Nach 10 Tagen ließen wir Santiago hinter uns und freuten uns auf wieder mehr Ruhe, Natur und weniger Hektik und waren voller Vorfreude auf unsere erste Andenüberquerung. Auch wenn die richtig spektakulären und hohen Pässe erst weiter im Norden auf uns warten, war der Paso Los Libertadores mit einer Höhe von 3.200 m wunderschön und machte richtig Spaß. Wenn man Santiago in Richtung Norden verlässt, wird die Landschaft sofort wüstenartig und karg und schnell erheben sich die ersten hohen Berge der Anden im Osten. Auf Serpentinen schlängelten wir uns der Grenze zwischen Chile und Argentinien entgegen, die entlang der Wasserscheide auf dem Kamm der Anden verläuft. Die uns umgebenden Berge faszinierten uns mit immer neuen Farben, vor allem rot aber auch beige, gelb, grün, grau und braun, immer neuen Formationen und Canyons. Schließlich durchquerten wir den Grenztunnel und bevor wir auf der argentinischen Seite die zum Glück unkomplizierten Grenzformalitäten erledigen konnten, bot sich uns ein Blick auf den Aconcagua. Mit 6.962 m ist er nicht nur der höchste Berg Südamerikas, sondern auch der höchste Berg außerhalb des Himalaya und als einer der berühmten „Seven Summits“ ein Bergsteigertraum. Langsam fuhren wir anschließend wieder hinab in sauerstoffreichere Gefilde und erreichten schließlich Mendoza.

Karte

Die Weinhauptstadt Argentiniens begrüßte uns völlig untypisch mit strömendem Regen. Wir quartierten uns für einige Tage auf einem Campingplatz etwas außerhalb des Zentrums ein und erkundeten die Stadt und die Umgebung. Mendoza zeigte sich uns als lebenswerte Stadt mit unzähligen Strassencafés, Restaurants und Bodegas und somit viel von dem was wir in Santiago nur schwerlich und an wenigen Orten entdeckt haben. Das eigentlich interessante an Mendoza ist aber natürlich die Umgebung mit den vielen Weingütern und Olivenplantagen. In Maipú, einem benachbarten Ort, erkundeten wir einige Güter mit dem Fahrrad. Wenn man von dem desolaten Zustand der Drahtesel und den vielen LKWs, die einen nur um Haaresbreite nicht überfahren absieht, eine nette Angelegenheit. Die zum Teil sehr guten Tropfen machten die Fahrt allerdings wieder wett. Wir waren uns trotzdem einig, dass die Gegend nicht mit den von uns heißgeliebten südafrikanischen Weingütern rund um Stellenbosch mithalten kann.

Dann fuhren wir jedoch in das Uco Tal und mussten diesen Eindruck teilweise revidieren. Wunderschöne Alleen schlängeln sich durch die Weinfelder den Anden entgegen und die modernen, noblen Weingüter suchen hier ihresgleichen. Auf einem dieser Güter gönnten wir uns einen herausragenden Lunch und erlebten völlig vergessene Geschmacksexplosionen nebst einem fantastischen Malbec.

Über einen kleinen Pass schlängelten wir uns anschließend durch das Tal weiter in Richtung Norden auf dem Weg in den recht unbekannten und abgelegenen Nationalpark El Leoncito. Der Weg dorthin begeisterte uns bereits mit karger Mondlandschaft am Fuße der zum Teil schneebedeckten Berge. An der Einfahrt in den Nationalpark passierten wir einen ausgetrockneten See, den wir sofort als Fotolocation okkupierten. Als uns der Parkranger später über den Park und die möglichen Aktivitäten in Form von Wanderungen und Besichtigung der beiden Sternwarten berichtete, uns über Verhaltensregeln im Falle der Begegnung mit einem Puma aufklärte sowie darüber, dass der Park und der Campingplatz mit warmen Duschen und Wifi völlig kostenlos sind, war klar: wir bleiben! Wir verbrachten ein paar tolle, ruhige Tage bei bestem Wetter und mit Ausblicken auf die Anden am Tage und den Sternenhimmel bei Nacht sowie zwischendrin unglaubliche Sonnenuntergänge.

Auf dem Campingplatz standen wir gemeinsam mit Griechen, Australiern, Tschechen und Deutsch-Venezuelanern, die inzwischen aufgrund der haarsträubenden Sicherheitslage in Venezuela in Kolumbien leben. Die anderen Paare waren ebenfalls in Geländewagen (Toyotas :-)) unterwegs und so drehten sich die Gespräche unter anderem darum was die Autos so können und was Südamerika in der Hinsicht noch zu bieten hat. Mit zwei der anderen Paare haben wir uns am Ende locker für einige Offroad-Strecken in Bolivien verabredet (wäre ja nicht schlecht ein paar erfahrene Offroader dabei zu haben), bevor es für uns wieder nach Chile zurückging.

Wieder über den Pass und dieses Mal an die wie immer deutlich strengere chilenische Grenze. Zum ersten Mal wurde der Dulli von einem Früchtehund inspiziert (neben Drogenhunden kommen beim chilenischen Zoll auch Früchtehunde zum Einsatz) und bereits nach kurzer Zeit wurden unsere Trockenfrüchte und unser Honig hinter verschlossenen Schranktüren per Pfotenklopfen angezeigt. Wir waren einerseits begeistert von dem Talent des Hundes, andererseits traurig unsere leckeren Sachen abgeben zu müssen. Bisher sind wir immer mit unserer „Opferzwiebel“ davon gekommen. Der Zöllner war aber so nett, dass er uns unseren (chilenischen) Honig wieder heimlich zurückgegeben hat. Wirklich super! Auf der Passstraße halfen wir bzw. Malte dann noch einem schon leicht verzweifelten Herren beim Wechseln seines platten Reifens, was ihn so gefreut hat, dass er uns seine Kontaktdaten für etwaige Fragen oder Probleme auf unserer Reise gab und an der nächsten Mautstation für uns bezahlte. Da staunten wir nicht schlecht als wir einfach durchfahren durften.

Die letzten Tage bevor unsere gemeinsame Reise mit unseren Freunden Dalia und David aus Hamburg in Valparaiso startet, verbrachten wir im Nationalpark La Campana bzw. auf einem traumhaft schönen Campingplatz in der Nähe. Inmitten von Zitronenbäumen, Palmen und an einem plätschernden Bach konnten wir nach einer Wanderung in heißer, staubiger Umgebung in Hängematten abhängen und fühlten uns wie in einer Oase.


Unterkünfte

Ort: Mendoza
Art: Campingplatz
Preis: 300 ARS
Annehmlichkeiten: überdachte Tische und Bänke an jedem Platz, Strom, warme Duschen, Bus in die Stadt fährt vor der Tür
Sonstiges: einfacher aber gut gelegener Platz zur Erkundung der Stadt
Koordinaten: S 32.85500, W 68.89667

Ort: Tunuyán
Art: Campingplatz
Preis: 180 ARS
Annehmlichkeiten: einfache Waschhäuser, überdachte Tische und Bänke an jedem Platz
Sonstiges: wir waren die einzigen Gäste, somit war es ruhig und das Preis-Leistungsverhältnis stimmte
Koordinaten: S 33.335233, W 69.011929

Ort: Nationalpark El Leoncito
Art: Campingplatz
Preis: kostenlos
Annehmlichkeiten: sehr saubere Waschräume, warme Duschen, Wifi an der Ranger Station
Sonstiges: unglaublich was man hier für 0 Pesos geboten bekommt, der Park ist toll, man kann wandern und die Sternwarten besuchen
Koordinaten: S 31.79491, W 69.33216

Ort: Am Rio Aconcagua
Art: Campingplatz
Preis: 10.000 CLP
Annehmlichkeiten: überdachte Tische und Bänke an jedem Platz, Strom, saubere Waschhäuser, kalte Duschen
Sonstiges: wir waren völlig alleine, daher ein guter Stop für eine Nacht
Koordinaten: S 32.784375, W 70.861458

Ort: Nahe Nationalpark La Campana
Art: Campingplatz
Preis: 7.000 CLP
Annehmlichkeiten: sehr saubere Waschhäuser, kalte Duschen, Tische und Bänke, Hängematten
Sonstiges: extrem gepflegter, wunderschöner Platz inmitten einer Zitronenplantage
Koordinaten: S 32.89054, W 71.11197

Ort: Valparaiso
Art: Hostel
Preis: 40 USD für ein DZ mit Frühstück
Annehmlichkeiten: sicheres Parken hinter einem Tor für 3.000 CLP
Sonstiges: toller Blick über die Stadt, extrem nette Besitzer
Link: http://www.costaazulvalparaiso.com

6 Gedanken zu “Über Berge, Wein und Mondlandschaften

  1. Mal wieder 1 mit * 🙂
    Sehr sehr schöne Aufnahmen! Insbesondere der rote Himmel. Einfach wahnsinn was die Natur zu bieten hat.
    Ps: Sehr coole Flasche 😉

    Gefällt 1 Person

  2. Wunderschöner Artikel und Fotos! Ich war noch nie in Südamerika, habe aber schon tolle Urlaube in der Schweiz verbracht, teilweise auch mit Zelt und Trampen, teilweise klassisch im Wellnesshotel. Nun steht eine etwas grössere Reise an und diese Seite hat mir den nötigen Anstoss gegeben 🙂

    Gefällt 1 Person

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