Aus dem Dschungel kehrten wir ein letztes Mal nach Cuzco zurück. Und diese Rückkehr war wirklich großartig. Unsere neue Kardanwelle wartete bereits auf uns und wir trafen Anke und Wolfgang wieder, die wir im März in Süd-Chile kennengelernt hatten. Wir wurden herzlich begrüßt und sofort in deren großen MAN-LKW eingeladen und erst mal mit einer warmen Mahlzeit versorgt. So macht nach Hause kommen Spaß! Der Mechaniker konnte die Welle am nächsten Morgen kurzfristig einbauen und die Probefahrt zum Supermarkt verlief erfolgreich. Wir machten Dulli also reisefertig und es konnte nach 3,5 Wochen endlich wieder mit dem Auto weitergehen. Unser Ziel: die Küste. Nach über vier Monaten in den teilweise verdammt hohen Bergen wollten wir endlich den Pazifik wiedersehen. Zuletzt waren wir im April in Chile am Strand und das war eindeutig ein bisschen zu lange her. Durch traumhafte Landschaften schlängelten wir uns in zwei Etappen mit unserem frisch geheilten Patienten hinab bis nach Nazca. Dort auf nur 500 m Höhe angekommen freuten wir uns tierisch über 30 Grad, einen Swimmingpool in dem Hotel vor dem wir campierten und vor allem mal wieder ein Abendessen nach 18 Uhr. Die warmen Abende haben uns wirklich verdammt doll gefehlt!

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Rund um Nazca gibt es neben der höchsten Sanddüne Amerikas (2.080 m) einige Sehenswürdigkeiten. Wir besichtigten den Cementerio de Chauchilla mit den gut erhaltenen Mumien, die noch aus der Zeit vor den Inka stammen sollen. Erst kürzlich wurden die Gebeine, die nach der Plünderung der Gräber weit verstreut im Wüstensand lagen in ihren jetzigen offenen Ersatzgräbern drapiert. Die ganze Anlage ist faszinierend und gruselig zugleich. Nur einige Seile trennen einen von den Toten, was uns auch von einer Nacht direkt auf dem Friedhof abhielt, auch wenn sie sicherlich schön ruhig gewesen wäre… Am nächsten Tag hielten wir an den berühmten Nazca-Linien. Hierbei handelt es sich um gigantische Bodenzeichnungen im Wüstensand, die Tiere, Pflanzen und andere Muster darstellen. Sie sollen bereits 300 v. Chr. bis 700 n. Chr. entstanden sein. Die realistischeren Theorien über die Bedeutung der Linien reichen von einem riesigen astronomischen bis zu einem Agrar-Kalender. Da wir keine Lust auf einen Rundflug über die Linien hatten, blieben uns lediglich zwei Aussichtstürme, um einige der Zeichnungen zu bewundern. Einerseits beeindruckend, andererseits sind sie unseres Erachtens auch verdammt leicht zu kopieren. 🙂

Anschließend fuhren wir zu der Wüstenoase Huacachina und erwarteten eine entspannte grüne Oase mitten in der Wüste. Was uns stattdessen erwartete war ein Partyort mit Poolbars und lauter Musik. Wir waren im ersten Moment etwas geschockt, ließen uns dann aber auf das Spektakel ein. Die Milch in unserem Kühlschrank musste mehr Bier weichen und schon saßen wir bereits mittags mit den Beinen im Wasser und der Dose Bier in der Hand am Pool und gaben uns dieser künstlichen Welt hin. Rund um die natürliche Oase mitten in der peruanischen Küstenwüste wurde ein Ort errichtet, in dem aus den Touristen mit Sandboarding und Buggy-Touren, Bootsfahrten auf der Lagune und vor allem mit alkoholischen Getränken das Maximum rausgeholt werden soll. Ein schönes Beispiel dafür, wie in Peru leider vielerorts mit der Natur und den Sehenswürdigkeiten umgegangen wird. Wo irgendwie Geld zu verdienen ist, wird es auch gemacht. Leider oft auf sehr brutale und etwas uncharmante Weise.

Die Oase liegt in unmittelbarer Nähe zu Ica, wo sich das größte Weinanbaugebiet Perus befindet. Ein paar peruanische Tropfen haben wir im Laufe der Wochen schon probiert und sie im Gegensatz zu den bolivianischen Weinen für sehr trinkbar befunden. Also statteten wir dem ältesten Weingut Perus, Tacama, einen Besuch ab. Das Weingut ist sehr hübsch und hat ein hervorragendes Restaurant, in dem wir ein paar Weine testeten und eine Kleinigkeit aßen. Wir konnten unsere Weinvorräte so noch einmal aufstocken bevor es endlich wieder an den Strand ging.

In dem kleinen Strand-Ort Paracas fanden wir dann völlig überraschend für ein paar Wochen eine neue Heimat. Wir sind eben durch und durch norddeutsch und fühlen uns an der Küste immer mit Abstand am wohlsten. Wir konnten direkt am Strand neben einer Kitesurf-Schule campen an einer flachen, geschützten Bucht, die sich hervorragend zum lernen eignet. Der Wind ist thermisch und weht regelmäßig am Nachmittag und das Wasser ist recht flach. Als eines der Ziele unserer Reise haben wir vor einiger Zeit festgelegt, dass wir endlich richtig kiten lernen wollen. Zum einen ist das eine Sportart, die wir nach unserer Rückkehr in Norddeutschland weiterhin ausüben können, zum anderen haben wir in unserem Alltag und unseren „normalen“ Urlauben nie die Gelegenheit mal viele Tage am Stück zu üben bis wir einigermaßen gut sind. Wir buchten also ein paar Stunden Unterricht bei Agos und Juan, zwei sehr kompetenten und super netten Lehrern und genossen sehr entspannte Tage am Strand.

Jeden Morgen bevölkerten Flamingos die Bucht, später kamen Pelikane hinzu, Seelöwen veranstalteten vor allem nachts einen Heidenlärm und sogar eine Schildkröte entdeckten wir eines Tages im Wasser. Viel mehr als Kiten, in der Sonne liegen, am Strand spazieren und die herrliche Umgebung genießen konnten wir nicht tun, aber das ist ja auch mal schön. Nur die Tage als der Paracas wütete, der Sandsturm der dem Ort seinen Namen verliehen hat, wurden zu einer Herausforderung. Der Wind wehte so stark, dass irgendwann eine orangefarbene Wand aus Sand auf uns zurollte und man kaum noch 20 m weit sehen konnte. Nicht nur Dulli versank in Sand und Staub, auch wir selber fühlten uns schnell wie kleine Sandmännchen. Zu dieser Gelegenheit flüchteten wir dann gerne mal in ein Hotel. Da Paracas einer der präferierten Ferienorte der peruanischen Oberschicht ist, findet man eine ungewöhnlich große Auswahl an Top-Hotels. Was für ein Kontrast und eine Wohltat nach so vielen Tagen am Strand nur mit einer Strand-Dusche im Freien. Und so konnten wir uns in ungewohnt luxuriöser Umgebung wieder gründlich von Sand und Staub befreien und das Spektakel aus sicherer Distanz bei einem richtigen Club-Sandwich beobachten.

Agos und Juan nahmen uns eines frühen Morgens mit an ihren persönlichen Surfspot zum Wellenreiten im Paracas-Nationalpark. Auch wenn es für uns vor allem etwas morgendliches Herumpaddeln war, war es toll von den beiden ihren Spot gezeigt zu bekommen. In all den Tagen, die wir am Strand verbrachten, sind uns die beiden richtig ans Herz gewachsen, nicht zuletzt als uns die beiden Argentinier zu sich nach Hause zum Steakessen einluden. Ein paar Tage später folgte eine Geburtstagseinladung von einem der anderen Besitzer der Kite-Schule und wir fühlten uns endgültig heimisch in Paracas… Wieder einmal wurde uns bewusst, was für ein Privileg es ist, wenn man so flexibel ist und einen Ort so ausgiebig genießen kann und auch mal eine Einladung annehmen kann. Die Geburtstagsparty in dem Beachhaus der Familie war dann richtig toll mit Fleisch satt in allen erdenklichen Variationen von den diversen Grillstationen des Hauses. Wir hielten sogar bis 0:30 Uhr durch, inzwischen eine völlig absurde Zeit für uns, die wir sonst eher um 21 Uhr die Augen kaum noch offen halten können.

Eines windstillen Tages schafften wir es dann auch noch tagsüber in den benachbarten Nationalpark und bewunderten die Landschaft mit den steilen Klippen, dem türkisblauen Meer und den Sanddünen, die sich endlos auf der Paracas-Halbinsel erstrecken. Zum Teil völlig alleine durchstreiften wir diese faszinierende Wüste. Nach einer tollen letzten Kite-Session, bei der wir inzwischen mit unserem eigenen Equipment unter Beweis stellten, dass wir uns unsere Kite-Lizenz nun auch verdient haben, hieß es dann nach ganzen vier Wochen Abschied nehmen von Paracas und unseren neuen Freunden. Wir freuten uns zwar nun auch wieder auf etwas Neues, aber komisch war es schon diesen besonderen Ort zu verlassen und nicht zu wissen, ob und wann wir uns wiedersehen werden.

Auf der sehr guten Küstenstraße fuhren wir nach Lima und dort direkt zur deutschen Schule, wo am Wahl-Sonntag eine Wahlparty stattfand. Es gab nicht nur eine ARD Übertragung auf einer Leinwand, sondern auch Currywurst, Brezeln, Käsekuchen und Vollkornbrötchen. Und alles ließ sich problemlos auf deutsch bestellen. Der kleine Ausflug in die Heimat war eine richtig tolle Abwechslung und darüber hinaus spannend zu sehen, wie die deutsche Community in Peru lebt. Die Hauptstadt war für uns vor allem mal wieder ein Ort, um Besorgungen zu machen. Allerdings waren wir nach sehr geringen Erwartungen an die Stadt, die viele als graues, tristes Moloch beschrieben haben, wirklich positiv überrascht von dem Stadtbild. Vor allem ist Lima, zumindest in den reicheren Stadtteilen sauber und gepflegt, es gibt wirklich alles zu kaufen was man sich wünschen kann und, wie erwartet, reiht sich ein gutes Restaurant an das nächste. So genossen wir das Stadtleben und schlemmten uns vor allem durch Ceviche, Sushi (Empfehlung Maido ) und andere Meeresfrüchte-Variationen, aber auch einem der besten Steak-Häuser der Stadt (sehr empfehlenswert Osso) statteten wir einen Besuch ab und verabredeten uns mit Leuten, die wir in Paracas kennengelernt haben, die aber in Lima leben. Die Altstadt von Lima ist wie so oft in Südamerika eher unspektakulär mit einer hübschen Plaza de Armas, drum herum aber eher schäbigen Straßen und Geschäften. Das Leben spielt sich eindeutig in den Stadtteilen Miraflores, San Isidro oder La Molina ab, die wirklich durchaus reizvoll sind mit ihrer Beachfront und den Surfern, die sich in den Wellen tummeln. Seit Langem genossen wir also auch mal wieder die Annehmlichkeiten einer richtigen Großstadt bevor es nun noch einmal in die Berge der Cordillera Blanca geht. Mal sehen wie uns die Höhe dieses Mal bekommt…


Unterkünfte

Ort: Yaca
Art: Campingplatz
Preis: 15 Sol
Annehmlichkeiten: saubere Toiletten, kalte Duschen
Sonstiges: sehr nette Besitzerin, gepflegter Platz mit sehr gutem Preis-Leistungs-Verhältnis Koordinaten: -13.84871, -72.97858

Ort: Nazca
Art: Camping vor einem Hotel
Preis: 40 Sol
Annehmlichkeiten: Toiletten, kalte Duschen, Wifi, Pool
Sonstiges: sehr schöne Hotelanlage, die Waschräume sind allerdings etwas ungepflegt Koordinaten: -14.83806, -74.94500

Ort: südlich von Nazca
Art: Camping auf einer Estancia
Preis: 50 Sol
Annehmlichkeiten: saubere Waschräume, warme Duschen
Sonstiges: sehr hübsche, alternative Estancia mit sehr netten Besitzern
Koordinaten: -14.91510, -74.98933

Ort: Huacachina
Art: Camping vor einem Hostel
Preis: 50 Sol
Annehmlichkeiten: saubere Waschräume, warme Duschen, Küche, Pool, Bar und Restaurant Sonstiges: sehr gepflegtes Party Hostel, etwas skurril aber sehr lustig, nachts sehr laut
Koordinaten: -14.91510, -74.98933

Ort: Paracas
Art: Camping am Strand
Preis: kostenlos
Annehmlichkeiten: saubere Toilette der Kite-Schule, warme Außen-Dusche für 5 Sol in der Kite- Schule
Sonstiges: toller, ruhiger Spot direkt an der Bucht
Koordinaten: -13.85897, -76.25531

Ort: Paracas
Art: Hotel
Preis: ab 150 USD inkl. eines fantastischen Frühstücks
Annehmlichkeiten: mehrere Pools, Spa, Wassersport, mehrere Restaurants
Sonstiges: das schönste Hotel, welches wir in Südamerika bisher gefunden haben, perfekter Service, ein absoluter Traum
Koordinaten: -13.5010.85, -76.151956

Ort: Lima
Art: Camping vor einem Hostel
Preis: 40 Sol
Annehmlichkeiten: saubere Bäder, warme Dusche, Küche
Sonstiges: sehr zentral gelegen in Miraflores, recht laut und kann eng werden auf dem kleinen Parkplatz
Koordinaten: -12.12244, -77.03601

2 Gedanken zu “Von Cuzco nach Lima – endlich zurück an die Küste

  1. Und mal wieder schöne, zum Teil aber auch gruselige, Bilder. Für euch sicherlich schöne Abenteuer und tolle Erfahrungen. wir wünschen euch eine gute weitere Reise und wiederum nette Bekanntschaften.

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