Ein letztes Mal durchquerten wir La Paz mit seinen chaotischen Straßenverhältnissen. Die unzähligen Mini-Busse, die unvermittelt stoppen, die vielen Leute mit Handkarren und Marktständen mitten auf der Straße, die neuen Spuren die plötzlich eröffnet werden, das Hupen und die vielen Fahrer, die als Ankündigung für ein Abbiegemanöver lediglich den Arm aus dem Fenster halten anstatt zu blinken und dann nur Millimeter entfernt an einem vorbei rauschen, verlangten uns noch einmal alles ab. Fast drei Stunden steckten wir in dem Chaos fest und waren am Rande des Nervenzusammenbruchs als wir schließlich auf die Ausfallstraße zum Titicacasee gelangten. Die Fahrt zu unserem ersten Stopp auf der bolivianischen Seite des höchsten schiffbaren Sees der Welt, Copacabana, führte uns über eine gewagte Fähre, die vielmehr ein einfaches Holz-Floß war, welches von einem kleinen Außenbordmotor angetrieben wurde. Zum Glück war der See schön ruhig und der Dulli einigermaßen leicht, so dass wir ein gewisses Vertrauen in die Konstruktion entwickelten. Die Reisebusse und LKWs, die uns auf anderen Flößen entgegen geschaukelt kamen, wirkten da gefährdeter.

Karte

Copacabana ist ein lustiges kleines Örtchen, das vor allem wegen der berühmten Wallfahrtskirche besucht wird. Die „Virgen de Copacabana“ soll hier Wunder aller Art bewirken und so begegneten uns auch im ganzen Ort Stellen, an denen der Jungfrau allerlei Opfergaben erbracht werden. Das Seeufer mit seinem Trubel und den Gummi-Bananen, die hinter Booten hergezogen werden, könnten einen fast vergessen lassen, dass man sich auf über 3.800 m befindet, die Sonne zwar heiß ist, aber die Luft tagsüber nicht wärmer als 15 Grad wird und das Wasser wohl nur rund 10 Grad hat. Wir haben es nicht getestet, was neben den Temperaturen auch an der hohen Verschmutzung des Sees lag. Die Gegend rund um den See war wohl leider die vermüllteste, die wir in Bolivien aber auch im Rest von Südamerika bisher gesehen haben. Die Bolivianer freuen sich aber offensichtlich ungemein über diesen Meer-Ersatz (der See wird auch das Meer der Anden genannt) und entfalten hier etwas Strandleben. Putzig ist auch die bolivianische Marine, die hier mit großem Ernst Übungen durchführt.

Von Copacabana aus besuchten wir die Isla del Sol, eine wunderschöne kleine, autofreie Insel im Titicaca-See, die rein optisch auch irgendwo im Mittelmeer liegen könnte. Das Wasser sieht einladend aus, wenn nur die niedrigen Temperaturen nicht wären… Im Gegensatz zum Festland ist hier alles sehr gepflegt. Für die Inkas war die Insel eine Pilgerstätte und der Schöpfergott soll hier Sonne und Mond erschaffen haben. Für uns war es ein sehr gemütlicher Ausflug mit mediterranem Flair und einer Bootsfahrt über den See. Hierbei herrschten mal wieder typisch bolivianische Verhältnisse. Da es nicht genug Schwimmwesten an Bord gab wurden die Gäste, die keine mehr ergattern konnten, kurzerhand aufgefordert sich für die Minuten, in denen die Küstenwache passiert wurde, unten im Boot zu verstecken. Anschließend durften dann alle wieder draußen Platz nehmen.

Unser letzter Abend in Bolivien bevor es über die Grenze nach Peru ging, war noch einmal „speziell“ und ein würdiger Abschied für dieses vielfältige und spannende Land. Auf eine Empfehlung hin besuchten wir ein kleines Pasta-Restaurant. Das war einfach fantastisch und wir bestellten von der kleinen Karte und tranken erst mal mit der Besitzerin ein Glas Wein in der Küche. Schnell fanden wir dann auch Kontakt zur kreativen Szene am Nebentisch und philosophierten über Gott und die Welt, alles was unser Spanisch eben so hergab. Als uns unser neuer Freund André dann fragte, wie wir so zu Drogen stehen und ob wir Interesse an einer „Degustation“ hätten, lehnten wir gerne ab. Was ihn selber aber nicht abhielt, sich vor uns eine „Nase voll“ zu gönnen. Wenig später kam eine nette, alte Omi hinzu und setzte sich an den Tisch und erzählte von den Massagen und Heilpraktiken die sie anbietet. Plötzlich öffnete sie jedoch ihre Handtasche und förderte grössere Päckchen Kokain zu Tage und begann in aller Seelenruhe an die Kreativen zu verkaufen. Da staunten wir nicht schlecht, wer hier so Drogen dealt. Bei allem Entsetzen hatten wir einen äußerst lustigen und interessanten Abend, der uns eine der verrückteren Seiten Südamerikas nähergebracht hat.

Der Grenzübertritt nach Peru verlief dann recht problemlos. Einzig der peruanische Zöllner war etwas enttäuscht, dass wir ihm kein Schmiergeld zahlen wollten. Wir mussten eine neue Haftpflichtversicherung für das Auto abschließen und dies war erst im nächsten Dorf möglich. Gegen eine kleine „Gebühr“ hätte er uns wohl auch ohne Versicherung einreisen lassen. Malte setzte sich allerdings lieber in ein Motorradtaxi und fuhr zu der Versicherungsagentur, während ich den Dulli bewachte. So sind wir wieder einmal ohne Schmiergeld durchgekommen, wir hoffen ja, dass das auch in Zukunft so bleibt!

Von der peruanischen Seite des Titicaca-Sees machten wir uns auf direktem Wege auf nach Cuzco, denn dort warteten unsere holländischen Freunde, Herke und Marleen, auf uns. Zwei Monate waren vergangen seit wir uns in Sucre voneinander verabschiedet haben und wir freuten uns riesig auf das Wiedersehen und darauf zu hören, wie es den beiden ohne uns ergangen war. Wir hielten unterwegs an einigen Ruinen, hielten uns aber nicht unnötig lange auf, denn „alte Steine“ werden wir in Peru wohl noch so einige zu sehen bekommen. Cuzco entpuppte sich dann als wunderschöne, wenn auch sehr touristische Stadt. Aber ab und an ist ja etwas touristische Infrastruktur auch sehr angenehm. Und so genossen wir alle vier gemeinsam nette Cafés, Restaurants, aber auch Lagerfeuer auf dem Campingplatz. Wir verbrachten einige entspannte Tage bevor wir uns mal wieder um Dulli kümmern mussten, der schon wieder Probleme machte indem er undefinierbare Geräusche von sich gab. So langsam strapaziert er unsere Geduld etwas zu sehr, seit einigen Wochen sind wir ja quasi Stammgäste in jeder Werkstatt auf dem Weg. Auf der anderen Seite hat uns wieder einmal die immense Hilfsbereitschaft, vor allem über das Internet, wirklich überwältigt. Von vielen Landrover-Experten und -Fans auf der ganzen Welt bekamen wir Hilfestellung und Analysen. Die LKW-Werkstatt, die wir dann in Cuzco aufsuchten, fand den Fehler dank unserer konkreten Hinweise schnell. Die Kardanwelle hatte es auf den vielen Pisten und steilen Straßen dahin gerafft. Einerseits nichts wirklich dramatisches, andererseits ein Teil was wirklich schwer aufzutreiben ist. Nach vielem Hin und Her in den letzten Tagen, beschaffen wir das Teil nun über Landrover in Lima, die es eigens für uns aus Europa importieren. Wir hoffen sehr, dass wir das Teil bald in den Händen halten und der Dulli dann wieder fahrbereit ist. Die Wartezeit lässt sich in Cuzco und Umgebung zum Glück gut vertreiben. In den nächsten Tagen werden wir von der einstigen Hauptstadt des Inkareichs aus Machu Picchu und das heilige Tal erkunden. Wie es der Zufall will, haben Herke und Marleen ihren Pathfinder kürzlich so umgebaut, dass sie zwei Passagiere mitnehmen können. Die neuen Sitze werden wir nun gerne mal testen und uns zur Abwechslung mal chauffieren lassen!


Unterkünfte

Ort: Copacabana
Art: Hotel
Preis: 89 USD inkl. Frühstück
Annehmlichkeiten: Restaurant, sicheres Parken ohne Höhenbeschränkung, Seeblick Sonstiges: sehr schönes und gepflegtes Hotel
Koordinaten: -16.16797, -69.08952

Ort: Puno
Art: Camping vor einem Hostel
Preis: 37 Sol
Annehmlichkeiten: saubere Waschräume, warme Dusche, Wifi
Sonstiges: sehr netter Platz mit freundlichen Besitzern, wir waren die einzigen Gäste und haben erst mal eine leckere Suppe zum Mittag bekommen
Koordinaten: -15.87591, -69.92985

Ort: Sicuani
Art: Camping vor einem Hotel
Preis: 35 Sol
Annehmlichkeiten: saubere Waschräume, warme Dusche, Wifi, Aufenthaltsraum
Sonstiges: sehr freundliche Besitzer, die sehr fasziniert von Dulli waren und sich sehr über Overlander freuen
Koordinaten: -14.27237, -71.23380

Ort: Cuzco
Art: Campingplatz
Preis: 40 Sol
Annehmlichkeiten: saubere Waschräume, warme Dusche, Wifi, Aufenthaltsraum, Strom, Wäscheservice
Sonstiges: ein Klassiker in Cuzco, sehr viele Overlander
Koordinaten: -13.50575, -71.98547

4 Gedanken zu “Welcome to Peru – Vom Lago Titicaca nach Cuzco

  1. Schön wieder von euch beiden zu hören, dass gute am Reisen ist, es geht immer wieder weiter, mal so mal so ????? Ist sehr spannend wie unterschiedlich das Leben in den einzelnen Länder so ist. Generell ist in Südamerika, wer gut schmiert der Fährt auch gut, besser ist nicht zu zahlen, den da kommt gleich eine große Summe zusammen, denn man kommt auch so von A bis B. Liebe Grüße Heinz

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  2. Hallo Ihr Zwei, haben jetzt (hier in La Paz) die letzten 3 Berichte lesen können, ja so ist Südamerika wirklich, schön umschrieben, eine oft verrückte Welt in die wir da eintauchen…….herrlich, Euch weiterhin gute Fahrt und bleibt gesund.

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