Die Cordillera Blanca, Perus einzigartige Gebirgskette im Norden des Landes verfügt nicht nur über 30 6.000er und 650 Gletscher, sondern auch über ein recht wechselhaftes Klima. Das ist insofern erwähnenswert, als dass wir gleich am ersten Tag in den Bergen unseren ersten richtigen Regen seit April erlebten (die Wochen zuhause selbstverständlich ausgenommen…). Die letzten Monate haben wir in so trockenen Gegenden verbracht bzw. es herrschte eben Trockenzeit, dass die Tropfen selbst für Hamburger zum richtigen Ereignis wurden und wir uns sogar ausnahmsweise mal ein bißchen darüber freuten. Am folgenden Tag wurden wir wieder mit Kaiserwetter verwöhnt und konnten schon am Frühstückstisch den Ausblick auf die gewaltigen Gletscher der Umgebung genießen.

Karte

Nachdem wir uns ein wenig akklimatisiert hatten, wagten wir uns in den Nationalpark Huascaran, der die Cordillera Blanca umgibt. Die spektakuläre Laguna Paron lässt sich dank der Arbeiten, mit denen vor einigen Jahren der Wasserpegel der Lagune abgesenkt wurde, sogar mit dem Auto erreichen. So kraxelten wir mit Dulli ans Ufer der auf 4.200 m liegenden, türkisblauen Lagune und trauten unseren Augen kaum. Der Platz ist unglaublich schön, die perfekt geformten, schneebedeckten Berge im Hintergrund, davor der kristallklare See und das alles fast für uns alleine. Trotz der Höhe schlugen wir unser Lager auf und verbrachten dann leider eine ziemlich schlechte Nacht mit Kopfschmerzen und Herzrasen. Als wir am nächsten Morgen wieder aus dem Fenster lugten und sich gerade der Nebel über der Lagune lichtete, waren wir wieder etwas versöhnt mit unserem wirklich spektakulären Campingspot. Die Wanderung am Ufer der Lagune fiel dann aber den Umständen entsprechend überschaubar aus und wir beschlossen nun endgültig die Berge Berge sein zu lassen und uns die ganz große Höhe erst mal zu ersparen.

Durch den Cañon del Pato fuhren wir demnach früher als gedacht wieder an die Küste. Vor der Küste im Norden Perus wurden wir schon von vielen Reisenden gewarnt. „Klein-Afghanistan“ war eine der Beschreibungen. Der Weg dorthin war allerdings erst mal traumhaft schön. Durch eine enge Schlucht, schmale Tunnel und vorbei an Wasserfällen schlängelten wir uns wieder auf Meereshöhe hinunter. Dort angekommen war die Umgebung dann tatsächlich ziemlich hässlich mit Müllbergen und unattraktiven Örtchen am Straßenrand, aber die gute Straße brachte uns zum Glück auch schnell voran. Mehr Sorgen bereitete uns allerdings ein neues Geräusch am Dulli… Mal wieder. An unserem Übernachtungsplatz angekommen, stellte Malte fest, dass sich die Dichtungen an den Achsen aufgelöst hatten und eine der Muttern lose war. Zum Glück nichts schlimmes. Anke und Wolfgang sind gleichzeitig mit uns an der Küste angekommen und netterweise half Wolfgang uns gleich am nächsten Morgen das kleine Problem zu beheben.

Wir mussten also nicht unnötig lange verweilen, sondern konnten den letzten langen Abschnitt der wirklich unglaublich hässlichen Panamericana in Nord-Peru in Angriff nehmen. Wir legten eine kurze Verschnauf- und Großeinkaufs-Pause in Piura ein, froh darüber, dass wir unterwegs an keinen der vielen korrupten Polizisten geraten sind, vor denen wir so häufig gewarnt wurden. Vor lauter Freude gönnten wir uns endlich einen Besuch in einer „Polleria“. Seit Monaten wollte Malte eines der immer so verlockend und knusprig aussehenden Grill-Hähnchen probieren. Wir fanden aber erst jetzt einen Laden, in dem das Ganze einigermaßen vertrauenswürdig wirkte. Malte genoss also ein wirklich sehr schmackhaftes Hähnchen. Ich hatte keinen großen Hunger und bestellte nur eine Vorspeise. Das Gericht kannte ich nicht, also fragte ich den Kellner und er sagte meiner Meinung nach, dass es sich um Rindfleisch handele. Er sprach sehr leise, die Musik war sehr laut… Und – nun ja – wir waren wohl lost in translation… Jedenfalls kam das Essen, sah etwas komisch aus, aber man wird ja mutiger auf so einer Reise. Der erste Bissen war dann aber so eklig, dass er es nicht bis in meinen Magen schaffte. Gutes Stichwort: nach späterer Internet- Recherche hatte man mir Hähnchen Mägen serviert. Gar nicht mal so lecker. Das war eines der unangenehmeren Kapitel der peruanischen Küche, die uns ansonsten wirklich begeistert hat. Was die Peruaner heutzutage aus ihren traditionellen Gerichten zaubern, ist einzigartig. Zwar haben uns argentinische und uruguayische Steaks auch wirklich begeistert, aber Peru hat kulinarisch auf jeden Fall von allen bereisten Ländern bisher am meisten zu bieten. In den vielen Wochen, die wir im Land verbracht haben, haben wir jedenfalls (fast) immer unglaublich lecker gegessen.

Der letzte Streckenabschnitt nach Norden brachte uns dann endgültig in tropischere Gefilde und an die ersten Strände auf unserer Reise mit badetauglichen Wassertemperaturen. Der El Niño Strömung sei dank. Im äußersten Norden Perus, kurz vor der ecuadorianischen Grenze fanden wir ein kleines Paradies am Strand. Nach einem Jahr in Südamerika campten wir das erste Mal unter Palmen mit Kokosnüssen. Vom Dulli ins 25 Grad warme Wasser waren es nur ein paar Schritte und der Campingplatz bot auch sonst alles was das Overlander-Herz begehrt. Bei langen Strandspaziergängen entdeckten wir so manches Getier, was die Flut an Land spülte. Tot oder lebendig gab es uns einen Eindruck, was die Fauna weiter im Norden so zu bieten hat. Neben Robben waren das Seeelefanten, große Schildkröten, stachelige Fische, große Schnecken, die ersten Blaufuß-Tölpel und Krebse und aus der Ferne sogar mal wieder Buckelwale. Eine völlig neue Vegetationszone begann und wir freuten uns sehr über die vielen neuen Eindrücke. Wir verbrachten unsere letzten Tage in Peru in dieser einzigartigen Umgebung und genossen das Land, was leider insgesamt nicht zu unseren Favoriten auf unserer Reise zählt, so noch einmal ausgiebig. Am letzten Abend bereitete die Besitzerin des Campingplatzes frische Langusten für uns zu, die wir zusammen mit Anke und Wolfgang verspeisten. Auf dem letzten Streckenabschnitt sind wir uns immer wieder begegnet, was jedes Mal wieder große Freude auslöste. Während des Essens sprangen dann auch noch Wale im Meer herum und wir alle waren einfach nur glücklich so etwas erleben zu dürfen.

Am Strand hatten wir Zeit uns einerseits auf Ecuador vorzubereiten und einen groben Reiseplan zu machen. Andererseits zogen wir unser Fazit zu Peru. Das fällt sehr gemischt aus. Peru ist ein vielfältiges Land und hat unheimlich viel zu bieten. Obwohl wir eine lange und auch sehr schöne Zeit hier hatten, hat es Peru allerdings nie geschafft uns so richtig in seinen Bann zu ziehen. Das liegt unseres Erachtens vor allem an den Menschen, die im Gegensatz zu allen anderen Ländern auf unserer Reise sehr reserviert und oft geradezu unfreundlich waren. Zudem verstehen es die Peruaner wie kein anderes Volk in den vorherigen Ländern uns Touristen auszunehmen. Und das sehr uncharmant und übertrieben. Hier beträgt der „Gringo-Aufschlag“ nicht 50 Prozent wie vielleicht in Bolivien, sondern gerne mal 200 Prozent. Das macht dann keinen Spaß, wenn man den Taxifahrer oder Marktverkäufer erst mal so sehr herunterhandeln muss, um sich nicht total ausnehmen zu lassen. Wir zahlen wirklich gerne mehr, aber bitte immer mit einem Augenzwinkern und nicht zu frech. Wir haben uns lange über unser Empfinden gegenüber Peru gewundert, bis wir gegen Ende der Zeit im Land mit anderen Reisenden gesprochen haben, die teilweise ähnlich empfunden haben. Das hat uns irgendwie beruhigt, gerade weil Peru als Reiseland momentan so „in“ ist. Wir hatten dennoch eine unglaublich tolle Zeit in Peru, die uns von Dschungel über die sagenhaften Berge bis hin zu Strandtagen alles geboten hat. Wiederum waren die ganz besonderen Momente den Menschen geschuldet, die wir unterwegs kennengelernt haben. In diesem Fall die ganze Kite-Crew in Paracas, der wir die wohl besondersten Wochen hier verdanken.


Unterkünfte:

Ort: Medio Mundo
Art: Campingplatz
Preis: 30 Sol
Annehmlichkeiten: Toiletten, kalte Dusche
Sonstiges: gepflegte Anlage, durchschnittliche Waschräume, ein guter, ruhiger Spot zwischen Lima und der Cordillera Blanca
Koordinaten: -10.89791, -77.68624

Ort: Carhuaz
Art: Campingplatz
Preis: 40 Sol
Annehmlichkeiten: lauwarme Dusche, Toilette, Küche
Sonstiges: auf 2.600 m, guter Platz zum akklimatisieren
Koordinaten: -9.29551, -77.63062

Ort: Caraz
Art: Campingplatz
Preis: 30 Sol
Annehmlichkeiten: sauberes Bad, warme Dusche, schnelles Wifi, Strom
Sonstiges: sehr schöner, ruhiger Platz, der sich auch gut als Ausgangspunkt für Wanderungen eignet, sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, netter Besitzer
Koordinaten: -9.05506, -77.79501

Ort: Laguna Paron
Art: freies Camping
Preis: kostenlos
Annehmlichkeiten: tagsüber Toilette am Refugio, Wasserhahn
Sonstiges: einer der spektakulärsten Campingspots unserer Reise, grandioser Blick über die Lagune und auf die schneebedeckten Gipfel, auf 4.200 m
Koordinaten: -9.00023, -77.68492

Ort: Huanchaco
Art: Camping vor einem Hostel
Preis: 30 Sol
Annehmlichkeiten: warme Dusche, Wifi, Toilette, Außenküche
Sonstiges: sehr nette Besitzer, direkt am Strand, die Badezimmer sind etwas ungepflegt Koordinaten: -8.07475, -79.11889

Ort: Piura
Art: Campingplatz
Preis: 30 Sol
Annehmlichkeiten: Rustikales Außen-Badezimmer, schnelles Wifi, Strom, Pool, Restaurant
Sonstiges: entspannter Platz mit nettem und hilfsbereitem Besitzer, Fluglärm
Koordinaten: -5.15251, -80.61120

Ort: Zorritos
Art: Campingplatz
Preis: 20 Sol
Annehmlichkeiten: warme Dusche, sauberes Bad, Wifi, Strandduschen, Waschmaschine, Kiosk
Sonstiges: einer der schönsten Plätze unserer Reise, definitiv das beste Preis-Leistungs- Verhältnis, direkt am Strand unter Palmen
Koordinaten: -3.72534, -80.75972

 

6 Gedanken zu “Peru – der Norden: schneebedeckte Berge und karibische Strände

  1. Hallo Ihr Zwei
    Ich lese eure spannenden und Authentischen Berichte immer mit Freude. Diese Info aus erster Hand sind einfach toll. War selber fünf Wochen mit meinen Freunden zum größten Teil mit den Bike in Ecuador unterwegs Vulkane, Berge, Regenwald, Land und Leute, Thermen, plus Galapagos. Hatte den Putsch in Quito 2000 selber miterlebt, da wurde ein Profiteur gegen einen anderen Profiteur ausgetauscht. Es gab auch Tote auf Seiten der Indios. Die Währung viel in dieser Zeit um ca 30%. Freue mich schon auf eure Erlebnisse in Ecuador.

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  2. Hallo Heinz, vielen Dank für Deine lieben Kommentare!! Deine Zeit in Ecuador klingt ja mehr als spannend!! Mal sehen was uns in diesem vergleichsweise kleinen Land so erwartet… wir stecken jedenfalls gerade mitten in der Planung für Galápagos. Viele Grüße aus Guayaquil, Ali und Malte

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  3. Oh, da wart ihr ja gar nicht bei den Chachapoyas Rund um Cajamarca und der Festung Kuelap. Das hätte sich jedenfalls mehr gelohnt als die dreckigste aller Küsten Perus bzw. Südamerikas 😉 Weiterhin eine gute Reise und bestellt Anke und Wolfgang schöne Grüße! Viele Grüße aus Mittelamerika…

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  4. Ja, das stimmt!! Aber wir wollten einfach möglichst schnell an den Strand 🙂 Der hat dann entschädigt… Viele Grüße zurück aus Santa Marianita, wir sind schon gespannt auf eure Berichte aus Mittelamerika!!

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