Wir wussten immer, dass dieser Tag irgendwann kommen würde. Das Ende unseres großen Abenteuers. Es dauerte viel länger als ursprünglich gedacht – nun aber ist der Zeitpunkt gekommen, um nach Hause zurück zu kehren. Dulli wurde in einen Container geladen und schippert nun gemütlich von Vancouver nach Bremerhaven und darf sich endlich erholen von den unglaublich strapaziösen Kilometern, die hinter ihm liegen. Wir werden ihn mit dem Flieger überholen und in ein paar Wochen hoffentlich wohlbehalten entgegen nehmen können.

Tja, was bleibt uns zu sagen bzw. zu schreiben? Diese Reise war viel mehr für uns als eine Reise, eine Auszeit vom Alltag oder ein reines Erkunden anderer Länder. Sie hat uns unumkehrbar geprägt, unsere Persönlichkeiten geschärft, uns als Paar noch enger zusammengeschweißt, unseren Horizont erweitert und uns unsere Grenzen aufgezeigt. Sie hat uns gezeigt, dass die Welt besser, offener und gastfreundlicher ist, als wir jemals gedacht haben und dass man viele Ecken dieser Erde inzwischen auch mit sehr überschaubarer Abenteuerlust bereisen kann. Vielmehr waren wir unterwegs häufig mit ganz alltäglichen Herausforderungen konfrontiert, wie der Suche nach dem nächsten Supermarkt, der nächsten Wäscherei oder einer funktionierenden Internetverbindung. Wir haben uns nie den Weg mit der Machete freischlagen oder unser Abendessen erlegen müssen. Wer möchte, kann natürlich auch solche Abenteuer auch heutzutage noch finden. Für uns ging es allerdings viel mehr darum, eine tolle Zeit zu haben und zu lernen, mit immer neuen Umgebungen und Gegebenheiten klarzukommen. Zu akzeptieren, dass uns die deutsche Effizienz nicht überall weiterbringt und in einem völlig anderen und sich ständig ändernden Leben glücklich zu sein.

Während unser Leben vor der Reise immer recht gleichmäßig verlaufen ist mit den üblichen Ausschlägen nach oben und unten, haben wir im Laufe der Reise ständig gigantische Auf und Abs erlebt und gemeistert. Noch nie waren wir so glücklich, frei und unbeschwert, noch nie aber auch so ängstlich, erschöpft und gefangen auf kleinstem Raum, in bestimmten Regionen ganz ohne schnelle, bequeme Alternative. Wir haben nie so gefroren, nie so geschwitzt, hatten nie vorher so viele Insektenstiche, mussten nie so rustikale, medizinische Einrichtungen aufsuchen, nie so langsam Auto fahren und so viele Stunden auf den nicht wirklich bequemen Autositzen und auf rauen Pisten verbringen. Wir haben aber auch noch nie so viele neue Menschen und Freunde in so kurzer Zeit kennengelernt, so fantastische Sternenhimmel gesehen, uns so lebendig gefühlt, so einzigartige Landschaften erkundet und so viel Zeit in der Natur verbracht.

Die Liebe zur Natur und der absolute Drang nach draußen ist vielleicht das, was uns zwei Großstädter und unser zukünftiges Leben am nachhaltigsten verändern wird. Wir haben viele Ideen, einige Pläne und hoffen, dass wir einen Teil des gewonnenen Lebensgefühls auch zuhause erhalten können, dass wir weiterhin in der Lage sein werden manche Dinge so zu akzeptieren wie sie sind und dass nicht alles im Leben bis ins letzte Detail voraus geplant sein muss. Dass wir auch in Zukunft viel offener auf Fremde zugehen als wir das vor der Reise getan haben und unsererseits dazu beitragen, dass Menschen sich bei uns willkommen fühlen. Obwohl nun ein ganz großes Abenteuer hinter uns liegt haben wir das Gefühl, dass das größte Abenteuer mit der Heimkehr vielleicht noch vor uns liegt. Wir sind uns momentan jedenfalls nicht sicher, ob wir im Oktober 2016 aufgeregter waren oder jetzt.

Wir freuen uns am meisten auf unsere Familien und Freunde und darauf nach so langer Zeit das erste Mal wieder ein eigenes Zuhause zu haben. Dulli hat sich zwar unterwegs immer wie unser Zuhause angefühlt, aber für ein völliges Heimat-Gefühl fehlen ihm dann doch ein paar Quadratmeter, ein Bad, eine Küche und vielleicht auch ein etwas beständigerer Garten. Er war uns ein großartiger Begleiter, der uns nie so richtig im Stich gelassen hat und uns in Anbetracht der geringen Größe für die Zeit ein überraschend schönes und ausreichendes Zuhause war. Unser Dank gilt daher vor allem ihm, aber auch unseren Familien, die uns bei dieser Reise so großartig unterstützt und so geduldig auf unsere Rückkehr gewartet haben. Und natürlich allen treuen Lesern, die unser Abenteuer verfolgt haben und uns mit netten Kommentaren, aber auch mit Rat, z.B. bei technischen Problemen zur Seite standen.

 

Nun aber genug der Emotionen, kommen wir zu den harten Fakten der Reise:

-Dauer: 686 Tage

-gefahrene Kilometer: 53.631

-12 bereiste Länder, 3 Kontinente (inkl. Antarktis)

Südlichster- / Nördlichster Breitengrad: -65.115547 Grad (Antarktis) / 64.837841 Grad (Alaska)

-254 verschiedene Übernachtungsplätze

-5.465 Euro Ausgaben für Diesel

-6.664 Euro Ausgaben für Dulli (Reparaturen, Teile, Ölwechsel etc.)

Technische Probleme: überwiegend Kleinigkeiten (2x Dieselverlust, vordere Fahrwerksbuchsen und Lenk- und Spurstangenköpfe ausgeschlagen, Außenspiegel verloren) und eine größere Sache (vordere Kardanwelle defekt, Ersatzteil aus England importiert, Dauer 3 Wochen)

Lieblingsländer: Chile, Ecuador, Mexiko, USA, Kanada

-Anzahl Blogbeiträge: 63

-10 Lieblingsmomente Ali:

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-10 Lieblingsmomente Malte:

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Wir sehen uns in Deutschland!!

Ali, Malte & Dulli

11 Gedanken zu “Dulli stops exploring

  1. Das nächsten Abenteuer wartet – ankommen in der Heimat … ich freue mich so, dass Euch auf den hinter Euch liegenden 53.631 Kilometer nichts passiert ist und freu mich auch Euch hoffentlich ganz bald zu sehen 🙂

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo ihr zwei
    Wir haben all eure Beiträge stets mit Spannung gelesen und sind so am Bildschirm stets mitgereist… 🙂
    Eure Zusammenfassung trifft es wohl sehr gut, aber wie wir mal auf Korsika lernten: On partie pour mieux revenier – man kehrt nach hause zurück, um eines Tages wieder zu kommen.

    Für die nächste Etappe wünschen wir euch alles Gute und hoffen, dass wir uns nun – bei der etwas geringeren Distanz – auch mal wieder sehen können.

    Ganz liebe Grüsse
    Gina & Christian

    Gefällt 1 Person

  3. Wir freuen uns riesig auf euch. Schön das ihr so gesund und wohlbehalten alles überstanden habt.
    Ein einmaliges Erlebnis liegt hinter euch, Wahnsinn, so etwas erleben zu dürfen…und ein wenig Wehmut, eure Reiseberichte werden fehlen.

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  4. Danke ihr zwei!! Wie schön, dass ihr uns die ganze Zeit verfolgt habt und wir würden uns riesig freuen, wenn es mit dem Wiedersehen klappt!!
    Liebe Grüße in die Schweiz
    Ali & Malte

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  5. Wow, welche ein Resümee, was für treffende Worte! Ich habe Gänsehaut.
    Ich bin erst seit zwei Monaten unterwegs, kann aber schon jedes Wort und jedes Gefühl nachvollziehen. Für mich liegt vieles noch vor mir, was ihr erlebt habt. Danke für euren Blog, für Bilder und Eindrücke! Besonders euere zwiespältige Erfahrung von Alaska hat mir zu denken geben und ich bin gespannt, wie ich es finden werde. Falls ich so spät im Jahr überhaupt noch dort hin komme.
    Euch wünsche ich eine gute Heimreise, eine schöne Ankunft und erfolgreiches Wiedereinleben in Deutschland.

    Alles Gute und herzliche Grüße!
    Dominik von dodosreisen.com

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  6. Hi Dominik,
    Danke für das nette Feedback und dir eine tolle Reise. Ganz viel Spaß, es liegen so tolle Sachen vor dir. Mach dir nicht zu viele Gedanken bzgl Alaska, am Anfang unserer Reise hätten wir das vielleicht auch anders empfunden. Mit nahendem Reiseende ändert sich die Stimmung etwas.
    Alles Gute
    Ali & Malte

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  7. Hallo Ihr drei,
    Ja wir freuen uns auch auf Euch und haben die Blogs von Euch alle gelesen – auch für uns geht eine Zeit damit zu Ende. Wir sind aber auch durch Euch auf den Geschmack gekommen und unternehmen erste Anläufe im europäischen Raum. Vielleicht schaffen wir es dann auch einmal diesen Schritt zu gehen. Jedenfalls seid Ihr herzlich eingeladen und wir werden gerne Eure Eindrücke und Erdaheungen mit Euch teilen!
    Liebe Grüße Clara, Kirsten und Uwe

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  8. Hallo ihr drei,

    Wir freuen uns auch auf die Heimat, Familie und Freunde.
    Toll, dass ihr unsere Reise verfolgt habt.
    Wir machen dann bald einen langen Abend und erzählen ein bisschen.
    Wir sind gespannt auf eure Pläne.

    Liebe Grüße
    Ali & Malte

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  9. Hallo ihr zwei, Abschied nehmen von so einer tollen Reise mit vielen Eindrücken, dazu nette Menschen aus anderen Kulturen kennengelernt zu haben ist schwer. Aber gesund nach Hause zu kommen, nach so langer Zeit ist umso schöner, Heimat bleibt eben Heimat. Herzliche grüße danke das ich virtuell mit euch mitreisen durfte Heinz

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