Der erste Eindruck von Valparaiso war nicht besonders positiv. Viele schmuddelige Ecken, eine wuselige, schmutzige Innenstadt, viele Bettler und unzählige Straßenhunde. Glücklicherweise fanden wir nach der Erledigung einiger Punkte von unserer To-Do-Liste für die Großstadt dann doch noch den hübschen und berühmten Teil der Stadt, der weiter oben am Hügel liegt. Mit einem der alten Fahrstühle fuhren wir hinauf in den von Kreativen und Künstlern geprägten und von unzähligen Gassen und Treppen durchzogenen Stadtkern. Die Orientierung ist aufgrund der vielen Hügel schwierig, aber so kann man sich einfach treiben lassen und hinter jeder Ecke neue Terrassen, bemalte Hauswände, Ausblicke auf die Bucht und den Hafen, Designershops und Cafés entdecken. Mit Dalia und David verbrachten wir so auch den ersten gemeinsamen Tag und feierten bei einigen Gläsern chilenischem Wein unser Wiedersehen und den Beginn unserer gemeinsamen Reise.

Karte

Eine kurze Autofahrt von Valparaiso entfernt finden sich erneut einige Weingüter im Valle de Casablanca. In den Casas del Bosque verbrachten wir einen fantastischen Tag bei traumhaftem Wetter, probierten uns durch die hervorragende Weinauswahl und genossen ein Mittagessen im Freien. Wir freuten uns, dass Chile sich mit Wetter und Wein von seiner besten Seite zeigte und wir den beiden unsere Begeisterung für das Land so schon gleich zu Anfang näher bringen konnten.

Gemeinsam ließen wir die dichtbesiedelten Gebiete in Zentral-Chile schließlich hinter uns und fuhren zunächst an der Küste entlang in Richtung Norden. Tongoy verwöhnte uns mit Sonne, strandtauglichen Temperaturen, einem Stellplatz direkt auf dem Strand und fangfrischen Jakobsmuscheln auf dem Grill. Nachdem wir unseren Abend gemütlich am Lagerfeuer beendet hatten und uns gerade im Dulli bettfertig machten, schaukelte und schwankte das Auto plötzlich. Kurze Stille – dann prüften wir beide ob einer von uns vielleicht einen überraschenden Abendtanz aufführte und das Auto so aus dem Gleichgewicht brachte. Als das ausgeschlossen war, war klar: soeben haben wir unser erstes, kleines Erdbeben erlebt. Ein wirklich komisches Gefühl, in diesem Fall aber schnell wieder vorbei und nach anschließender Internetrecherche konnte bei der vorliegenden Stärke von 5,4 auf der Richterskala und dem Epizentrum im Landesinneren ein folgender Tsunami ausgeschlossen werden. Ist ja nicht ganz irrelevant wenn man direkt auf dem Strand steht… 🙂

Weiter ging es in das Valle de Elqui auf dem Weg zu einem unserer Highlights: dem Paso de Agua Negra (4.765 m). Das Tal selber ist berühmt für die Pisco Produktion sowie spirituelle und mystische Aktivitäten aller Art, war für uns aber vor allem ein sonniger, entspannter Zwischenstopp.

Auf dem langen Weg über den Pass begeisterten uns dann erneut insbesondere die Farben des Gesteins. Wie auch schon auf dem Weg nach Mendoza leuchteten die Berge vor allem in allen erdenklichen Rottönen, aber es gab auch geradezu bunte Berge. Blaue Gebirgsbäche, grüne Lagunen und zackige Schneefelder rundeten das ganze Farbspektrum ab und waren wirklich spektakulär. Die Höhe machte uns und Dulli etwas zu schaffen. Uns wurde bei jedem Aussteigen etwas schwindelig (das kann aber auch an den teilweise schwindelerregenden Abgründen neben der Straße gelegen haben…) und Dulli warf noch mehr schwarze Wolken aus dem Auspuff als sonst. Mensch und Maschine haben den schnellen Aufstieg in so luftige Höhen aber insgesamt gut gemeistert.

Auf der anderen Seite der Anden verließ uns dann leider unser Wetterglück und wir mussten uns in den Bergen zum Teil durch dichten Nebel kämpfen. Sobald der Nebel sich lichtete boten sich uns allerdings immer wieder sensationelle Panoramen über weite Ebenen, steile Canyons und über Lagunen und Flüsse. Leider konnte die geplante Tour durch den Nationalpark Ischigualasto wegen der schlechten Sicht nicht stattfinden und wir fuhren stattdessen ein paar Kilometer in Richtung Norden, immer in Richtung Paso de San Francisco. Dieser sollte uns wieder zurück nach Chile führen. Auf dem Weg besuchten wir die Termas de Fiambala und verbrachten schließlich doch noch einen perfekten, sonnigen Campingtag an den Becken und auf den umliegenden Bergen und genossen die Aussicht. Abends beglückte uns dann noch ein kleiner Andenfuchs mit seiner Anwesenheit und wir alle waren völlig begeistert.

Dann wendete sich unser Glück jedoch erneut und von der örtlichen Gendarmerie erfuhren wir, dass der Paso de San Francisco inzwischen geschlossen wurde. Das schlechte Wetter der letzten Tage hatte einigen Schnee in der Höhe gebracht und es war ungewiss wann der Pass wieder öffnen kann. So wurden völlig überstürzt alle Pläne geändert. Dalia und David mussten mit ihrem Mietwagen bereits am nächsten Tag wieder in Chile sein und so entschieden die beiden sich für die sicherste Variante, den Pass zwischen Mendoza und Santiago, den Malte und ich vor rund zwei Wochen genommen hatten. Dieser wird für den LKW-Verkehr regelmäßig geräumt und liegt auch deutlich niedriger, bedeutete für die beiden allerdings eine hohe Kilometeranzahl bis zur Grenze. So trennten sich unsere Wege schneller als gedacht, dafür aber ohne zu großen Abschiedsschmerz, da wir alle viel zu sehr in Eile und mit den Planänderungen beschäftigt waren. Malte und ich entschieden ebenfalls nicht auf die eventuelle Wiedereröffnung des Passes zu warten, obwohl er landschaftlich einer der reizvollsten überhaupt sein soll, und stattdessen auf der argentinischen Seite weiter nach Norden zu reisen.

Wir verbrachten zwei Tage in einer charmanten und sehr familiär geführten, kleinen Hosteria mit eigenem Wein- und Olivenanbau, nur für uns frisch zubereitetem Essen und ganz viel Ruhe (bis auf ein weiteres kleines Erdbeben – so langsam bekommen wir Routine) bevor wir zu der bisher abenteuerlichsten Tour unserer Reise aufbrachen. Wir beschlossen, einen Abstecher zur Laguna Blanca zu machen, die als UNESCO Weltnaturerbe einen Besuch lohnen sollte. Knappe drei Stunden fuhren wir abseits der Hauptstraßen, um die Lagune zu erreichen und waren schon auf der Strecke ganz aus dem Häuschen ob der traumhaften Landschaft, die uns umgab. Die Lagune selber war dann voller Flamingos und von Vicuñaherden umgeben und wir klappten mitten in dieser einsamen Landschaft auf 3.200 m unser Dach auf und kochten unser Abendessen. Diese Stille… fast unheimlich. Zu späterer Stunde sahen wir dann dank des Neumonds einen Sternenhimmel, den wir so in unserem ganzen Leben noch nicht gesehen haben. Gänsehaut pur! Trotz der Höhe und vor allem der eisigen Kälte in der Nacht schliefen wir erstaunlich gut.

So studierten wir am nächsten Tag noch einmal die Karten und fanden eine Route durch die Anden in Richtung Salta. In einem kleinen Bergdorf füllten wir unsere Dieselkanister aus dem Fass auf (eine Tankstelle gab es hier nicht), kauften noch einige Liter Trinkwasser und los ging das Abenteuer fernab der Zivilisation. Etwas komisch ist das Gefühl schon in so großer Höhe, ohne einer Menschenseele zu begegnen und bei tagsüber Hitze bis zu 30 Grad und nachts Temperaturen knapp oberhalb des Gefrierpunkts. Die Steinformationen, Vulkane, Dünen, Salzseen und Lagunen, die uns auf der Fahrt teilweise gleichzeitig umgaben waren aber einfach fantastisch und entschädigten uns sehr für den verpassten Paso de San Francisco.

Den letzten Abschnitt auf dem Weg nach Salta legten wir „in einem Rutsch“ zurück, da wir den gesamten Tag auf einer Höhe zwischen 3.800 und 4.500 m ü.N.N. fuhren und wir uns eine Nacht in dieser Höhe und bei den entsprechenden nächtlichen Temperaturen ersparen wollten (die Bäche am Wegesrand waren mittags noch gefroren). Es wurde ein langer Fahrtag, der uns aber abermals mit spektakulären Landschaften sowie unzähligen Vicuñas, Alpakas und Eseln am Wegesrand entschädigte. Als dann allerdings die Strecke über einen der vielen Salzseen führte, wurde uns dann doch etwas anders. Was das Salz alles mit Dulli anrichten kann… Nun ja, eine gründliche Wäsche wird hoffentlich das Gröbste richten und dann hoffen wir mal, dass er in den nächsten Monaten nicht unter uns wegrostet und uns weiterhin so ein zuverlässiger Gefährte bleibt.

Die Fahrt fernab der Zivilisation in so einer Umgebung und so einer großen Höhe war jedenfalls der schönste und auch abenteuerlichste Abschnitt unserer Reise. Es war wieder mal großartig zu merken wie glücklich man sein kann, wenn eben nicht alles verfügbar ist und man sich mit dem begnügen muss was an Bord ist. Die Großstadt Salta hat uns nach den Tagen in der Einsamkeit jedenfalls kalt erwischt und wir wollen schnell wieder weiter. Allerdings müssen wir natürlich dringend einkaufen, tanken, Dulli waschen, Gas auffüllen und – äh – duschen… 🙂


Unterkünfte

Ort: Valparaiso
Art: Hostel
Preis: 40 USD für ein DZ mit hervorragendem Frühstück
Annehmlichkeiten: toller Ausblick über die Stadt
Sonstiges: sehr nette Besitzer, sprechen perfekt Englisch, Wäscheservice für 1.000 CLP pro kg, sicheres Parken für 3.000 CLP pro Tag
Link: http://www.costaazulvalparaiso.com

Ort: Tongoy
Art: Campingplatz
Preis: 9.000 CLP
Annehmlichkeiten: einfache Waschhäuser, warme Duschen, WLAN, Tische und Bänke Sonstiges: direkt am Strand auf dem Sand
Koordinaten: -30.26733, -71.49457

Ort: Vicuña
Art: Camping bei einem Hotel
Preis: 5.000 CLP
Annehmlichkeiten: warme Duschen, Strom, Wasser, WLAN, Pool, Restaurant
Sonstiges: Camping auf dem ummauerten und videoüberwachten Parkplatz des Hotels, etwas unruhig, dafür aber sehr preiswert und mit vielen Annehmlichkeiten
Koordinaten: -30.03222, -70.71333

Ort: Nahe Pisco Elqui
Art: Campingplatz
Preis: 10.000 CLP
Annehmlichkeiten: saubere Waschhäuser, kalte Duschen
Sonstiges: schön gelegen in einem Tal direkt am Fluss mit zwei Wasserfällen
Koordinaten: -30.11153, -70.47105

Ort: Rodeo
Art: Campingplatz
Preis: 200 ARS
Annehmlichkeiten: warme Duschen, saubere Waschhäuser
Sonstiges: Platz war eigentlich geschlossen, wir durften trotzdem übernachten
Koordinaten: -30.20374, -6911884

Ort: Villa Union
Art: Cabaña
Preis: 1.000 ARS für 4 Personen
Annehmlichkeiten: vollausgestattete Küche, Bad mit warmer Dusche
Sonstiges: saubere Cabaña, für eine Nacht in Ordnung
Koordinaten: -29.327425, -68.22728

Ort: Termas de Fiambala
Art: Campingplatz
Preis: 160 ARS
Annehmlichkeiten: Tische und Bänke, saubere Waschhäuser, kalte Duschen, lauwarme Becken direkt am Platz
Sonstiges: sehr schöner Platz unterhalb der eigentlichen Thermen, für 100 ARS pP können die Thermen mit diversen warmen Becken besucht werden
Koordinaten: -27.74287, -67.55185

Ort: Nahe Tinogasta
Art: Hosteria
Preis: 1.190 ARS für ein DZ mit eigenem Bad inkl. Frühstück
Annehmlichkeiten: Restaurant und Shop mit Lebensmitteln aus der eigenen Produktion
Sonstiges: wunderschöne, kleine Hosteria in einem 200 Jahr alten Gebäude, sehr herzliche Gastgeber, unsere Wäsche wurde sogar kostenlos gewaschen
Koordinaten: -28.12259, -67.501496

Ort: Laguna Blanca
Art: freies Camping an der Lagune
Preis: kostenlos
Annehmlichkeiten: keine
Sonstiges: auf 3.200 m, fantastische Umgebung, nachts sehr kalt
Koordinaten: -26.63250, -66.93553

Ort: Lagune unterhalb des Vulkans Antofagasta
Art: freies Camping an der Lagune
Preis: kostenlos
Annehmlichkeiten: keine
Sonstiges: auf 3.400 m, toller Blick auf zwei Vulkane und die Lagune, nachts sehr kalt
Koordinaten: -26.10522, -67.39149

6 Gedanken zu “Von Valparaiso (0 m ü.N.N.) über den Paso de Agua Negra (4.765 m ü.N.N.) nach Salta (1.187 m ü.N.N.)

  1. Es ist schon unglaublich was die Erde alles zu bieten hat. Die Bilder sind wieder einmal atemberaubend. Man kann durch die Bilder gut nachvollziehen wie ihr es empfinden müsst, dass alles in Wirklichkeit zu erleben. Wir wünschen Euch noch viele weitere Abenteuer, falls man das alles noch toppen kann. Grüße aus der Heimat.

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  2. Wenn man eure Berichte so liest und die tollen Fotos dazu sieht, kann man immer nur sagen, dass ihr alles richtig gemacht habt. Es ist immer wieder schön an eurer Reise aufgrund eures Blogs teilhaben zu können. Genießt weiterhin diese Zeit die ihr euch genommen hat, die Zeiten der Einsamkeit und die immer wieder faszinierende Natur. Ich wünsche euch eine weiterhin unfallfreie Reise und schöne Erlebnisse.
    Liebe Grüsse aus Hamburg
    Harald

    Gefällt 1 Person

  3. Es ist so toll Euren Blog zu lesen und die tollen Bilder anzusehen. Ich freu mich immer, dass es euch gut geht und ihr ohne größeren Pannen vorankommt. Lg. Heinz

    Gefällt 1 Person

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