Eine „Sunset-Cruise“ kündigte der Kapitän unserer Fähre nach Vancouver Island an und er hat nicht zu viel versprochen. Während eines traumhaft schönen Sonnenuntergangs schipperten wir die kurze Strecke auf die Insel und landeten schließlich in der Hauptstadt Victoria. Diese ist so britisch wie kaum eine Stadt in Großbritannien und es gab Tea Time, Yorkshire Pudding, Pimms und Pubs an jeder Ecke. Die Stadt ist erstaunlich attraktiv und gewachsen, eine Seltenheit im nordamerikanischen Westen. Wir genossen den Stadtbummel und die vielen interessanten Geschäfte und Lokale und das spannende Royal British Columbia Museum, in dem man in die Welt der Ureinwohner genauso eintauchen kann wie in die Zeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Abends gab es herausragendes, französisches Essen in einer netten Brasserie, die zur Abwechslung mal nicht in einem Fachmarktzentrum lag, wie die meisten Restaurants sonst im Westen der USA und Kanada (https://www.lecole.ca).

Karte Vancouver

Weiter ging es zu einem Kitespot, der noch ein wenig als Geheimtipp gehandelt wird. In China Creek in der Nähe von Port Alberni fanden wir einen Campingplatz direkt am Spot, an dem täglich Wind wehte und die Kite-Gemeinde uns sehr herzlich aufnahm. Der Wind war nicht so schön konstant wie in Squamish, aber dafür war es auch deutlich leerer und wir konnten von einem schmalen Steinstrand starten. Das Wetter war herrlich und wir versuchten unser Glück noch mal auf den Boards. Aufgrund der scharfkantigen Steine war allerdings zum ersten Mal das Tragen von Neopren Schuhen ratsam und damit konnten wir uns gar nicht anfreunden. Wir hatten wohl einfach nicht die richtigen Exemplare, denn uns fehlte plötzlich völlig das Gefühl für die Boards. Statt viel Zeit auf dem Wasser zu verbringen, verlagerten wir unsere Aktivitäten dann an den letzten Tagen einfach ins Wasser und planschten ein bisschen im schön klaren Fjord und machten uns darüber hinaus ganz langsam an das Aufräumen von Dulli.

Viele Klamotten wanderten zur Kleiderspende, etwas Kiteausrüstung fand dankbare Abnehmer in der Kiteschule und wir brachten unser Zuhause der letzten zwei Jahre etwas auf Vordermann. Wir haben hin und her überlegt, ob wir noch länger auf der Insel bleiben. Wir wollten Dulli allerdings nicht auf den allerletzten Drücker im Hafen abgeben, man weiß ja nie was bei der Abgabe des Autos noch so auf einen zukommt. Es ging also zurück aufs Festland, wobei wir für unsere letzten Tage vor der Herausforderung standen, dass in Kanada Ferienzeit und absolute Hauptsaison herrschte. Die Campingplätze waren überall brechend voll und auch für Unterkünfte in Vancouver sah es mehr als dürftig aus. An einem Platz wurden wir auch das erste Mal seit Kalifornien wieder mit einem leichten Naserümpfen und dem Hinweis abgewiesen, dass dort nur „richtige Wohnmobile“ erlaubt seien. Mit diesen eigenartigen Regeln wollen sich manche Campingplatzbesitzer zu schlichte Reisemobile und deren Besitzer vom Hals halten. Von Bekannten hörten wir sogar, dass sie aufgrund ihres zwar großen und luxuriösen Wohnmobils, welches aber nicht mehr dem aktuellen Modell entsprach, abgewiesen wurden. Naja, auf solche Plätze können wir gerne verzichten. Wir verbrachten letztlich noch ein paar Tage in Squamish auf dem uns schon bekannten Platz und schwelgten neben dem Packen noch mal in Erinnerungen an die letzten zwei Jahre. An unserem letzten Campingabend öffneten wir unsere beste Flasche Wein aus dem Napa Valley, die wir eigens für diesen Anlass aufbewahrt hatten. Der fantastische Wein war ein Geschenk unserer Freunde Christine und Dave, mit denen wir eine großartige Wein-Tour unternommen haben. Der Wein war auch im rustikalen Camping Ambiente noch genauso lecker wie wir ihn in Erinnerung hatten.

Mit einem deutlich entleerten Dulli ging es schließlich nach Vancouver. Dort sind wir im Gästehaus der Universität untergekommen. Ein guter Tipp für Vancouver Reisende, die nicht direkt in Downtown wohnen möchten bzw. bereit sind die horrenden Preise für Unterkünfte zu zahlen (Link unten). Es war eindrucksvoll für uns, einmal einen Campus einer nordamerikanischen Universität zu erleben – wenn auch in den Semesterferien. Neben preiswerten Restaurants gibt es fantastische Sportstätten und der ganze Campus liegt direkt am Strand. Die perfekte Umgebung, um noch einmal durchzuatmen und sich so langsam wieder in der Zivilisation einzufinden. Aber erst mal lag noch der Abschied von Dulli vor uns. Ganz unromantisch in einem Lagerhaus im Industriegebiet von Vancouver ließen wir unseren Liebling zurück, der uns in den letzten zwei Jahren so ein treuer Gefährte und tolles Zuhause war. Er schippert nun in einem Container in Richtung Deutschland, während wir noch ein paar autofreie Tage genießen durften. Ein bisschen fühlten wir uns wieder wie am Anfang unserer Reise. Die Eckdaten der Verschiffung von Vancouver nach Bremerhaven werden wir in unsere Tipps & Tricks für Overlander aufnehmen.

Vancouver - 15

Mit Daniel, den wir auf unserer Reise in die Antarktis kennengelernt haben, hatten wir in Vancouver einen großartigen Stadtführer. Downtown erkundeten wir noch alleine und waren wenig beeindruckt. Voll, laut, unattraktive Hochhäuser – wir sind wohl einfach keine Großstadt Menschen mehr. Die eigentlich so hübsche Kulisse der Stadt, die Berge auf der einen und das Meer auf der anderen Seite, waren aufgrund der vielen im Umkreis lodernden Waldbrände in Rauch gehüllt. So entfiel auch dieser attraktive Aspekt bei unserer Besichtigung. Gastown, der älteste Bezirk Vancouvers, wurde gelungen restauriert und für zwei Blocks waren wir doch noch ganz angetan. Direkt daran schließt sich allerdings eines der heruntergekommensten Viertel an, dass wir überhaupt jemals in einer Stadt vorgefunden haben. Es wurde deutlich, dass Obdachlosigkeit und Drogen ein ernstzunehmendes Problem in Vancouver sind, die doch eigentlich zu den lebenswertesten Städten auf der Welt gehören soll.

Daniel schaffte es aber noch, uns die lebens- und liebenswerte Seite Vancouvers näherzubringen. Er fuhr mit uns in den nördlichen Teil der Stadt, wo in unmittelbarer nähre zur Innenstadt bereits diverse Outdoor Aktivitäten möglich sind. Von Deep Cove aus wanderten wir auf einen tollen Aussichtspunkt. Trotz der etwas verrauchten Luft konnten wir Downtown am Horizont und Boote, Yachten und Paddler unter uns auf dem Wasser bewundern. Im Lighthouse Park hatten wir ebenfalls einen tollen Blick aufs Wasser und auf ein paar Delfine, die ganz kitschig durch die Spiegelung des Sonnenuntergangs schwammen. Es sind vor allem die Umgebung und die vielfältigen Freizeitmöglichkeiten am Rande der Metropole, die diese so einzigartig machen.

Auf Granville Island stürzten wir uns noch mal ins Getümmel rund um und auf dem bunten dort angesiedelten Markt, um im Anschluss mit einem Aqua Bus (kleine Boote, die Teil des öffentlichen Nahverkehrs sind) in Richtung English Bay überzusetzen. Von dort spazierten wir in den berühmten Stanley Park, den vier Quadratkilometer großen Park der Stadt, in dem alle Großstadt Hektik schnell vergessen ist. Ein schöner und entspannter Abschluss für unsere Tage in Vancouver. Unseren letzten Abend verbrachten wir im hippen Stadtteil Kitsilano („Kits“) und versuchten bei Rotwein und Steak Tartar zu realisieren, dass fast zwei Jahre Reise nun zu Ende gingen. Wir fühlten uns ganz komisch, aber das haben wir ja bereits versucht in unserem Artikel „Dulli stops exploring“ zum Ausdruck zu bringen.

Tja, und dann war er da, der Tag unseres Rückflugs. Nach kurzen Fluchtgedanken vom Gate wieder in Richtung Hafen, um Dulli aus dem Container zu holen und wieder loszufahren, bestiegen wir dann doch unsere Maschine nach Deutschland. In Frankfurt wurden wir mit der gewohnten Herzlichkeit empfangen, aber es ging ja zum Glück weiter nach Hamburg. Dort warteten viel mehr Abholer auf uns als gedacht und wir haben uns riesig gefreut, unsere Familien und ein paar Freunde endlich wieder in die Arme zu nehmen. Etwas übernächtigt kam uns alles ziemlich unwirklich vor und das hält auch einige Tage und ein paar Nächte Schlaf später noch immer an. Darüber wie unsere Wiedereingliederung in Deutschland gelingt, werden wir aber demnächst separat berichten.


Unterkünfte:

Ort: Victoria
Art: Hotel
Preis: 190 CAD für ein DZ
Annehmlichkeiten: Restaurant, Fahrrad Verleih, Garten
Sonstiges: etwas plüschiges, in die Jahre gekommenes Hotel in sehr guter Lage
Link: https://www.huntingdonmanor.com

Ort: China Creek
Art: Campingplatz
Preis: 35 CAD
Annehmlichkeiten: Toiletten, warme Duschen, coin laundry, Strom und Wasser am Platz Sonstiges: direkt am Kitespot mit Stellplätzen direkt am Wasser
Koordinaten: 49.152643, -124.793889

Ort: Squamish
Art: Campingplatz
Preis: 45 CAD
Annehmlichkeiten: Toiletten, warme Duschen, Strom und Wasser am Platz, coin laundry Sonstiges: schöner Platz im Wald direkt am Fjord, ggü. der Sea-to-Sky-Gondola
Koordinaten: 49.672319, -123.163219

Ort: Vancouver
Art: Gästehaus der Universität UBC
Preis: 150 CAD für ein DZ mit eigenem Bad und Küchenzeile
Annehmlichkeiten: Wifi, Fitnessstudio, coin laundry, auf dem Campus weitere Einrichtungen wie Schwimmbad, Tennisplätze, Museen etc.
Sonstiges: eine sehr angenehme, ruhige Unterkunft mit Meerblick, rund 10 km von Downtown Vancouver entfernt, es gibt keine gute Lüftung, es kann also sehr heiß werden
Link: http://ponderosa-studios.vancouver-hotels-bc.com/de/

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