Nun sind wir also auf dem Weg in Richtung Süden, ganz grob immer Richtung Ushuaia, dem sogenannten Ende der Welt. So richtig eilig haben wir es nicht, denn dort unten an der Südspitze Südamerikas herrschten vor Kurzem noch Temperaturen um den Gefrierpunkt und teilweise schneite es sogar. Wir hoffen, dass es bis zu unserer Ankunft etwas wärmer wird, aber da Argentinien sehr sehr groß ist (Nord-Süd Ausdehnung sind rund 3.700 km) brauchen wir ohnehin eine ganze Weile dorthin. Zumal wir bisher sehr langsam unterwegs sind. Zum Teil wegen schlechter Straßen, langwieriger Grenz- oder Polizei-Kontrollen, weil uns Orte einfach gut gefallen haben oder wir auch einfach etwas Zeit brauchten, um die vielen Eindrücke zu verarbeiten. Unser Reisetempo haben wir vorher definitiv überschätzt. Aber das Beste ist ja, dass wir uns diese Zeit einfach nehmen können und so wird „muy tranquilo“ immer mehr zu unserem Motto. 

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Die Provinzen Corrientes, Entre Rios und Santa Fe im Norden verwöhnten uns noch mit Temperaturen von über 30 Grad, warmen aber nicht zu warmen Nächten und schönen Stellplätzen meistens an einem der Flüsse gelegen. Sonntags werden diese oft staatlichen Camping- und Picknick-Plätze immer von unzähligen Familien besucht, die picknicken, Fußball spielen, Grillen, Baden, Angeln oder einfach im Schatten der Bäume dösen. Wenn wir mit dem Dulli ankommen, ist die Begeisterung meistens groß. Über die hochgestreckten Daumen hinaus, die wir auch auf der Straße häufig gezeigt bekommen, kommen die Leute zum Teil zu uns, fragen wo wir herkommen und bitten um eine Besichtigung des Autos. Sobald einer den Anfang gemacht hat, fällt auch bei den anderen die Hemmschwelle und ehe wir uns versehen, stehen ganze Gruppen von Argentiniern um uns herum, versuchen einen Blick in den Innenraum zu erhaschen, fragen nach Fotos von dem Auto oder Selfies mit uns. Etwas beschämt stehen wir dann da und beantworten natürlich so gut es geht alle Fragen und gewähren gerne Einblicke in unser Zuhause. Nur für die Frage nach den Kosten für so ein Auto reichen unsere Spanischkenntnisse grundsätzlich nicht.

Unser nächstes größeres Ziel auf dem Weg nach Süden war Rosario, die drittgrößte Stadt des Landes, die zum wiederholten Mal zur lebenswertesten Stadt Argentiniens gekürt wurde. Diesem Ruf ist sie in unseren Augen absolut gerecht geworden. Im Gegensatz zu Buenos Aires gibt es eine kilometerlange Promenade am Fluss, auf der unzählige Jogger, Skater und Spaziergänger unterwegs sind und sich schöne Restaurants und Bars aneinander reihen. Darüber hinaus hat die Stadt auf den ehemaligen Hafenflächen mal keine schicken Appartmenthäuser und Büros geschaffen, sondern Kreativwerkstätten und Sportflächen für junge Leute. Sehr erfrischend! Die Innenstadt ist aufgeräumt, es gibt schöne Geschäfte und tolle Cafés. Genau das richtige für uns, die wir einige Sachen auf der to do Liste hatten. Neue Sneaker und T-Shirts mussten ebenso beschafft werden wie ein Campingtisch. Zum ersten Mal im Leben tragen wir Sachen wirklich auf und ersetzen diese im Anschluss. Wenn es keinen Platz für Überflüssiges gibt, häuft man endlich mal nicht mehr so viel davon an. Ebenfalls sehr erfrischend! Wir sind bei allem schnell fündig geworden, da blieb für Malte sogar noch Zeit für einen Besuch beim Barbier. Welcher Luxus!

Leider sind Städte für den Dulli nicht die optimale Umgebung, Camping ist innerstädtisch ausgeschlossen und bei jeder anderen Unterkunft stellt sich immer zunächst die Frage, wo wir das Auto sicher parken können. Die meisten Garagen sind nicht hoch genug und so suchten wir uns schließlich ein Hotel vor dem Dulli stehen konnte und der Concierge ihn 24 h im Blick hatte. So konnten wir entspannt mal wieder die Grossstadt genießen und auch mal wieder ein eigenes Badezimmer. Nach vier Wochen Camping wirklich nett. Wenn das Ganze nicht so ein teures Unterfangen gewesen wären, hätten wir sicher auch noch ein paar mehr Tage in Rosario verbracht. 

Auf dem Weg in Richtung Atlantikküste haben wir einen letzten Stop im Inland, in San Antonio de Areco eingelegt. Ein extrem hübscher, entspannter Ort mit kolonialer Architektur, klassischem Gaucho Charme und vielen Pulperias, den typischen Gaucho Kneipen. Leider liegt er nur 100 km vor Buenos Aires und die Porteños bevölkern diesen an den Wochenenden, so dass alles eine Ecke teurer ist und die Leute eine Ecke unfreundlicher. Aber nun ja, für uns gab es abends noch ein hervorragendes selbst gegrilltes Steak bei 30 Grad, da wollen wir uns nicht beschweren. 

Nach einer für hiesige Verhältnisse ausgesprochen langen Fahrt von über 500 km sind wir dann endlich wieder am Atlantik angekommen. Die kleinen Küstenorte Mar de las Pampas und Mar Azul sind ausgesprochen hübsch. Die Häuser wurden direkt in die Dünen bzw. in die im Sand angelegten Pinienwälder gebaut, es gibt ausschließlich Sandstrassen, endlose, breite Strände und etwas Infrastruktur. Genau das Richtige, um die Akkus noch einmal aufzuladen bevor es nach Patagonien geht. So verlängern wir unseren Aufenthalt immer weiter von Tag zu Tag, baden bzw. kämpfen gegen die gewaltige Brandung, sonnen uns, lesen, fahren mit dem Quad oder laufen am Strand entlang, beobachten amüsiert wie sich die Autos festfahren, die hier an Teilen des Strands fahren dürfen und helfen zu schieben, bestaunen den Fang der vielen Angler, bewundern Abendhimmel in den schönsten Schattierungen und genießen einfach nur das Campingleben bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen um die 25 Grad. Schönstes Sylter Sommerwetter bei dem wir den November entspannt haben ausklingen lassen.


Unterkünfte 

Ort: südlich von Corrientes Capital
Art: Campingplatz
Preis: 60 ARS
Annehmlichkeiten: Toiletten, kalte Duschen, kleiner Shop / Bar
Sonstiges: schöner Platz am Fluss, unter der Woche leer
Koordinaten: S 27.55972, W 58.72435

Ort: Santa Elena
Art: Campingplatz
Preis: kostenlos
Annehmlichkeiten: Toiletten, lauwarme Duschen
Sonstiges: Waschhäuser eher ungepflegt
Koordinaten: S 30.9542, W 59.80259

Ort: Rosario
Art: Hotel
Preis: ab 100 USD
Annehmlichkeiten: Pool auf dem Dach, Gym
Sonstiges: das Hotel hat seine besten Jahre hinter sich, der Service passt aber und es ist alles sehr ordentlich
Link: http://rostower.com.ar

Ort: San Antonio de Areco
Art: Campingplatz
Preis: 450 ARS
Annehmlichkeiten: saubere Waschhäuser, warme Dusche
Sonstiges: deutlich zu teuer aber leider in der Gegend alternativlos
Koordinaten: S 34.24062, W 59.48902

Ort: Mar Azul
Art: Campingplatz
Preis: 400 ARS
Annehmlichkeiten: warme Dusche, Wifi
Sonstiges: direkt am Strand, windgeschützt hinter Dünen gelegen
Koordinaten: S 37.211197, W 57.021169

7 Gedanken zu “Vamos a la playa – von den Sümpfen an den Strand

  1. Moin, Mvoin aus dem kalten Hamburg,
    Ich lese gerade Euren neuen Beitrag im Bett bei Kaffee und frischen Sonntagsbrötchen. Es ist erfrischend von Euren Eindrücke zu lesen und es fühlt sich so an, als wäre man bei Euch! Nach meinen Berechnungen habt Ihr knapp 100km/Tag zurückgelegt, dass heißt Ihr seid in 34 Tagen am Ende (der Welt) in Ushuaia 😉 Bitte fahrt vorsichtig und braucht etwas länger – damit wir den Winter mit Euren Fotos und Beiträgen aus warmen Gefilden hier überleben.
    Mit sonnigen Grüßen Joachim-Uwe

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  2. Oh man oh man. Bei den Bildern werde ich durchaus neidisch. Auch wenn keine weihnachtliche Stimmung aufkommen mag, wünsche ich einen frohen zweiten Advent 😉

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  3. Danke lieber Uwe!! So ein gemütlicher Adventssonntag ist natürlich auch etwas Feines, aber wir freuen uns sehr auf die weitere Tour zunächst entlang der Atlantikküste. Mal sehen, ob deine Berechnungen stimmen oder es irgendwann zu kalt zum längeren Verweilen wird. Ganz liebe Grüße nach Hamburg und einen frohen zweiten Advent, Ali & Malte

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  4. Dir auch lieber Stephan. Vielleicht kommt im Süden ja etwas mehr Weihnachtsstimmung auf, aber bisher vermissen wir den nasskalten Weihnachtstrubel nicht wirklich. Ganz liebe Grüße in die Heimat, esst einen Dominostein für uns mit 🙂

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  5. Ich lese gerne von Eurem Abenteuer, das lindert mein Fernweh ein wenig! Malte, auf deinen Bildern kann man das Salz und den Sand förmlich riechen; du hast ein wirklich gutes Auge für’s Motiv. Und Ihr seht unheimlich entspannt aus! Lasst es euch gut gehen.
    Liebe Grüße aus der kalten Heimat – ich trinke heute Abend einen Glühwein auf Euch!

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  6. Hallo ihr beide und Prost. Freut mich dass es euch gut geht und genießt den arg. Sommer. Wir haben traumhaftes Wetter zum Schifahren. Viel Sonne aber bitter kalt, lch lebe im schönen Pinzgau in Saalfelden. Frage seid ihr noch im Kostenplan Budget. Liebe Grüße Heinz

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  7. Hallo Heinz,
    Vielen Dank für deine Grüße. Wir haben wirklich Wetterglück. Selbst Patagonien zeigt sich gerade von der besten Seite:
    Zur Kostenfrage:
    Nein, da sind wir weit von weg leider. Wir waren recht überrascht von den sehr hohen Diesel- und vor allem Lebensmittelpreisen. Das ist deutlich teurer als Deutschland, selbst wenn man an der Straße kauft ist es noch teuer.
    Patagonien ist jetzt etwas günstiger, aber Uruguay und Argentinien sind allgemein teuer.
    Dafür werden wir in anderen Ländern sicher sparen können, zB Bolivien. Im Mittel wird es hinkommen, mal sehen.
    Wir leben allerdings auch sehr gut.

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