Unser nächstes Ziel nach unserem Abstecher zu den Monarchfaltern war die zweitgrößte Stadt Mexikos, Guadalajara. Hier sollte Dulli das erste Mal einen richtigen Service bei Land Rover bekommen, in Mexiko ist plötzlich wieder alles möglich. Aber zunächst stoppten wir für eine Nacht in Morelia. Wie sich herausstellte, ein sehr lohnenswerter Besuch. Die Stadt erinnert an das spanische Salamanca und hat dank der strengen Bauvorschriften ein äußerst attraktives Stadtzentrum. Wir bummelten durch die hübsche Stadt und gönnten uns mal wieder einen Besuch in einem etwas schickeren Restaurant. Die Nacht verbrachten wir danach ganz stilecht auf einem zentralen, bewachten Parkplatz und waren am nächsten Morgen sehr gerührt, als uns der nette Besitzer des Platzes mit zwei Kaffees und warmen Sandwiches zum Frühstück überraschte. Ein weiteres Beispiel für die große Gastfreundschaft der Mexikaner.

Karte Mexiko 3

In Guadalajara ging es ähnlich erfreulich weiter. Die Land Rover Mechaniker wirkten sehr professionell und versprachen Dulli einem großen präventiven Check und Service zu unterziehen, so etwas war in Südamerika immer schwierig bis unmöglich zu bekommen. Dort lautete das Motto: wenn nichts kaputt ist, wird auch nichts nachgeguckt. Wir ließen Dulli also mit gutem Gefühl in der Werkstatt, bekamen noch ein Buch über die Geschichte des Defenders geschenkt und wurden auf Kosten der Werkstatt in die Stadt ins Hotel gefahren. Was will man mehr… Guadalajara wies dann eine ebenfalls sehr attraktive Innenstadt mit toller alter Bausubstanz auf und uns wurde bewusst, dass wir es gar nicht mehr gewohnt waren so hübsche Orte in so großer Vielzahl vorzufinden. Westlich des Zentrums liegen die wohlhabenderen Stadtteile und wir staunten nicht schlecht über das Shopping-Paradies, das wir hier vorfanden. Wie auch schon in der Hauptstadt waren die Geschäfte und deren Aufmachung sowie das gastronomische Angebot nicht mit dem in Südamerika, aber auch nicht mit dem in Deutschland zu vergleichen. Davon können sich die deutschen Einkaufszentrumsbetreiber und Einzelhändler noch eine große Scheibe abschneiden.

Nach diesem Stopp in der Großstadt machten wir uns mit unserem frisch gewarteten Dulli auf, um eine weitere mexikanische Tradition kennenzulernen. In Tequila ging es uns eigentlich einzig und allein um die gleichnamige Spirituose. Darüber hinaus wartete allerdings wiederum ein wunderhübsches Dorf auf uns. Ich wiederhole mich zwar, aber nach der langen Zeit in Südamerika mit überwiegend durchschnittlichen Orten sind die Orte in Mexiko für uns einfach so herausragend schön. Der eigentliche Zweck des Besuchs war dann für uns allerdings auch ein echtes Highlight. Wir besichtigen den ältesten Tequila-Hersteller des Landes, die Firma José Cuervo. In einer Führung lernten wir alles über den Herstellungsprozess des Nationalgetränks und in einem anschließenden Tasting verkosteten wir einige der dort hergestellten Tequilas. Wir nehmen es vorweg, das Getränk hat absolut nichts mit der Variante mit dem roten Sombrero als Deckel zu tun, die wir aus Deutschland in so schlechter Erinnerung hatten. Gerade die länger gereiften Tropfen begeisterten uns und wir durften sogar eine sehr edle Variante verkosten, die in New Yorker Bars angeblich 85 USD kostet – pro Glas. Schließlich kauften wir noch einen (der etwas preiswerteren) Tequilas für die kommenden Camping-Abende zum Sonnenuntergang.

Eine weitere mexikanische Tradition, die wir im Staat Veracruz, in der sie eigentlich beheimatet ist, leider verpasst haben, konnten wir ebenfalls noch völlig überraschend in Tequila bewundern. Die „Voladores de Papantla“ sind Tänzer bzw. Akrobaten, die zu fünft einen rund 30 m hohen Pfahl besteigen, von dem sich dann vier von ihnen mit einem Seil um die Taille gebunden kopfüber herunterstürzen. Der fünfte bleibt in der Mitte des Pfahls in schwindelerregender Höhe stehen und begleitet die sich im Kreis drehenden Kollegen musikalisch. Durch die kreisenden Bewegungen um den Pfahl herum wickeln sich die Seile immer weiter ab, bis die vier Akrobaten schließlich wieder am Boden ankommen. Bei all dem Spektakel schwankt der Pfahl bedrohlich. Uns ist schon beim Zusehen ganz schwindelig geworden…

Von Tequila ging es zurück ans Meer. Auch wenn die Festland-Küste noch nicht mit guten Kitesurf- Bedingungen aufwarten konnte, freuten wir uns tierisch, die Füße endlich wieder in den Sand stecken zu können. Wir campten auf einem Campingplatz direkt am Strand, der so einsam lag, dass es sich fast wie freies Camping anfühlte. Bei einem Strandspaziergang fanden wir sogar ein kleines Seepferdchen im Sand, dass wir (hoffentlich) retteten indem wir es wieder ins Meer brachten. Von hier buchten wir für uns die Fähre auf die Baja California, die Halbinsel, die sich südlich von Kalifornien im äußersten Westen Mexikos erstreckt. Dort gibt es DEN Kitespot „La Ventana“ und wir beschlossen dort noch das Ende der Haupt-Wind-Saison mitzunehmen und früher als eigentlich geplant überzusetzen. Nach den schlechten Kite-Bedingungen in Kolumbien wollen wir uns endlich mal wieder so richtig verausgaben und verbessern, denn so viel Zeit werden wir nur selten wieder in das Hobby investieren können. Mit der Fähre soll es in einer 13-stündigen Fahrt über den Golf von Kalifornien zu unserer letzten Station in Lateinamerika gehen. Wir sind sehr gespannt auf die Halbinsel, von der uns so viele andere Reisende vorgeschwärmt haben.


Unterkünfte:

Ort: Morelia
Art: Parkplatz
Preis: 70 MXN
Annehmlichkeiten: saubere Toiletten
Sonstiges: ein sehr guter, zentraler Übernachtungsplatz, der Besitzer hat uns morgens sogar Sandwiches und Kaffee gebracht
Koordinaten: 19.69657, -101.19316

Ort: Guadalajara
Art: Hotel
Preis: 1.300 MXN für ein DZ
Annehmlichkeiten: (langsames) Wifi, Restaurant
Sonstiges: zentral gelegenes, sauberes Hotel, leider sehr viel lautes Partyvolk
Link: http://realmaestranzahotel.com

Ort: Tequila
Art: Hotel
Preis: 2.000 MXN
Annehmlichkeiten: Wifi, Restaurant, Pool, Spa
Sonstiges: wunderschönes Hotel mitten im Zentrum von Tequila
Link: http://www.solardelasanimas.com/hotel-tequila

Ort: An der Pazifikküste nahe Escuinapa
Art: Campingplatz
Preis: 250 MXN
Annehmlichkeiten: Strom, Toiletten, warme Dusche, Pool, Wifi
Sonstiges: schöner, einsamer Platz direkt am Strand
Koordinaten: 22.61243, -105.79139

Ein Gedanke zu “Mexiko – durch den Westen zurück an den Pazifik

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