Ganze sechs Grenzübertritte hat der Dulli inzwischen schon absolviert (Deutschland – Uruguay, Uruguay – Argentinien, Argentinien – Brasilien, Brasilien – Argentinien, Argentinien – Paraguay und Paraguay – Argentinien), wir kriegen langsam Routine. Normalerweise erfolgt zunächst die Ausreise für uns (Ausreisestempel in die Pässe), dann für den Dulli (temporäre Einfuhrerlaubnis beim Zoll abgeben), danach die Einreise für uns (Einreisestempel in die Pässe, hierbei genau aufpassen dass es auch wirklich Einreisestempel sind; über das auswärtige Amt und andere Blogs erfuhren wir zum Glück vorab, dass es in Paraguay gelegentlich zu Problemen mit falschen Stempeln und Strafen bei anschließenden Kontrollen kommt) und zum Schluss die Einreise des Dulli (beim Zoll eine neue temporäre Einfuhr beantragen und ggf. einige Fragen zum Inhalt des Fahrzeugs beantworten). Die Erfahrungen variierten an den bisherigen Grenzen zwischen „einfach durchfahren“ und einer Durchfahrt durch ein Röntgengerät des argentinischen Zolls sowie einer anschließenden Untersuchung des Unterbodens durch einen Zöllner.

Letzteres erlebten wir an der Grenze von Paraguay nach Argentinien, wahrscheinlich weil Paraguay groß in der Marihuana Produktion ist. Während des Scan-Vorgangs trieben uns nicht nur die 35 Grad Außentemperatur Schweißperlen auf die Stirn. Was hat man nicht schon alles von untergeschobenen Drogenpaketen gehört. Insbesondere da wir vor der Grenze über eine Stunde in einer langen Autoschlange auf der Grenzbrücke verbracht haben, auf der unzählige fliegende Händler um das Auto wuselten, wurden wir plötzlich nervös. Es ist alles gut ausgegangen und wiederum wollte der Zoll letztlich nicht mal unsere Lebensmittel inspizieren. Dazugelernt haben wir, dass wir vor der nächsten Zollkontrolle im Zweifel selber noch einen kurzen Blick unter das Auto werfen. Die nächsten Wochen bleiben wir aber nun erst mal in Argentinien, da bleiben nur noch die regelmäßigen Polizeikontrollen, die es zu absolvieren gilt.

Bisher verlaufen diese ebenfalls recht problemlos, es wurde nichts beanstandet, die Papiere waren vollständig und dank unserer plötzlich noch geringeren Spanischkenntnisse wurden wir bisher auch immer wieder fahren gelassen. Allerdings wurden wir auch schon von falschen Polizisten angehalten, die eine angebliche Touristensteuer erheben wollten. Zum Glück hatten wir hiervon bereits im Internet gelesen und waren darauf vorbereitet. Nach kurzer Diskussion sind wir einfach weitergefahren. Immerhin mit dem Effekt, dass wir bei erneutem Passieren der Stelle gar nicht mehr angehalten wurden. Das scheint ohnehin eine gute Strategie zu sein, denn auch die echten Polizeiposten kommunizieren miteinander und wer einmal schmiert, schmiert wohl auch die nächsten Posten. 

Die erste aktive Aufforderung zur Zahlung eines Bußgelds gab es in Paraguay. Wie erwartet sind die Polizisten hier noch einmal deutlich korrupter als in den anderen bisher bereisten Ländern und prompt wurden wir angehalten. Der Polizist bemängelte, dass Malte beim Fahren nur Flip Flops trug und klopfte anschließend rund um das Auto alles ab auf der Suche nach weiteren Mängeln. Er konnte nichts finden und so verlangte er immerhin für die inzwischen verschwundenen Flip Flops ein Bußgeld. „No comprendo!“ Nach einigen Minuten konnten wir auch hier weiterfahren ohne zu zahlen. Und keiner der folgenden zehn Posten hat uns mehr angehalten. Mal sehen, ob wir die Taktik immer durchhalten können. Ein weiterer guter Tipp ist eine Reise während der Mittagshitze. Zwischen 13 und 16 Uhr steht hier alles still, wir wurden sogar schon mal um Punkt 13 Uhr während des Einkaufs aus einem Supermarkt geworfen. Und auch die Polizisten tun sich zu dieser Zeit deutlich schwerer ihre schattigen Plätze zu verlassen.

paraguay

Aus der kurzen geplanten Durchfahrt durch Paraguay auf dem Rückweg von Iguazu, ist dann doch ein mehrtägiger, wunderschöner Aufenthalt geworden. Wir suchten lediglich nach einer Alternative zu der Route durch Misiones auf dem Hinweg und entschieden uns für einen Abstecher nach Paraguay. Jedes Land ist ja immer spannend. Viel haben wir nicht erwartet und so waren wir umso begeisterter, dass wir nicht nur einen wunderschönen Platz zum Übernachten gefunden haben, sondern gleich noch eine Menge über Paraguay, die südamerikanische Kultur und nicht zuletzt auch über unsere deutsche Geschichte erfahren haben. Wir haben auf einer Farm übernachtet, die von deutschstämmigen Paraguayern in fünfter Generation betrieben wird. Eine wunderschöne Anlage, so gepflegt wie noch keine der bisher besuchten, kristallklare Pools und sehr freundliche Besitzer, die uns abends mit dem Jeep die 220 ha Land gezeigt haben (für hiesige Verhältnisse übrigens eine eher kleine Farm, ab 1.000 ha wird es profitabel). Es wird sowohl Landwirtschaft mit Rindern, Hühnern, Fischteichen und einem kleinen Steinbruch betrieben, als auch ein kleiner Freizeitpark mit den Pools (die aus den eigenen Quellen gespeist werden) und einigen Tieren. Unter anderem zwei Tapire konnten wir streicheln. Nicht zuletzt eine tolle Oldtimer Sammlung hat uns ebenso begeistert wie den Besitzer Ruben der Dulli. Den Park hatten wir ganz für uns alleine, die Hauptsaison beginnt erst im Dezember. Es werden darüber hinaus einige Hütten und eine Veranstaltungshalle vermietet sowie Teile des Grundstücks sukzessive in Bauland umgewandelt und unter anderem an einige Reisende verkauft, denen es hier so gut gefallen hat, dass sie sich niedergelassen haben. So weit sind wir momentan noch nicht. 

Der größte Vorteil einer Langzeit-Reise ist wohl, dass man an jedem Ort so lange bleiben kann wie man möchte und Angebote wie die Tour über die Farm oder die Führung durch eine Mate-Fabrik im Ort einfach annehmen kann. Ruben kündigte uns in der Fabrik an und prompt erhielten wir eine Führung nur für uns, auf deutsch, kostenlos inkl. Tee Verkostung und Proben, die wir nun selber zubereiten können. Auch die Gründer der Mate-Fabrik stammen ursprünglich aus Pommern und produzieren inzwischen viele Tonnen des Nationalgetränks und exportieren in die ganze Welt. Wir konnten sowohl das rekonstruierte Wohnhaus der Familie besuchen, welches uns sehr an die Haushalte unserer Großeltern erinnert hat, als auch die Yerba Pflanzen und die Blätter im Verarbeitungsprozess bis zur Verpackung durch Maschinen und Fließbandarbeiter besichtigen. Erstmals schmeckte uns der Mate auch richtig gut und wir werden uns zeitnah eine Kalebasse und Bombilla zulegen und anfangen, gelegentlich einen Mate zu trinken. 

Unser Fazit zu dem kleinen gesehenen Teil von Paraguay lautet jedenfalls, dass es einen Besuch absolut lohnt. Denn obwohl sich Misiones direkt auf der anderen Seite des Grenzflusses Rio Parana befindet, ist die Landschaft hier völlig anders, kein Dschungel sondern fast nur Landwirtschaft, sehr gastfreundliche Menschen, wie so oft wenn Regionen touristisch weniger erschlossen sind und ein Stück deutsche Geschichte lassen sich hier erfahren. In den von Deutschen gegründeten Orten Hohenau, Bella Vista und Obligado sprechen noch 60 % der Bevölkerung Deutsch. Alles erinnert ein wenig an deutsche Kleinstädte, das Oktoberfest haben wir knapp verpasst, es gibt gepflegte Vorgärten und deutsche Produkte in den Supermärkten. 

Auf der Weiterfahrt nach Argentinien, hatten wir eigentlich einen Abstecher auf eine viel beworbene Estancia geplant, um endlich das traditionelle, argentinische Estancia Leben kennenzulernen. Durch die langwierige Grenzprozedur kamen wir bereits in der Dämmerung an und mussten zunächst warten bis der „Padron“ von der Safari mit anderen Touristen zurückkehrt. Als wir ihn dann schließlich antrafen, referierte er einige Minuten über das Land, unsere Route und seine Estancia, um uns dann mitzuteilen, dass er leider keinen Platz für uns hätte, dass wir am nächsten Tag wieder kommen und ein Zimmer für 200 USD mieten könnten. Letztlich empfahl er uns noch ein Hostel im nächsten Dorf für diese Nacht. Damit hätten wir nicht gerechnet, zumal es inzwischen dämmerte und zwei weitere Personen beim Abendessen und unser Auto auf dem riesigen Anwesen wohl nicht gestört hätten. Ein gutes Beispiel dafür, wie die Gastfreundschaft sich verändert wenn der richtige Tourismus Einzug hält.

Wir sind dann bei hereinbrechender Dunkelheit in den Ort aufgebrochen und haben ein kleines, einfaches Restaurant gefunden, neben dem ein Hinterhof zu erkennen war. „Halt! Lass es uns hier versuchen.“ Man wird ja mit der Zeit flexibler und die Scheu nach einem Übernachtungsplatz zu fragen nimmt ab. Der Besitzer „Tio Julio“ begrüßte uns herzlich, fragte uns was wir essen (alles in extrem schnellem Spanisch) und irgendwie schafften wir es auch ihn nach der Übernachtung zu fragen. Sofort zeigte er uns seinen Hof, es gab sogar eine saubere Toilette. Perfekt, besser konnte es wohl nicht laufen. Ein hervorragendes Schnitzel und einige Empanadas sowie ein Bier später, lagen wir auch schon erschöpft von dem Reisetag in Tio Julios Hinterhof im Dulli, umgeben von riesigen Bambussen und lauschten den letzten Geräuschen aus der Küche. Sogar ein kleines Frühstück bekamen wir am nächsten Morgen und sind dann aufgebrochen nach Corrientes Capital, um mal wieder einige Besorgungen zu machen. Die Estancia besuchten wir natürlich nicht mehr.


Unterkünfte

Ort: Hohenau, Paraguay
Art: Country Club mit Camping
Preis: 100.000 Guaraní pro Nacht
Annehmlichkeiten: Pool, Restaurant, warme Duschen, sehr saubere Waschhäuser, schnelles Wifi
Sonstiges: der sauberste und gepflegteste Platz bisher, die Besitzer sprechen gutes Deutsch
Koordinaten: S 27.08552, W 55.66387

Ort: Loreto
Art: Restaurant
Preis: Kosten für ein preiswertes Abendessen
Annehmlichkeiten: saubere Toilette
Sonstiges: der Besitzer des Restaurants „Tio Julio“ ließ uns in seinem Hinterhof übernachten und machte uns sogar noch Frühstück am nächsten Tag, die Übernachtung ist natürlich eine individuelle Absprache
Koordinaten: S 27.76948, W 57.275

7 Gedanken zu “Von Grenzen und Gastfreundschaft sowie Grenzen der Gastfreundschaft in Paraguay und Argentinien

  1. Vielen dank für eure Beiträge sie sind sehr lehrreich (Grenzübergänge,Polizei, siesta, Gastfreundschaft……..) und informativ. Wie ist das mit dem wildcampen, wie wird am häufigsten bezahlt cash oder Karte, warte schon auf den nächsten Beitrag. LG. Heinz

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  2. Immer wieder schön über eure Erlebnisse auf „unserer Mitreise“ zu lesen. Wir fiebern euren Berichten schon immer entgegen und sind jedes mal total begeistert und berührt. Weiter so und liebste Grüße aus der Heimat. Wir lieben euch!!!!!!!

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  3. Lieber Heinz,
    Danke für Dein immer positives Feedback!! Mit dem richtigen wild campen tun wir uns in dicht besiedelten und zudem Grenzgebieten wie hier im Norden etwas schwer. Das wird in Patagonien sicher anders und ist wohl auch kein Problem. Man kann aber immer kostenlos oder sehr günstig auf staatlichen Picknick- bzw. Campingplätzen stehen, die sind dann mit etwas Infrastruktur ausgestattet, sind aber nicht mit europäischen Campingplätzen vergleichbar.
    Tankstellen, große Supermärkte und Restaurants in Städten nehmen Karten, ansonsten wird alles bar bezahlt.
    Viele Grüße aus Rosario

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  4. Okay langsam aber sicher wird die Liste an Mitbringseln echt lang: Affe, Schildkröte, Bulli, … 😀
    Genießt weiterhin die Zeit und vielen Dank fürs Teilhabenlassen.

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