Nach einer der chaotischsten Grenzen unserer Reise (nur Paraguay macht Konkurrenz) waren wir in Kolumbien angekommen. Ein Land von dem wir im Gegensatz zu manch anderem auch vor der Reise schon eine gewisse Vorstellung hatten. Dachten wir. Denn die ersten 150 km im äußersten Südwesten des Landes legten wir in einer Landschaft zurück, die uns eher an Süddeutschland oder die Schweiz erinnerte. Saftig grüne Wiesen an Berghängen mit schwarz-weißen Kühen, durch die sich gute Straßen winden. Unseren ersten Stopp legten wir am Santuario de las Lajas ein. Eine recht kitschige Kirche, die an ungewöhnlicher Stelle auf einer Brücke erbaut wurde. Genau hier soll der Legende nach im Jahr 1754 die Jungfrau Maria erschienen sein. Einige Kilometer weiter hat sich im Norden der Laguna de la Cocha der schweizerische Chalet-Stil durchgesetzt mit Holzbalkonen und Geranien vor den Fenstern und wir waren gefühlt endgültig wieder in Mitteleuropa angekommen. Auch das nasskalte Wetter passte zu diesem Eindruck und wenig zu unserer bisherigen Vorstellung von Kolumbien.

Karte Kolumbien Süd

Am folgenden Tag änderte sich zwar das Wetter dank der vielen Höhenmeter, die wir in Richtung Norden verloren, und entsprach mit bis zu 36 Grad und Sonnenschein mehr unserer Vorstellung von Kolumbien. Was sich hingegen nicht änderte war das überaus gepflegte Erscheinungsbild des Landes. An den Rändern der sehr guten, wenn auch kurvigen Straßen wurde überall fleißig das Gras gemäht, der wenige Müll, der herumlag eingesammelt und unser Highlight waren zwei Leitplanken-Reiniger. Sowas haben wir selbst in Deutschland noch nicht gesehen. Mit Schrubbern wurden die Leitplanken von nicht wirklich sichtbarem Schmutz befreit. Faszinierend, diesen Sinn für Sauberkeit ausgerechnet in Kolumbien kennenzulernen. Wir als ordnungsliebende Menschen fühlten uns direkt wohl und wurden zudem überall herzlich empfangen. Die vielen Militärposten winkten freundlich und zeigten den Daumen als Zeichen dafür, dass die Straße sicher ist. Die vielen Polizisten an der Straße hielten uns gelegentlich an, waren aber auch überaus freundlich und interessierten sich eher für Dulli, unsere Flaggenaufkleber und die Fotos, die im Innenraum an unseren Schränken hängen. Nach Papieren oder dem sonstigen Inhalt des Autos fragte keiner.

Nach zwei langen und anstrengenden Fahrtagen legten wir eine kleine Pause in der hübschen Kolonialstadt Popayán ein. Der Charme der Universitätsstadt liegt neben den vielen, weißgetünchten Gebäuden darin, dass sie gänzlich untouristisch ist und wir die einzig europäisch aussehenden Menschen waren, die in der Hitze die Gassen entlang schlenderten. Ganz in der Nähe liegt das kleine Dorf Silvia etwas versteckt in den Bergen. Dieser Ort ist das Zentrum der Guambiano Indianer, die hier vielfach noch in ihrer traditionellen Tracht (die Herren in blauen Röcken und mit Filzhüten, die Damen in schwarzen Röcken und mit blauen Tüchern über den Schultern) anzutreffen sind.

Am Lago Calima ließen wir uns das erste Mal in Kolumbien länger nieder. Wie könnte es anders sein – zum Kitesurfen. Nach einer Bucht in Paracas, Peru und dem welligen, offenen Meer in Santa Marianita, Ecuador folgte nun also ein Stausee. Die Herausforderungen waren hier der extrem böige Wind und der nicht vorhandene Strand zum Starten und Landen des Kites. Wir stellten uns, strauchelten, lernten aber wiederum extrem viel dazu. Wir nutzten die Tage neben der Verbesserung unserer Kite-Fähigkeiten zur weiteren Planung unserer Reise. Kolumbien ist unser letztes Land in Südamerika und wir werden diesen Kontinent irgendwann rund um den Jahreswechsel nach 15 Monaten hinter uns lassen. Seit einiger Zeit haben wir uns immer mal wieder mit der weiteren Route beschäftigt, mit anderen Reisenden gesprochen, recherchiert und haben nun eine Entscheidung getroffen: wir verschiffen Dulli direkt nach Mexiko. Wir werden auf dieser Reise Zentral-Amerika auslassen, auch wenn wir dadurch bestimmt spannende, großartige und wunderschöne Länder verpassen. Aber zum einen war die Aussage vieler Reisender, die aus dem Norden kommen, dass sich die Länder landschaftlich nicht wesentlich von den Ländern in Südamerika und von Mexiko unterscheiden und die vielen Grenzen auf der Durchreise zu den strapaziösen auf der Reise gehören. Zudem ist Mexiko für viele Reisende das absolute Highlight auf dem gesamten amerikanischen Kontinent. Zum anderen bleiben wir unserer bisherigen Strategie treu und nehmen uns lieber Mexiko in aller Ruhe und intensiv vor und genießen das Land so lange uns der Sinn danach steht. Zentral-Amerika bleibt dann eben noch ein weißer Fleck auf der Landkarte und eine tolle Option für eine der nächsten längeren Reisen. Ein großer Schritt und Umbruch liegt nun also vor uns, aber zunächst freuen wir uns auf die verbleibenden Wochen im wunderschönen Kolumbien.

Eine der schönsten Regionen des Landes besuchten wir im Anschluss: die Kaffee-Zone. Leider vermieste uns die ungewöhnlich stark anhaltende Regenzeit die ersten Tage ein wenig. Das erste Mal seit sehr langer Zeit waren wir mal wieder so richtig vom Regen beeinträchtigt. Wir als erklärte „Schönwetter-Camper“ überlegten lange was wir daraus machen, haben uns dann aber zum Bleiben entschlossen, die Gegend bietet einfach zu viel, um dem Wetter zu entfliehen. Die Tage waren dann trotz des Wetters richtig toll und so richtig kolumbianisch. Bei einer spannenden und familiären Kaffee-Tour bei Don Elias frischten wir unser Wissen über die Kaffeeherstellung auf und verkosteten anschließend den hervorragenden Kaffee.

Am nächsten Tag wurde es sogar noch kolumbianischer und wir lernten den Nationalbaum und den Nationalsport kennen. Das Valle del Cocora ist die Heimat der bis zu 60 Meter hohen Wachspalmen, dem Nationalbaum Kolumbiens. Wir entschieden uns für eine Reittour zum Aussichtspunkt. Wir dachten, dass sich lieber die Pferde die Hufe im Matsch schmutzig machen, als wir unsere Schuhe. Die ganze Tour war auch ganz lustig, allerdings taten uns die Klepper auf dem steilen, rutschigen Untergrund dann irgendwann so leid, dass wir die ganz steilen Passagen dann doch lieber zu Fuß zurücklegten. Nächstes Mal würden wir lieber gleich laufen, denn der Ausflug in die herrliche Landschaft lohnt sich auf jeden Fall.

Am Abend wurde es sportlich beim Tejo, einem Spiel, bei dem man mit einer Scheibe versucht einen Ring zu treffen, auf dem Schießpulver verteilt ist. Je mehr es knallt, desto mehr Punkte und desto mehr alkoholische Getränke gibt es. Das sind die Spielregeln einmal grob zusammengefasst. Wir spielten gegen ein Paar aus Frankreich und hatten ziemlich viel Spaß, auch wenn wir alle unglaublich untalentiert waren. Davon und von dem ganzen Regen mussten wir uns am nächsten Tag erst mal erholen und verbrachten den letzten Tag in der Kaffee-Zone noch einmal bei herrlichem Wetter auf einer traumhaft schönen, alten Hacienda. Diese war genau so wie wir uns so ein Anwesen vorgestellt haben, mit Schaukelstuhl auf der Veranda und nichts als Kaffeepflanzen und Bananenpalmen drumherum. Wir ließen uns von den herzlichen Besitzern verwöhnen, bevor wir die eigentlich nicht so lange, aber von Baustellen durchsetzte und dadurch sehr nervenaufreibende Strecke nach Medellin antraten (8 Stunden für 170 km…).

Die zweitgrößte Stadt des Landes war dann mal wieder ein willkommener Ort, um einige Erledigungen zu machen. Kleidung und Schuhe für Malte in Lateinamerika aufzutreiben ist immer eine echte Herausforderung, der durchschnittliche Lateinamerikaner ist eben etwas kleiner. Aber bei der großen Auswahl in Medellin sind wir fündig geworden und fanden auch sonst eine sehr lebenswerte und hippe Stadt vor. Lange haben wir nicht so viele szenige Restaurants, Boutiquen und Bars auf einem Haufen gesehen. Diese konzentrierten sich, wie so oft, auf einen der reicheren Stadtteile im Süden der Stadt während die Innenstadt uns, ebenfalls wie so oft, eher abschreckte. Die Skulpturen des Medelliner Künstlers Fernando Botero auf der gleichnamigen Plaza sind zwar sehr sehenswert, die Straßenzüge drumherum eher nicht.

Nun geht es für uns in den nördlichsten Teil Südamerikas und damit den letzten Stopp auf dem Kontinent, die Karibikküste. Wir hoffen auf schöne Strände, gute Kitesurf-Möglichkeiten und eine etwas bessere Camping-Infrastruktur und -Bedingungen. Denn wenn wir einen kleinen Kritikpunkt am bisherigen Reisen in Kolumbien äußern sollten, dann die Art der Stellplätze, die zwar immer gut zum Übernachten sind, aber weniger gut um richtige Camping-Tage zu verbringen. Da wir dabei ja zu 90 % draußen leben, brauchen wir eben ein bisschen Platz und eine Umgebung und das Wetter, die dazu einladen Tisch und Stühle rauszustellen. Aber das ist wirklich Meckern auf hohem Niveau und ab und an ein eigenes Bad in einem Hotel ist ja durchaus auch etwas Feines…


Unterkünfte:

Ort: Laguna de la Cocha
Art: Camping vor einem Hotel
Preis: 25.000 COP
Annehmlichkeiten: saubere Toiletten, mittelmäßiges Restaurant, Wifi
Sonstiges: Hotel mit schweizerischem Charme, für weitere 25.000 COP kann man in einem Zimmer duschen
Koordinaten: 1.13777, -77.14142

Ort: Popayan
Art: Hotel
Preis: 205.000 COP inkl. gutem Frühstück
Annehmlichkeiten: Wifi, gutes Restaurant
Sonstiges: hübsches Hotel in einem alten Kloster, Parken ohne Höhenbeschränkung, gutes Preis- Leistungs-Verhältnis
Koordinaten: 2.263884, -76.363152

Ort: Silvia
Art: Camping bei Privatleuten
Preis: kostenlos
Annehmlichkeiten: auf Wunsch Badezimmer
Sonstiges: ruhiger Stellplatz bei einer französisch-marokkanischen Familie
Koordinaten: 2.61216, -76.37397

Ort: Lago Calima
Art: Cabaña
Preis: 110.000 COP
Annehmlichkeiten: eigenes Bad, kleiner Balkon mit Seeblick, Pool, Wifi, Restaurant Sonstiges: sehr einfache, aber saubere Anlage direkt am See
Koordinaten: 3.879563, -76.543987

Ort: Salento
Art: Camping vor einem Hostel
Preis: 30.000 COP inkl. Frühstück
Annehmlichkeiten: saubere Waschräume, warme Dusche, Wifi, Küche, Aufenthaltsräume, Wäscheservice
Sonstiges: sehr schönes Hostel mit extrem guten Preis-Leistungs-Verhältnis
Koordinaten: 4.63007, -75.58097

Ort: Nahe Manizales
Art: Hacienda
Preis: 300.000 COP für ein DZ inkl. Halbpension
Annehmlichkeiten: Pool, Wifi
Sonstiges: eine wunderschöne, typisch kolumbianische Hacienda mit Schaukelstühlen und Hängematten auf der Veranda, traumhafter Garten, sehr herzliche Besitzer, sehr gutes Essen
Koordinaten: 5.02724, -75.581975

Ort: Medellin
Art: Hotel
Preis: 130 USD für ein DZ inkl. Frühstück
Annehmlichkeiten: Sportpool, sehr schnelles Wifi, Restaurant, Gym, Tennisplätze, sicheres Parken ohne Höhenbeschränkung
Sonstiges: sehr schönes Hotel und eine der wenigen Möglichkeiten in Medellin das Auto sicher abzustellen
Koordinaten: 6.213244, -75.558353

3 Gedanken zu “Bienvenidos a Colombia – der Süden bis nach Medellin

  1. Und wieder einmal ein toller Bericht und „eine gute Möglichkeit mit zu reisen“. In jedem Land habt ihr tolle Erlebnisse. Genießt ein paar erholsame Tage bis zur Verschiffung von Dulli.
    LG Muddi

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  2. Hallo! Ich bin zufällig durchs Galapagos-Tagebuch auf euren Blog gestossen! Ganz toll! Weiterhin viel Glück und Freude bei euren Abenteuern, und danke, dass wir mitreisen dürfen. Saluti dalla Sicilia Ruth&Ueli

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  3. Hallo ihr zwei vielen Dank für euren tollen Reisebericht, denn Kolumbien war vor einigen Jahren nicht so einfach zu bereisen. Wünsche euch noch alles gute auf eurer Reise. Liebe Grüße aus dem winterlichen Pinzgau.

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