Gefühl „ewig“ so weitermachen zu können.

Die Fahrt ins südliche British Columbia ging mit so vielen Gedanken und Gesprächen schnell vorüber. Zudem hatten wir ein großes Ziel: wir wollten endlich wieder Kiten. Nach so langer Zeit, in der wir ständig und oft weit weg von unserer geliebten Küste unterwegs waren, wollten wir die letzten Wochen noch einmal ausgiebig für unseren Lieblingssport nutzen. In Squamish, einem kleinen Ort nördlich von Vancouver gibt es im Sommer fast täglich thermischen Wind und einen Fjord, der bei Windsportenthusiasten sehr beliebt ist. Von der Start- und Landezone auf einer kleinen Landzunge waren wir nicht besonders angetan, aber wir fanden eine Kiteschule, die uns vom Boot aus starten ließ. Das war für uns auf jeden Fall die entspanntere Variante. Die Kulisse vom Wasser aus war einmalig. Vor uns die schneebedeckten Berge, unter uns der kalte, türkisblaue Fjord und immer mal eine Robbe, die unvermittelt neben unseren Boards auftauchte, mal etwas ganz anderes.

Von Squamish fuhren wir weiter in Richtung Vancouver, wo wir mit Hagen verabredet waren, den wir zufällig über das Internet kennengelernt haben. Der Deutsche lebt seit 11 Jahren in der Nähe von Vancouver und bietet unter anderem Wildlife Wanderungen an. Auch wenn wir bereits sehr verwöhnt waren mit bislang 26 Bären, die wir vor allem in Kanada sichteten, wollten wir unser Glück noch einmal versuchen. Gemeinsam wanderten wir um ein großes Blaubeer Feld herum, in dem sich viele Schwarzbären tummeln, die mit den Erntehelfern um die reifen Beeren konkurrieren. Wir sichteten insgesamt 5 Bären zwischen den Beeren oder mitten auf dem Weg und erhöhten unsere Bärensichtungen so auf stolze 31. In dieser so nahe an der Stadt gelegenen Umgebung konnten wir uns anfangs gar nicht vorstellen, dass es überhaupt Bären gibt. Wir freuten uns umso mehr über die tolle Wanderung (http://www.hagen-pflueger.com). Die Erkundung der Stadt an sich heben wir uns für unsere letzten Tage vor Abflug auf und setzen nun zunächst nach Vancouver Island über, um dort noch ein paar entspannte Tage am Meer zu verleben.


Unterkünfte:

Art / Ort: Fähre von Skagway nach Prince Rupert
Preis: 1.300 USD für einen PKW, zwei Personen und eine Außenkabine Annehmlichkeiten: eigenes Bad, Restaurant, Sonnendeck, Kino
Sonstiges: die Fähren sind rustikal, aber sauber, das Bordessen ist gut und bezahlbar, die Ausblicke unterwegs sind fantastisch
Link: https://www.dot.state.ak.us/amhs/routes.shtml

Ort: Terrace
Art: Campingplatz
Preis: 30 CAD
Annehmlichkeiten: saubere Toiletten, warme Duschen, Wifi, Strom und Wasser am Platz, coin laundry
Sonstiges: gepflegter Platz
Koordinaten: 54.50770, -128.62778

Ort: Prince George
Art: Campingplatz
Preis: 30 CAD
Annehmlichkeiten: saubere Toiletten, warme Duschen, Wifi, Strom und Wasser am Platz, coin laundry
Sonstiges: sehr nette Besitzer betreiben einen schönen Campingplatz mit allen Annehmlichkeiten
Koordinaten: 53.84363, -122.69240

Ort: Clinton
Art: Campingplatz
Preis: 25 CAD
Annehmlichkeiten: Toiletten, warme Duschen, Strom und Wasser am Platz, Restaurant
Sonstiges: der Campingplatz ist eher durchschnittlich und laut von der Straße, im Restaurant gibt es aber die wohl besten Ribs Kanadas
Koordinaten: 51.09463, -121.58187

Ort: Squamish
Art: Campingplatz
Preis: 45 CAD
Annehmlichkeiten: Toiletten, warme Duschen, Strom und Wasser am Platz, coin laundry Sonstiges: schöner Platz im Wald direkt am Fjord, ggü. der Sea-to-Sky-Gondola
Koordinaten: 49.672319, -123.163219

Ort: Anmore
Art: Campingplatz
Preis: 50 CAD
Annehmlichkeiten: saubere Toiletten, warme Duschen, Strom und Wasser am Platz, coin laundry
Sonstiges: sehr schöner, ruhiger Platz
Koordinaten: 49.321934, -122.853987

 

Ein Gedanke zu “Durch die Inside-Passage nach British Columbia

  1. Hallo ihr zwei wieder tolle Fotos da kommen bei mir wieder alte Erinnerungen hoch Chilkoot Trail, Bennett Lake, Red Onion Saloon, Zugfahrt. Uns geht es auch so, wenn wir längere Zeit unterwegs sind muss ich auch mal eine längere Verweildauer einbauen um die vielen Eindrücke zu verdauen,freue mich immer, wenn ich von euch höre, bleibt mir gesund LG. Heinz

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