Unter anderem nutzten wir die Wartezeit auf unsere neue Kardanwelle, um endlich richtig einzutauchen in die geheimnisvolle Welt der Inka. In der einstigen Hauptstadt des Inkareichs, Cuzco, verbrachten wir durch die Organisation des Ersatzteils etwas unfreiwillig fast zwei Wochen. Während dieser Zeit besichtigten wir die Inka-Ruine Saqsayhuaman oberhalb der Stadt. Der einstige Zweck der Anlage ist aufgrund fehlender Aufzeichnungen bis heute unbekannt. Ebenso unklar ist nach wie vor, wie die Inka die bis zu 200 Tonnen schweren Steinblöcke, die hier verbaut sind, bewegt haben. Die Bauweise ist in jedem Fall sehr beeindruckend. Die Steinblöcke wurden so bearbeitet, dass sie passgenau ineinander greifen und seit Jahrhunderten Erdbeben und sonstige Natureinflüsse überdauern. Leider verwendeten die Spanier einen Teil der Steine, um die Stadt Cuzco zu errichten, so dass von vielen Gebäuden nur noch die Grundmauern stehen.

Neben der kulturellen Seite, lernten wir auch endlich die vielgepriesene, peruanische Küche kennen. Denn Peru – das hatten wir schon vor unserer Reise gehört – hat momentan eine der spannendsten und besten kulinarischen Szenen Lateinamerikas oder sogar der Welt. Hierauf hatten wir uns schon länger gefreut. Wir kosteten Meerschweinchen-Ravioli (das Fleisch schmeckt mehr oder weniger wie Hähnchen), Alpaka Steak sowie Tartar von der aus dem Titicacasee stammendem Forelle. Alles schmeckte fantastisch! Jedem der mal etwas Zeit in Cuzco verbringt, sei das MAP Café sehr ans Herz gelegt (MAP Cafe), das sowohl mit außergewöhnlichen Gerichten als auch mit äußerst aufmerksamen Service und gemütlicher Atmosphäre inmitten eines Museums überzeugt. Und die Liebhaber der kleinen Nager seien beruhigt: Meerschweinchen wird nicht regelmäßig auf unserem Speiseplan stehen. Aber als eines der Nationalgerichte Perus, wollten wir es zumindest mal probieren…

Karte

Die Organisation unseres Ausflugs nach Machu Picchu wurde dann zu einer größeren Herausforderung. Wie wir schon mehrfach auf unserer Reise festgestellt haben: je größer und bedeutender die Sehenswürdigkeit, desto voller, teurer und komplizierter die ganze Logistik drum herum. Nach Machu Picchu führt keine Straße, direkt zu dem unterhalb der Ruinen gelegenen Ort gelangt man nur mit verschiedenen Zügen. Die Fahrkarten hierfür sind selbstverständlich völlig überteuert. Ebenso wie die Tickets für die Busse, die einen dann vom Bahnhof zu den Ruinen transportieren. Die Eintrittskarten für die Ruinen selbst sind in Anzahl und Besichtigungsdauer begrenzt. Man muss möglichst im Voraus buchen und sich entweder für den Vormittag oder den Nachmittag entscheiden (der Vormittag ist allerdings einige Zeit im Voraus ausgebucht). Wir ließen den immer noch nicht fahrbereiten Dulli auf dem Campingplatz stehen und begaben uns, völlig ungewohnt, ohne Auto zunächst ins Valle Sagrado. Ohne Auto zu reisen war für uns allerdings auch mal wieder ganz entspannt, ein großer Punkt weniger um den wir uns unterwegs kümmern mussten. Die günstige „Overlander-Variante“ der Besichtigung von Machu Picchu entfiel für uns so zwar, allerdings ist diese auch alles andere als bequem. Mit dem Auto bis zum Ende der beschwerlichen Straße, von dort die restlichen Kilometer entlang der Schienen zu Fuß, dann die Ruinen erklimmen und besichtigen und abends das Ganze möglichst und oft im dunklen noch retour… Die Bahnfahrt war zwar teuer, aber dafür deutlich entspannter.

Obwohl wir uns für diese Variante entschieden und so am Ende rund 200 Euro pro Person in diesen Ausflug investierten, war der ganze Tag anstrengend. Insbesondere durch den großen Andrang und den häufigen Wechsel der Verkehrsmittel (Taxi, Bahn, Bus, zu Fuß, Bahn, Taxi) waren wir irgendwann doch ziemlich gestresst. In den Ruinen selber verläuft sich das Ganze dann zum Glück. Und wie waren sie denn nun die weltberühmten Ruinen, deretwegen Viele sogar extra nach Peru reisen? Hmmmmmm… Ich traue mich das jetzt einfach mal zu schreiben: für uns (und das ist definitiv eine ganz persönliche Empfindung) waren sie den ganzen Aufwand und die hohen Kosten nicht wert. Wir haben vorher unzählige Bilder gesehen und natürlich ist es toll dann selber an dem berühmten Fotopunkt zu stehen und auf die 500 Jahre alte Inka-Stadt hinabzublicken. Die Anlage ist faszinierend, aber viel mehr als das was man von den berühmten Bildern kennt, ist es dann auch nicht. Das beeindruckendste an der Stadt war für uns definitiv die ungewöhnliche Lage auf einem Berggipfel, mitten im dichten Wald und umgeben von 5000ern. Darüber hinaus konnten wir wiederum die passgenau ineinandergreifenden, riesigen Steinblöcke bewundern sowie die künstlich angelegten Terrassen, die das Abrutschen der ganzen Anlage verhinderten und die Bewirtschaftung des Bodens möglich machten. Der genaue Zweck und auch der Grund warum die Stadt bereits vor Ankunft der Spanier verlassen wurde, ist bis heute ungeklärt. Die frühzeitige Aufgabe der Anlage hat allerdings mit Sicherheit dazu geführt, dass sie so gut erhalten ist. Und momentan richten eher Massentourismus und Filmteams Schäden an, mehr als die Natur in den Jahrhunderten davor. Wie eingangs geschrieben, tun wir uns ohnehin immer schwer mit den überlaufenen Touri-Highlights, allerdings waren andere, wie die Iguazúwasserfälle oder der Perito- Moreno-Gletscher dann zwar nie unsere absoluten Favoriten auf unserer Reise, aber definitiv einen eigenen Blick wert. Das sehen wir beide bei Machu Picchu zum ersten Mal anders, was vor allem an dem großen Aufwand drum herum liegt. Darüber hinaus sind wir beide zugegebenermaßen immer mehr von Naturspektakeln fasziniert als von kulturellen Sehenswürdigkeiten. Aber wir haben es ja jetzt auch leicht zu sagen, dass ein Besuch kein Muss ist, denn wir haben Machu Picchu nun mit eigenen Augen gesehen… 🙂 ) Die Entscheidung muss jeder selbst fällen, sicherlich kommt es vor allem darauf an, wie sehr man an „alten Steinen“ interessiert ist.

Das heilige Tal, welches einst den Inka als landwirtschaftliches Produktionszentrum diente, hat aber noch mehr zu bieten als überfüllte Züge in Richtung Machu Picchu. Die niedrigere Lage und die ständige Versorgung mit dem Gebirgswasser der umliegenden Berge machen die Gegend noch heute zum Obst- und Gemüsegarten Cuzcos. Wir begaben uns in dieser traumhaft schönen Umgebung auf eine Wanderung zu den berühmten Salinas von Maras, den höchstgelegenen Salzterrassen der Welt. Auf über 3000 m wird hier in rund 3000 Becken ausschließlich in Handarbeit Salz gewonnen. Eine Methode die noch aus den Zeiten der Inka stammt. Das salzhaltige Wasser wird in die Becken geleitet, um dann in der kräftigen Höhensonne zu verdunsten und die Salzkristalle freizugeben. Eine wirklich faszinierende Anlage!

Zurück in Cuzco wurde uns noch einmal mehr bewusst, dass wir eindeutig bereits zu viel Zeit auf dem Campingplatz verbracht haben. Auch wenn die vielen Kontakte zu anderen Overlandern immer wirklich spannend und vielfältig sind, wir sehnten uns nach neuen Abenteuern. Aber auch das sei hier einmal erwähnt: so exotisch so eine Reise von Zuhause auch wirken mag, wenn man hier unterwegs ist, hat man wirklich das Gefühl die Hälfte Europas und ein Viertel Nordamerikas sind hier unterwegs. Gerade auf solchen „Hotspot-Plätzen“ an touristisch beliebten Orten, die im Zweifel jeder auf seiner Reise ansteuert. Insbesondere Deutsche, Schweizer und Franzosen (diese auch gerne mit 1-3 Kindern) sind unterwegs, aber auch Holländer, Spanier, Belgier und US- Amerikaner trifft man regelmäßig. Zum ersten Mal trafen wir in Cusco aber auch Südafrikaner und das auch noch in einem weißen Landrover mit Hubdach. Das war ein großes „Hallo“ und es wurden fleißig gegenseitig die Autos inspiziert. Wie immer, waren wir mit den Südafrikanern sofort auf einer Wellenlänge, nicht nur aufgrund der Vorliebe für guten Wein und Landrover… Aber zurück zu den ersehnten Abenteuern: übermorgen geht es nun für fünf Tage in den Regenwald des Amazonas. Und das Ganze wieder ohne Dulli, per Flugzeug und Boot… Wir sind extrem aufgeregt!


Unterkünfte

Ort: Urubamba
Art: Hotel
Preis: 85 USD inkl. Frühstück
Annehmlichkeiten: Wifi, Restaurant, Yoga Raum, Hängematten
Sonstiges: sehr hübsches, familiär geführtes Hotel, die Besitzerin ist sehr engagiert und herzlich und unterstützt bei allen Anliegen
Koordinaten: -13.180661, -72.073587

Ein Gedanke zu “Auf den Spuren der Inka – Machu Picchu und das heilige Tal

  1. Oh, schon wieder so ein toller Bericht und sooo schöne Bilder. Toll!!
    Aufregend wird ja auch der nächste Reiseabschnitt in den Regenwald. Wir wünschen euch tolle Erlebnisse.

    Gefällt 1 Person

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